Ein 17-Jähriger ist auf seinem Elektrofahrrad auf einer Landstraße in Issum-Sevelen unterwegs, als ein Autofahrer zu spät bremst. Der 52-Jährige aus Neukirchen-Vluyn rast in den Jugendlichen hinein, ein Hubschrauber muss das Opfer schwer verletzt in eine Klinik bringen, wo es später stirbt. Kein Einzelfall: Immer wieder liest man von Pedelec-Unfällen, an denen junge Menschen beteiligt sind.

Als Landesinnenminister Herbert Reul am Mittwoch (11. März) in Düsseldorf die Verkehrsunfallbilanz 2025 vorstellt, rückt besonders der Radverkehr in den Fokus. Mehr als 100 Menschen sind in NRW im vergangenen Jahr bei einem Radunfall ums Leben gekommen. Das ist der höchste Wert seit zehn Jahren. In 34 Prozent aller Unfälle mit Personenschaden sind Fahrräder oder Pedelecs involviert, es geht also um mehr als jeden dritten Unfall.

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Besonders auffällig ist der Zuwachs bei jungen Verkehrsteilnehmern. Die stärksten prozentualen Anstiege verzeichnet die Statistik bei den unter 14-Jährigen sowie bei den 15- bis 17-Jährigen. Pedelecs seien längst keine „Seniorenfahrzeuge“ mehr, sagt Reul bei der Vorstellung der Zahlen. „Wer mit dem Pedelec unterwegs ist, erreicht Geschwindigkeiten, die er vom klassischen Fahrzeug nicht gewohnt ist.“ Das verändere die Fahrdynamik, die Bremswege sowie die Reaktionszeiten, „und das muss man beherrschen“.

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Pedelec-Trainings auch für junge Fahrer?

Zum Hintergrund: Im Alltag werden Begriffe wie Pedelec und E-Bike oft synonym verwendet. Ein Pedelec unterstützt jedoch nur beim Treten und wird rechtlich mit dem Fahrrad gleichgestellt. Höchstgeschwindigkeit: 25 Kilometer pro Stunde. E-Bikes sind eher mit einem Elektromofa zu vergleichen und lassen sich mithilfe des Elektroantriebs durch einen Drehgriff oder Schaltknopf fahren, auch ohne dabei in die Pedale zu treten.

Innenminister Reul stellt Verkehrsunfallbilanz vor
NRW-Innenminister Herbert Reul hat an diesem Mittwoch (11. März) die Verkehrsunfallbilanz 2025 in Düsseldorf vorgestellt. Besonders im Fokus: der Radverkehr. © Fabian Strauch/dpa | Fabian Strauch

Blickt man nun auf die steigenden Zahlen, stellt sich die Frage: Braucht es künftig ein Pedelec-Training für Kinder und Jugendliche?

Die Kreispolizei Wesel bietet bereits Pedelec-Stunden an, diese aber vorrangig für Seniorinnen und Senioren. „Aus didaktischer Sicht ergibt es keinen Sinn, so ein Training an einem Termin für alle Altersgruppen gemeinsam anzubieten, weil wir da ganz verschiedene Zielgruppen haben“, erklärt Sprecher Henner Störmer und verweist auf eine etablierte Alternative: die Radfahrausbildung in den Grundschulen im Landkreis. „Im Grunde ist das Pedelec auch ein Fahrrad, die Regeln im Straßenverkehr unterscheiden sich nicht“, so Störmer. Ein separates Training nur für junge Pedelec-Fahrer sei derzeit nicht geplant. „Wir müssen das prüfen. Aber ob wir das so anbieten können, steht noch nicht fest.“

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Radunfälle auf Höchststand: ADFC fordert bessere Radinfrastruktur

Für den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) in NRW liegt die Lösung vor allem in besseren Rahmenbedingungen: „Wir brauchen sichere und durchgängige Radwege, sichere Kreuzungen sowie sichere Schulwege“, sagt Verkehrspolitik-Referent Bendikt Glitz zur NRZ. Gleichzeitig müsse der sichere Umgang mit dem Fahrrad frühzeitig gelernt werden. Marc Zietan, verkehrspolitischer Experte des ADFC NRW, schreibt angesichts der aktuellen Zahlen von einer alarmierenden Entwicklung. „Wir fordern, dass die Verkehrspolitik und Verkehrspolizei die gestiegenen Zahlen zum Anlass nehmen, ihre Arbeit im Sinne der Vision Zero konsequent am Schutz der ungeschützten Verkehrsteilnehmer:innen auszurichten.“

Entscheidend sei die Aufklärung, sagt Christina Görtz von der Verkehrswacht NRW. „Es ist wichtig, darüber zu informieren, was erlaubt ist und was nicht.“ Bei Pedelecs gibt es – anders als bei E-Scootern (Rollern) – keine Altersbegrenzung. Experten raten jedoch: Kinder unter 14 sollten Pedelecs nicht nutzen, hauptsächlich wegen der Eigenarten beim Beschleunigen. Die Kreispolizei Wesel sieht bei dem Thema auch die Familien in der Pflicht.

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Immer mehr Kinder auf Pedelecs: „Hauptverantwortung liegt bei den Eltern“

„Die Hauptverantwortung liegt bei den Eltern“, findet Sprecher Henner Störmer. Sie müssten entscheiden, ob ihre Kinder bereits sicher genug sind, um mit einem Pedelec im Straßenverkehr unterwegs zu sein.

In der Verkehrsunfallbilanz zeigt sich: Radfahrer selbst sind bei den Unfällen häufig gar nicht die Hauptverursacher. In rund zwei Dritteln der Fälle liegt die Ursache bei anderen Verkehrsteilnehmern, etwa wegen Vorfahrtsverstößen, Fehlern beim Abbiegen oder beim Einfahren in den fließenden Verkehr, so die Bilanz. „Hier würde es oft schon helfen, sich vor der Weiterfahrt einen Moment Zeit zu nehmen, den Kopf zu drehen und sich einen Überblick über die Verkehrssituation zu verschaffen“, so Reul.