Die Entsendung der USS Gerald R. Ford, des größten Flugzeugträgers der Welt, in die Karibik hat Warnungen über eine militärische Eskalation zwischen den USA und Venezuela ausgelöst. Unterstützt durch weitere Kriegsschiffe, ein atomgetriebenes U-Boot und Dutzenden von taktischen Flugzeugen, hat das US-Militär die größte Präsenz in der Region seit der Invasion Panamas 1989 aufgebaut, schreibt der „Guardian“.

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Präsident Donald Trump rechtfertigt diese massive Mobilisierung mit dem Kampf gegen den Drogenhandel und bezeichnet die Einsätze gegen die Boote mutmaßlicher Drogenschmuggler, bei denen zuletzt Dutzende Menschen ums Leben kamen, als notwendige Maßnahme, um den Fluss illegaler Substanzen in die Vereinigten Staaten zu stoppen. Beobachter sehen darin jedoch vor allem einen Versuch, Druck auf Venezuelas Präsidenten Nicolás Maduro auszuüben, um ihn nach Vorwürfen über Wahlbetrug zum Rücktritt zu zwingen. Laut dem Wissenschaftler Christopher Sabatini von Chatham House, der im „Guardian“ zitiert wird, scheint das Weiße Haus auf einen „billigen Regimewechsel“ zu hoffen – ein Vorgehen, das nicht billig sei, da allein der Betrieb des Flugzeugträgers acht Millionen US-Dollar täglich koste.

„Gerald R. Ford“: So sieht es an Bord des US-Flugzeugträgers aus

US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Der US-Flugzeugträger USS „Gerald R. Ford“ war bis Freitag in der Nordsee an einer „Aktivität“ der Nato beteiligt.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Soldaten der Trägerdeck-Gruppe beladen einen Kampfjet.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Ein Pilot besteigt seinen Jet.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Auf dem Flugzeugträger USS „Gerald R. Ford“ sind unter anderem der Kampfjet F35, das auf elektronische Kriegsführung spezialisierte EA-18-Flugzeug, das Frühwarnflugzeug E2D sowie die Helikopterflugzeuge MH-60 „Romeo“ und MH-60 „Sierra“ im Einsatz. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Eine Boeing F/A-18E/F Super Hornet der US Navy rollt über das Flugdeck.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Fluglotsen und Piloten kommunizieren vor allem durch Handzeichen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Eine Boeing F/A-18E/F Super Hornet der US Navy startet vom Flugdeck, nachdem sie durch ein elektromagnetisches Katapult beschleunigt wurde.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Zahlreiche Fluglotsen, Mechaniker und Sicherheitsleute arbeiten an Deck des Flugzeugträgers.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Hinter den Jets werden vor dem Start Klappen hochgefahren.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Soldaten der Trägerdeck-Gruppe in feuerfesten Anzügen laufen über das Flugdeck.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Eine Boeing F/A-18E/F Super Hornet der US Navy im Landeanflug auf den Flugzeugträger. Das Deck ist 337 Meter lang. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Mit dem Fanghaken ihres Flugzeugs steuern Piloten eines von mehreren quer auf Deck liegenden Stahlseilen an. Nach rund 100 Metern kommt das Flugzeug zum Stehen.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Eine Formation aus vier dänischen Lockheed F35-Kampfflugzeugen, vier Boeing F/A-18E/F Super Hornet der US Navy, zwei General Dynamics F-16 Fighting Falcon und ein Grumman E-2 Hawkeye der Navy überfliegen den Träger.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Dänische Lockheed F35-Kampfflugzeuge überfliegen den US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Der Kommandant des Carrier Air Wing Eight, Captain David J. Dartez, ist für die Luftstreitkräfte an Bord zuständig.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Im Hangardeck werden die Flugzeuge geparkt und gewartet. Hier das Frühwarnflugzeug Grumman E-2 Hawkeye.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Kommandeur David W. Skarosi im Hangardeck des Flugzeugträgers.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
An Bord lebt die Hündin „Captain Sage". Sie ist ein Expeditionshund, der eine dreijährige Ausbildung abgeschlossen hat.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Die Aufgaben der flauschigen Mitarbeiterin: Seeleuten und Marinesoldaten während ihrer Einsätze bei der emotionalen Regulierung helfen, Stress abbauen und moralische Unterstützung bieten.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Die Brücke des Flugzeugträgers liegt 34 Meter über dem Flugdeck. © FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Kommandeur David W. Skarosi, auf die Frage ob die Provokationen durch Russland Spuren an Bord hinterlassen: „Angst herrscht hier jedenfalls nicht, falls Sie das fragen.“© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Mechaniker arbeiten im Hangardeck. Hier werden die Flugzeuge geparkt und gewartet.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini
US-Flugzeugträger USS Gerald R. Ford in der Nordsee vor Norwegen
Der US-Flugzeugträger USS „Gerald R. Ford“ ist nicht mehr lange in der Nordsee vor Norwegen. Der nächste Einsatzort ist unbekannt.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Frankreich sieht Missachtung des Völkerrechts

Mit der Ankunft der USS Gerald R. Ford schätzen Experte laut „CNN“, dass mittlerweile rund 15.000 US-Soldaten in der Region stationiert sind. Neben der USS Gerald R. Ford umfasst die begleitende Kampfgruppe neun Luftgeschwader, drei Lenkwaffenzerstörer, ein integriertes Luft- und Raketenabwehrkommandoschiff sowie Tausende von Seeleuten. Außerdem haben die USA zehn F-35-Kampfjets und mindestens drei MQ-9-Reaper-Drohnen in Puerto Rico stationiert, das zur militärischen Schlüsselzone in der aktuellen Krise geworden ist ist. Laut Reuters befinden sich auch 5.000 US-Soldaten vor Ort. Die verstärkte US-Präsenz ging laut Medienberichten mit mehreren Bomberangriffsübungen in der Nähe der venezolanischen Küste einher.

Die Vorgänge sorgen international für erhebliche Spannungen und Kritik. Der französische Außenminister Jean-Noël Barrot äußerte die Besorgnis, die Militäroperationen des US-Militärs könnten zu Instabilität in der Region führen. „Wir haben die Militäroperationen in der Karibik mit Sorge beobachtet, weil sie das Völkerrecht missachten“, erklärte Barrot. Frankreich sieht sich aufgrund seiner überseeischen Gebiete in der Karibik direkt betroffen. Großbritannien hat sogar den Austausch von Geheimdienstinformationen mit den USA angesichts des rechtlichen Schattens der Militäroperationen ausgesetzt, um mögliche strafrechtliche Konsequenzen zu vermeiden.

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Präsident Maduro reagiert mit einem umfassenden militärischen Gegeneinsatz

Auch die Rechtsexpertin Oona A. Hathaway von der Yale Law School kritisiert im „Guardian“ die Rechtmäßigkeit der US-Angriffe und weist darauf hin, dass „Bomben auf Menschen abzuwerfen, deren Identität man nicht kennt, ein Rechtsbruch ist“. Demokratische Politiker in den USA, darunter der demokratische Senator Adam Schiff, kritisieren ebenfalls die Rechtfertigung der Aktionen: „Es liest sich, als hätte man einem Anwalt den Auftrag gegeben: Geben Sie mir die bestmögliche Begründung dafür, warum das legal ist – seien Sie dabei so kreativ wie Sie wollen“, wird er in der „Washington Post“ zitiert.

Die Operationen der USA, die mittlerweile 76 Menschen das Leben gekostet haben, haben auch Konsequenzen in Venezuela selbst. Präsident Nicolás Maduro reagierte mit einem umfassenden militärischen Aufrüstungsprogramm und kündigte einen „massiven Einsatz“ von Land-, See-, Luft-, Fluss- und Raketenstreitkräften sowie zivilen Milizen an, um der US-Marine entgegenzuwirken. Maduro warf der Trump-Regierung vor, „einen neuen Krieg zu inszenieren“, und bezeichnete den Militäraufmarsch als „größte Bedrohung für unseren Kontinent in den letzten 100 Jahren“. Gleichzeitig verstärkt Russland seine Unterstützung für Venezuela und liefert Militärausrüstung, darunter Raketen- und Luftverteidigungssysteme.

Venezuela reagiert mit umfassendem militärischem Gegeneinsatz

Zusätzlich erklärte der venezolanische Verteidigungsminister Vladimir Padrino López, dass die bolivarische Miliz, eine von Hugo Chávez gegründete Reservetruppe aus Zivilisten, ebenfalls an den groß angelegten militärischen Übungen teilnehmen werde. Ziel dieser Übungen, die Teil von Maduros „Unabhängigkeitsplan 200“ seien, sei es, „Führung, Kontrolle und Kommunikation zu optimieren“ und die Verteidigung des Landes sicherzustellen, betonte López. Die regulären Streitkräfte Venezuelas umfassen etwa 123.000 Mitglieder, während Maduro erklärte, seine Freiwilligenmiliz bestehe mittlerweile aus über acht Millionen Reservisten. Experten bezweifeln jedoch sowohl die Zahl als auch die effektive Ausbildung dieser Milizen.

Der internationale Widerstand gegen die US-Aktionen spiegelt sich auch in diplomatischen Treffen wie dem Gipfel der Gemeinschaft der Lateinamerikanischen und Karibischen Staaten (Celac) wider. 58 von 60 anwesenden Nationen unterzeichneten eine Erklärung, in der sie Gewaltandrohungen und jegliche Handlungen, die nicht mit dem Völkerrecht vereinbar sind, kritisch ablehnen – allerdings ohne die USA direkt beim Namen zu nennen. Venezuelas Regierung und Nicaragua verzichteten auf eine Unterzeichnung der Erklärung, während Brasiliens Präsident Lula da Silva eine direkte Konfrontation mit den USA vermied und stattdessen betonte: „Wir sind eine Friedenszone. Wir brauchen hier keinen Krieg. Das Problem in Venezuela ist ein politisches Problem und muss auf politischem Wege gelöst werden.“

Verstoß gegen internationales Recht: Auch US-Offiziere haben Bedenken

Parallel dazu hat die Trump-Administration versucht, die rechtliche Grundlage für ihre Operationen zu untermauern. Ein geheimes Gutachten des Office of Legal Counsel (OLC) des Justizministeriums, aus dem die „Washington Post“ zitiert, argumentiert, dass solche Angriffe rechtlich legitim und die beteiligten Soldaten nicht für ihre Handlungen strafrechtlich verantwortlich seien. Es stützt sich dabei auf die Behauptung, dass Drogenkartelle durch den Verkauf von Drogen eine Kampagne der Gewalt und Erpressung gegen die Vereinigten Staaten finanzieren.

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Hochrangige militärische und juristische Offiziere innerhalb der US-Regierung äußerten jedoch Bedenken, dass solche Operationen gegen internationales Recht verstoßen könnten, und zogen Parallelen zu den höchst umstrittenen Verhörmethoden der Bush-Regierung nach den Anschlägen vom 11. September 2001. Senator Schiff kritisierte das Gutachten: „Es würde den Einsatz von Gewalt nirgendwo auf der Welt einschränken“