Als Daniel Driscoll im Frühjahr als Sekretär der US-Armee vereidigt wurde, war er mit 38 Jahren der jüngste Amtsinhaber aller Zeiten. Aber nichts prädestinierte den Sohn eines Vietnam-Infanteristen, dessen Job es ist, als eine Art CEO über eine Million aktive Soldaten, Nationalgardisten und Reservisten sowie 270.000 zivile Mitarbeiter zu wachen, für die Aufgabe, die ihm erst vor wenigen Tagen zugeflogen ist.

Der in North Carolina aufgewachsene Absolvent der Elite-Universität Yale und ehemalige Oberleutnant, der 2009 im Irak-Krieg als Zugführer der Kavallerie-Aufklärungseinheit der 10. Gebirgsdivision kämpfte, ist im aktuellen Ringen um einen Friedensschluss zwischen Russland und der Ukraine neben Außenminister Marco Rubio der wichtigste Unterhändler Donald Trumps geworden. 

Artikel über die Ukraine – für Sie recherchiert

Ob zuletzt in Kiew, Genf oder aktuell in den Vereinigten Arabischen Emiraten – überall steht der ehemalige Investment-Banker, der gemeinsam mit Vize-Präsident JD Vance an der Elite-Universität Yale Jura studiert hat und von ihm für den Armee-Job empfohlen wurde, im Mittelpunkt der Verhandlungen mit Russland und der Ukraine. Offenbar nicht ohne Erfolg: Am Dienstag hieß es aus Verhandlungskreisen, dass Washington und Kiew sich gemeinsam auf einen auf 19 Punkte geschrumpften Friedensplan verständigt hätten.

Ringen um Kriegsende: USA und Ukraine einigen sich auf überarbeiteten Friedensplan

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    Zu der Herkules-Aufgabe ist der anders als sein zunehmend in Ungnade fallender Boss, Kriegsminister Pete Hegseth, meist Freundlichkeit ausstrahlende Ex-Soldat gekommen wie die Jungfrau zum Kind. 

    Driscoll sollte vor wenigen Tagen in Kiew den Wunsch von Präsident Trump vorantreiben, für die USA die zunehmend begehrte Drohnen-Technologie der Ukrainer einzukaufen, die als hoch innovativ und kostengünstig gilt. 

    Aus dem typischen Job eines für das Beschaffungswesen und Budget zuständigen zivilen Beamten wurde mit Trumps Segen eine sensible diplomatische Mission, an deren Ausgang das Leben von Hunderttausenden hängen kann. 

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    Daniel Driscoll (l.) begrüßt Präsident Trump auf dem US-Army-Stützpunkt Fort Bragg (North Carolina).© picture alliance / ASSOCIATED PRESS | Alex Brandon

    Driscoll war es, der im Mariinsky-Palast im direkten Gespräch mit Präsident Wolodymyr Selenskyj die inzwischen mehrfach überarbeiteten Vorstellungen für ein Kriegsende darlegte.

    Warum Trump so viel Vertrauen zu dem Novizen gefasst hat, ist öffentlich nicht bekannt. Insider sagen, er schätze den unverbrauchten, jungenhaften „Drohnen-Mann“ als kompetent ein, auch wenn er keine diplomatische Erfahrung vorzuweisen hat; schon gar nicht mit geheimdienstlich geschulten Russen. 

    Im Auftreten verkörpert Driscoll das Gegenteil zu dem fast durchweg durch rabiate Töne und sinnlose Duelle mit Andersdenkenden in sozialen Medien auffallende Ex-TV-Moderator Hegseth, über den gemunkelt wird, dass er 2026 seinen Posten verlieren könnte.

    Kalt und dunkel: Ukrainer vor viertem Kriegswinter

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      Allein auf Vitamin B, sprich auf den kurzen Draht zu JD Vance, sei der kometenhafte Aufstieg Driscolls aber nicht zurückzuführen, sagen Leute aus Trumps Apparat. „Dan hat sich als ungemein fähig erwiesen – und er ist angenehm im Umgang“, sagt ein Republikaner in Washington, der den Werdegang des Armee-Sekretärs verfolgt hat. Bestätigt wird allenthalben, was ein ehemaliger Professor über Driscoll gesagt hat: „Kluger Kopf. Sehr freundlich und bescheiden. Kein großes Ego. Zielorientiert.“

      Umstrittener Einsatz der Nationalgarde war auch Driscolls Aufgabe

      Kritiker beobachten unterdessen mit Argusaugen, ob Driscoll die Philosophie seines Freundes JD Vance teilt, der seit Monaten auf einen Ruckzuck-Frieden setzt, der weitgehend russischen Vorstellungen entspricht und die Ukraine an breiter Front benachteiligen würde. Auch dass Driscoll in seiner Funktion maßgeblich an den heftig umstrittenen Einsätzen von Nationalgardisten in Los Angeles, Chicago und anderen Metropolen beteiligt war, bietet für oppositionelle Demokraten Anlass, den neuen Star im Pentagon mit Skepsis zu betrachten. 

      FY2026 Budget Request for the Army
      Hat sich in wenigen Monaten Respekt und Anerkennung erworben: Armee-Sekretär Dan Driscoll.© picture alliance / Sipa USA | CQ-Roll Call

      Bewahrheitet sich, dass Kiew die Rahmenbedingungen für einen Friedensschluss mitträgt, wartet eine noch schwierige Aufgabe auf den Neuling – Dan Driscoll wird Wladimir Putin für das Projekt erwärmen müssen.

      Trump-Vertrauter Witkoff trifft Putin zu heiklem Moskau-Gipfel

      Aber das wäre nur die halbe Miete. Steve Witkoff, Trumps persönlicher Freund aus der New Yorker Immobilien-Branche und Sondergesandte an vielen internationalen Fronten, geht nächste Woche in Moskau mit ganz anderen Startvoraussetzungen in das erwartete Spitzengespräch mit Wladimir Putin.

      Seit Beginn der Präsidentschaft genießt der 68-jährige Milliardär, der auch im Gaza-Konflikt eine zentrale Vermittler-Rolle spielte, großen Handlungsspielraum gegenüber dem Kreml. Kein anderer US-Vertreter hat Putin in diesem Jahr so oft im Vieraugengespräch gehabt wie der milliardenschwere Immobilien-Unternehmer, der Trump 1986 beim Bezahlen für ein Sandwich mit Geld aus der Patsche half und seither eng mit ihm befreundet ist.

      Witkoff ist Neuling im diplomatischen Geschäft. Dass er offen seine Bewunderung für Wladimir Putin äußert („Ich denke nicht, dass er ein schlechter Mann ist“) und regelmäßig pro-russische Argumente übernimmt, hat Witkoff, der sich bei Gesprächen auf den russischsprachigen Dolmetscher des Kremls verließ, bei manchen Kritikern das Etikett „Putins Papagei“ eingetragen.

      Russland-Verbindungen: Witkoff soll Putin Tipps für Trump-Kontakt geben

      Frische Enthüllungen des Nachrichten-Dienstes Bloomberg erhärten den Verdacht, dass Witkoff parteiisch ist. So wurde das Transkript eines Gespräches mit Juri Uschakow öffentlich. Dabei gab Witkoff Putins außenpolitischem Chef-Berater Tipps, wie der russische Präsident am besten mit seinen Anliegen bei Trump landen könne. Witkoff empfahl, dass Putin dem US-Präsidenten für außenpolitische Erfolgen „gratuliert“ und ihm als „Mann des Friedens“ schmeichelt. Witkoff drängte darauf, dass Putin Trump unbedingt vor dem jüngsten Besuch Selenskyjs in Washington am 17. Oktober anrufen müsse; offenbar, um ihn rechtzeitig zu instruieren, bevor der Widersacher aus Kiew seine Wunschliste für einen etwaigen Friedensschluss vorlegen konnte.

      „Ein echter Verräter“, schrieb der demokratische Abgeordnete Ted Lieu aus Kalifornien zu Witkoffs Kapriolen. Der republikanische Abgeordnete Don Bacon aus Nebraska wurde noch schärfer. „Man kann ihm nicht zutrauen, diese Verhandlungen zu leiten. Würde ein von Russland bezahlter Agent weniger tun als er? Er sollte entlassen werden.“

      Über Witkoffs Motive wird in Washington noch mehr spekuliert, seit Journalisten wie Craig Unger und Ina Iversen dargestellt habe, dass Witkoff über Jahrzehnte „in russischem Geld, russischen Mafia-Kreisen und russischen Immobiliengeschäften geschwommen“ sein soll.