Eine lange Reise hat Erzbischof Laurent Lompo hinter sich, als er an einem Vormittag im Priesterhaus in Kevelaer sitzt. Der 59-Jährige ist aus Niger, dem Westen Afrikas, angereist. Und das nicht, um die Schönheit Kevelaers zu erkunden. Er möchte gemeinsam mit Elke Kleuren-Schryvers von der Stiftung Aktion pro Humanität (APH) ein neues Projekt vorstellen. Es geht um eine Baumpflanzaktion in der Region Tillabérie, die gegen Armut, Terror und Hunger helfen soll.

Folgen Sie der Redaktion auf Social Media:

Um zu erklären, wie das gehen soll, muss der Erzbischof erst einmal ausholen. Denn nur die wenigsten Menschen am Niederrhein kennen wohl die Situation in Niger, in der Grenzregion zu Burkina Faso und Mali. „Seit 2018 wird die Sicherheitslage immer schwieriger“, erklärt er. In dem Jahr sei ein Priester von islamistischen Terroristen als Geisel genommen worden. Zwei Jahre war er in Gefangenschaft, bis er befreit werden konnte. „Es wird immer schlimmer. Die Überfälle gehen immer weiter. Alle kleinen Schulen mussten wegen der unsicheren Lage geschlossen werden. Mehr als 20.000 Kinder können dort seit 2018 nicht mehr die Schule besuchen“, erklärt Lompo.

Mehr zum Thema

Die Terroristen verlangen Geld und Steuern von den Menschen, die in der Region leben. „100 Euro im Jahr sollen die Menschen im Alter zwischen 15 und 80 Jahren an die Terroristen zahlen, wenn sie dort bleiben wollen“, berichtet Laurent Lompo. Dabei ist es dem Erzbischof sehr wichtig zu betonen, dass nicht nur Christinnen und Christen Opfer der Terroristen sind, sondern auch muslimische Menschen. „Es ist auch schon eine Moschee zerstört worden“, sagt er. 44 Menschen seien beim Gebet ums Leben gekommen.

Junge Leute lassen sich von Terroristen akquirieren

Besonders die jungen Leute in der Region bewege die unsichere Lage. „Sie können nicht mehr zur Schule gehen. Sie haben deshalb auch keine Chance, Geld zu verdienen, und deshalb sind sie leider dankbare Opfer für die Terroristen“, sagt der Geistliche. Die Terroristen würden es leicht schaffen, die jungen Leute auf ihre Seite zu ziehen, sie dazu zu bringen, ihnen per Handy Informationen über Standorte weiterzugeben. „Die Terroristen haben keinen Respekt vor Menschen“, sagt Lompo. „Sie haben unglaubliche Waffen wie Gleitbomben.“ Zweimal sei sein Heimatdorf Makalondi bereits angegriffen worden. „Sie kommen mit 500 Motorrädern, auf denen jeweils zwei Menschen sitzen, und sind hochbewaffnet.“

Aber es gibt eine Sache, die sie offenbar sehr schätzen: Bäume. „Sie wollen auf keinen Fall, dass Bäume abgeholzt werden“, erklärt der Erzbischof. „Wenn das jemand macht, wird die Person sehr bestraft. Wir haben die Situation lange beobachtet.“ Nun setzt Lompo viel Hoffnung in das Projekt „Grüner Sahel“, bei dem insgesamt 5600 Bäume auf 13 Hektar Land gepflanzt werden sollen. „Wir wollen mit der Aktion ,Grüner Sahel‘ die Natur schützen, jungen Menschen eine Perspektive geben sowie Früchte als Nahrung und zu pharmakologischen Zwecken anbauen“, sagt der 59-Jährige. Die Aktion soll den Menschen dort auch Schatten spenden und die Böden verbessern. „In der Region wächst die Wüste immer weiter“, erklärt Lompo.

Staubig und trocken: Hier soll die Wüste grün werden.
Staubig und trocken: Hier soll die Wüste grün werden.© APH

Für die insgesamt 5600 Bäume werden rund 120 Millionen Euro gebraucht, die durch Spenden gesammelt werden sollen. Die Spenden für die Bäume sammelt die Stiftung APH mit Sitz in Kevelaer. APH engagiert sich mit sozialen und medizinischen Projekten im westafrikanischen Benin und Niger.

Erzbischof Laurent Lompo hat mit seinen Unterstützern schon alles durchgeplant. „Wir haben zwei Grundstücke, die der Kirche gehören. Auf denen sollen die Bäume gepflanzt werden“, sagt er. Eines befindet sich in Tillabéri, das andere weiter östlich. Und auch die Baumarten, die gepflanzt werden sollen, stehen fest: Morengabäume, Affenbrotbäume, Eukalyptus, Guave, Mango, Neembaum, Zitrone, Akazien oder Anarcadium.

Alle Bäume haben einen besonderen Nutzen

Zu jedem der Bäume kann Erzbischof Laurent Lompo erklären, wieso er ausgewählt wurde. „Beim Affenbrotbaum kann man zum Beispiel alles verwenden. Man kann die Blätter essen, mit den Samen süßen und aus der Rinde Medizin machen. Eukalyptus hilft gegen Malaria. Außerdem kann man mit den Ästen auch Dächer decken“, erklärt er.

Die Bäume sollen eingezaunt werden. Erzbischof Laurent Lompo ist zuversichtlich, dass die Terroristen das Projekt nicht zerstören werden, sodass es buchstäblich seine Früchte tragen kann. „Sie haben auch nie einen Brunnen zerstört“, betont er. Wasser gibt es auch im Sahel, so heißt die Übergangszone in Afrika, die sich südlich der Sahara quer über den Kontinent erstreckt. APH hat in der Vergangenheit bereits 22 Brunnen in der Region gebaut.

APH-Projekt „Grüner Sahel“

Das Projekt „Grüner Sahel“ realisiert Erzbischof Laurent Lompo in Niger mit seinem Expertenteam, 100 jungen Einheimischen sowie der Stiftung Aktion pro Humanität mit den Spenden, die am Niederrhein gesammelt werden können. „Grüner Sahel“ soll die Hoffnung auf eine Perspektive geben, den Lebensunterhalt sichern, gegen Armut, Terror und Hunger wirken. Gesucht werden auch Schulen, Vereine, Chöre, Pfarrgemeinden, Stiftungen und Unternehmen, die sich ebenfalls für das Projekt engagieren wollen. Mehr Informationen und wie gespendet werden kann, gibt es im Internet unter www.pro-humanitaet.de

Unterstützung gibt es auch von Weihbischof Rolf Lohmann, der bei dem Gespräch nicht persönlich dabei sein konnte. Er setzt sich dafür ein, dass die Idee rund um das APH-Projekt „Grüner Sahel“ bekannt wird. „Weltweite Geschwisterlichkeit ist nicht nur ein hübsches Label, sondern sie erfordert nachhaltiges, konkretes Handeln. Jetzt sehr klar und einfach zu realisieren durch den symbolischen Erwerb eines Baumsetzlings gegen eine Spende“, lässt der Weihbischof über eine Mitteilung von APH verlauten.

Bäume spenden Schatten und werden somit ein wichtiger Treffpunkt für die Menschen im Sahel sein.
Bäume spenden Schatten und werden somit ein wichtiger Treffpunkt für die Menschen im Sahel sein. © APH

Mit einer Spende in Höhe von 20 Euro pro Setzling kann geholfen werden. „Wir wollen möglichst schnell viele Bäume auf den Weg bringen“, sagt Elke Kleuren-Schryvers. Erzbischof Laurent Lompo nickt: „Wenn wir 1000 bis 2000 Bäume haben, können wir starten.“ Er hofft, dass es schnell geht und die ersten Setzlinge bereits im Oktober gepflanzt werden können. „Wir Menschen am Niederrhein sind jetzt gefragt. Wir können das Projekt gemeinsam vorantreiben“, sagt Kleuren-Schryvers.