Während in den Nachrichten von einer „Waffenruhe“ und von Verhandlungen in Islamabad die Rede ist und über das offene oder geschlossene Nadelöhr Straße von Hormus berichtet wird, sitzen Tausende Menschen an Rhein und Ruhr vor den Bildschirmen und verfolgen mit großer Sorge die aktuellen Nachrichten aus der Heimat. Es geht für sie nicht nur um Benzinpreise oder die Lieferung von Öl, sondern um den Krieg in ihrem Heimatland. „Ich höre von der Straße von Hormus und von steigenden Benzinpreisen. Ich höre auch von Trump und von Bomben. Aber ich höre kaum etwas über die Perspektive der Menschen im Iran“, sagt Said Boluri aus Duisburg.
Auch interessant
Der 47-Jährige ist Sozialwissenschaftler und Buchautor aus dem Iran. Er ist einer von zehntausenden Iranerinnen und Iranern in NRW. So wie ihm geht es vielen in der iranischen Diaspora. Sie empfinden eine Mischung aus Freude und Angst. Einerseits freuen sie sich, dass die Bombardierungen gestoppt wurden, andererseits haben sie Angst, dass die Menschen im Iran den Preis dafür bezahlen oder bereits bezahlt haben.
Lesen Sie auch
Waffenruhe im Iran: Zivilbevölkerung leidet weiter unter doppelter Gewalt
Ende Februar starteten die USA und Israel gemeinsame Angriffe auf den Iran, was laut einigen Experteneinschätzungen ein völkerrechtswidriger Krieg war. Am Mittwoch, 8. April, stimmten die Kriegsparteien einer zweiwöchigen Waffenruhe zu. International ist die Erleichterung groß, doch der Konflikt ist damit noch lange nicht gelöst. Ab Freitag, 10. April, sollen sich Delegationen der USA und des Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad treffen, um einen dauerhaften Friedensplan zu verhandeln.

Doch Boluri bleibt gegenüber dieser Waffenruhe skeptisch. Für ihn persönlich waren es 40 Tage Krieg, sagt er. Für die Menschen im Iran war es jedoch eine doppelte Gewalt, die sie erleben mussten. Einerseits gibt es ein Regime, das seit Jahrzehnten Oppositionelle verfolgt, foltert und hinrichtet. Auf der anderen Seite einen internationalen Konflikt, der auch aus der Luft Tod gebracht hat – und doch kaum zum Schutz der Menschen führt, die seit Jahren für Freiheit auf die Straße gehen. „Für die iranische Zivilbevölkerung bedeutet sie keinen Frieden. Sie muss nun auf der Straße selbst weiter gegen das Regime kämpfen.“ Er betont außerdem, dass dieser Krieg ihnen im Kampf für die Freiheit vom Mullah-Regime nicht geholfen hat. „Mit den Bomben ist es am Ende nur noch schlimmer geworden.“
Boluri hofft trotzdem noch, dass die Hinrichtungen der politischen Gefangenen medial und politisch thematisiert werden. Denn das Regime tötet sie laut dem Duisburger in den letzten Tagen auf bestialische Weise, „um Angst zu verbreiten und Macht zu demonstrieren“.







