Schon aus der Ferne fallen die zwei neuen Windräder an dem großen Maisfeld in Alpen-Veen ins Auge. Mit 162 Metern Nabenhöhe sind sie noch mal 64 Meter höher als ihre drei Vorgänger, die an diesem leicht bewölkten Donnerstagmittag noch fleißig rotieren. Aus nächster Nähe fällt dieser Größenunterschied kaum noch auf. Was jedoch auffällt: An einem der zwei neuen Räder wurden erst zwei Blätter montiert. „Das dritte soll aber gleich angebracht werden“, kündigt Arif Doruk vorsichtig optimistisch an.

Der Bauleiter des Windparkbetreibers SL Naturenergie blickt nach oben, rümpft die Nase und schützt mit der Hand seine Augen vor der strahlenden Sonne. Mit der anderen deutet er auf die rote Gondel, die den weißen Turm mit den zwei Flügeln verbindet. „Die Kollegen stehen schon oben und warten darauf, dass es losgeht.“ Zumindest unten ist es windstill auf dem weiten, grünen Feld.

Perfekte Bedingungen für die Montage. Und die braucht es auch. „Denn wenn der Kran ein 31 Tonnen schweres Blatt heben und das dann auf einer Höhe von 162 Metern mit 92 riesigen Schrauben befestigt werden soll, muss alles stimmen.“ In den vergangenen Wochen musste die Montage deshalb immer wieder verschoben werden.

87 Meter lang und 31 Tonnen schwer

Doruks Handy klingelt. Zügig holt er es aus der Hosentasche und geht ein paar Meter zur Seite. Wenig später kommt er lächelnd zurück: „Es geht jeden Moment los!“ Die Fläche, auf der das neue Windrad steht, ist bereits weiträumig abgesperrt. Ein spezieller Kran ist schon aufgerichtet und mit mehreren Seilen mit dem 87,5 Meter langen Blatt verbunden.

Dann brummt es laut und der Flügel – zunächst noch in waagerechter Position – setzt sich in Bewegung. Ganz langsam wird er immer weiter nach oben Richtung Gondel bewegt, nur wenige Meter pro Minute. Es dauert eine knappe Stunde, bis der Flügel aufgerichtet und oben am Maschinenraum des Windrads angedockt wird – jetzt muss er noch verschraubt werden.

Montage der Rotorblätter
Die ersten Blätter des neuen Windrads wurden schon am vergangenen Mittwoch montiert.© SL NaturEnergie | SL NaturEnergie

Doruk schaut sich das Spektakel von unten an. Neben ihm steht Sebastian Gampe, Leiter des Repowering-Projekts in Alpen. Monatelang wurde der Bau der neuen Räder geplant, Baustart war dann im Winter 2025. Seitdem sei fast alles glatt gelaufen. Lediglich bei dem Transport eines Blattes gab es ein Problem. So steckte Mitte Mai der Schwertransport in der Auffahrt von der A42 auf die A57 in Kamp-Lintfort fest, weil eine Kurve für das 100-Meter-Gespann dann doch etwas zu eng war.

Flügel-Transport für neue Windräder in Alpen
Die Kurve nicht bekommen: Der Schwertransport steckte im Mai in der Auffahrt auf die A57 fest.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Fast 24 Stunden musste die Auffahrt gesperrt werden, bis ein paar Bäume zurückgeschnitten, die Schutzplanke abgefräst wurden und der Transporter wieder weiterfahren konnte. Offenbar ein Kalkulationsfehler, der sich danach aber nicht mehr wiederholte. „Danach lief alles wieder nach Plan“, erzählt Gampe.

Alpen - Windräder sind fertig
Mit einem Kran wird der Flügel an die Maschine angedockt.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Windräder sind aufgebaut, trotzdem gibt es noch viel zu tun

Doch obwohl die neuen Windräder jetzt zwar so gut wie fertig sind, sei das Projekt noch lange nicht abgeschlossen. Zunächst müsse man das Windrad noch ans Netz anschließen und mit dem Testbetrieb starten. „Da wird sich das Windrad schon drehen, Strom produziert wird aber noch nicht“, macht der Projektleiter klar. „Dafür wird getestet, ob alles richtig funktioniert, von der automatischen Windausrichtung bis zur Fledermausabschaltung, die die Tiere vor einem Zusammenstoß mit den Rotorblättern schützt.“

Alpen - Windräder sind fertig
Sebastian Gampe leitet das Projekt in Alpen.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

Offiziell eingeweiht werden sollen die neuen E-175-Windräder des Herstellers Enercon erst in einigen Wochen. Dann sollen sie übrigens mehr als dreimal so viel Strom produzieren wie die drei alten Windräder, die inzwischen über 20 Jahre alt sind. Insgesamt 34 Millionen Kilowattstunden erwartet SL Naturenergie pro Jahr. Damit könne man rechnerisch fast 12.000 Haushalte versorgen.

Alte Windräder werden abgebaut

Die drei alten Windräder seien daher auch nicht mehr wirtschaftlich und sollen bald verschwinden. „Dafür werden sie schrittweise zurückgebaut und sorgfältig auseinander genommen, damit so viel Material wie möglich recycelt werden kann“, sagt Bauleiter Doruk. Zum Teil sollen die Materialien sogar beim nächsten Projekt in Sonsbeck zum Einsatz kommen.

Nachdem Flügel und Gondel abmontiert werden, sollen die Betontürme schließlich in wenigen Wochen gefällt werden. Dabei soll er an mehreren Stellen angesägt werden und so kontrolliert umfallen. Auch das Fundament soll komplett aufgelöst werden, damit die Fläche später wieder landwirtschaftlich genutzt werden kann.

Alpen - Windräder sind fertig
So sehen die neuen Windräder übrigens von innen aus.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

In ein paar Wochen stehen dann also nur noch zwei Windräder auf dem großen Feld. Wenige Kilometer weiter – in Alpen Winnenthal – arbeitet SL Naturenergie aber auch schon am nächsten Windrad. In etwa 130 Metern Höhe sollen hier weitere 10 Millionen Kilowattstunden im Jahr produziert werden.

Alpener können finanziell profitieren

Ein neues Windrad kostet nicht nur viel Arbeit, sondern auch richtig viel Geld. Inklusive Planung und Bau beziffert SL Naturenergie die zwei neuen Exemplare in Alpen auf jeweils zwölf Millionen Euro. Doch auf lange Sicht steckt hier auch viel Profit drin. Davon können auch Anwohner über eine Bürgerbeteiligung profitieren. Wer mindestens 500 Euro für zehn Jahre anlegt, erhält im Gegenzug Zinsen. Weitere Informationen gibt es online unter www.sl-buergerbeteiligung.de.