Ausgerechnet „Auf ein Bier mit Manuel Hagel“ heißt das Format, in dem der CDU-Politiker 2018 fragwürdige Aussagen über Mädchen tätigt. Acht Jahre später, elf Tage vor der Landtagswahl in Baden-Württemberg, fliegt ihm das gehörig um die Ohren. Was sich in dem Interview offenbart, ist nicht nur Stammtischgelaber. Es ist Sexismus.

Auch interessant

Schlimm genug: Schon beim Betreten einer Realschulklasse schien dem damaligen Generalsekretär als Erstes das Geschlechterverhältnis aufzufallen. Einen Raum voller Mädchen kommentiert er dann auch noch in einer TV-Sendung mit „Da gibt’s für 29-jährige Abgeordnete schlimmere Termine als diesen“, grinst schelmisch und schwärmt von den „rehbraunen“ Augen einer Schülerin.

2018, drei Jahre nach #metoo, hätte Hagel wissen können, dass man so etwas über Realschülerinnen, die maximal 16 Jahre alt sein dürften, nicht sagt. „Aus dem Kontext gerissen“, entschuldigen Sympathisanten sein Verhalten. In welchem Kontext ist es okay, über das Aussehen eines Schulmädchens zu schwärmen, das er „nie vergessen“ werde? In einem Kontext, in dem es um Politik geht?

Baden-Württemberg: Den Wahlkampf-Endspurt selbst verhagelt

Aber das Problem liegt auch in Hagels heutigem Umgang mit der Sache. Hätte er wirklich verstanden, wie unangebracht sein Verhalten war, hätte er sich spätestens bei seiner Kandidatur zum Spitzenkandidaten eine bessere Replik einfallen lassen müssen als: „(...) war Mist. Meine Frau hat mir damals direkt den Kopf gewaschen.“

Portrait Valentiner, Vivien
Vivien Valentiner© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Von einem künftigen Ministerpräsidenten erwartet man Weitblick. Dass er sich darauf vorbereitet, mit welchen Leichen im Keller er im Wahlkampf konfrontiert werden könnte. Und dann bessere Entschuldigungen parat hat, Reue zeigt, Selbstreflexion übt, sich in der Zwischenzeit zu Sexismus weitergebildet hat.

Auch interessant

Natürlich kommt dieses Video den Grünen keine zwei Wochen vor der Wahl verdächtig gelegen. Aber ob Grünen-Foul oder nicht – der CDU-Spitzenkandidat hat sich den Wahlkampf-Endspurt selbst verhagelt, nicht nur 2018.