- Mineralwasser mit Kohlensäuer ist in Deutschland besonders beliebt
- Es existiert bereits seit vielen Tausend Jahren
- Doch ist Sprudel nur Geschmackssache – oder auch ein Heilmittel?
„Sprudel prickelt, als ob man mir hunderte Nadeln in die Zunge sticht.“ So beschwert sich ein Kollege in der amerikanischen Zeitschrift „The Atlantic“. Sein Fazit: Sprudel tut mir weh und ich bin nicht allein. Das prickelnde Getränk ist in den USA auf dem Vormarsch – es gilt als gesunde Alternative zu zuckerhaltigen Limonaden, schmeichelt aber wohl nicht jedem Gaumen. In Deutschland hingegen greifen drei Viertel der Menschen regelmäßig zu kohlensäurehaltigem Mineralwasser. Warum eigentlich?

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Mineralwasser hat in Deutschland Tradition. Sogar die alten Römer sollen es vor 2000 Jahren bereits getrunken haben. Derzeit liefern 150 Brunnen natürliches Wasser aus über 500 Quellen, so der Verband Deutscher Mineralbrunnen. Mineralwasser entsteht aus Regenwasser, das unter das Grundwasserniveau in den Boden gesickert ist. Dabei löst es Minerale wie Natrium, Calcium oder Magnesium aus den Gesteinsschichten. In vulkanischen Regionen nimmt das Wasser zudem Kohlensäure auf und wird so zu dem Sprudelwasser, wie es die Menschheit schon seit Jahrtausenden kennt.
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Vor allem im 19. Jahrhundert wurde Mineralwasser als Heilmittel eingesetzt und in Apotheken vertrieben. Dabei spielte die Kohlensäure eine besondere Rolle. Sie sorgte für Haltbarkeit und verhinderte Eintrübung. Ihre volle Wirkung entfaltet die Säure allerdings nur in Glasflaschen, denn PET-Flaschen können das Gas schlechter halten. Sprudel aus Glasflaschen bleibt trotz des Mindesthaltbarkeitsdatums von zwei Jahren nahezu unbegrenzt haltbar, heißt es von der Informationszentrale Deutsches Mineralwasser (IDM).
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Sprudel: Wie zwei Deutsche den Wassermarkt revolutionierten
Die Herstellung von Sprudel geht auf den Hessen Jacob Schweppe zurück – noch heute stellt ein weltweit agierender Konzern prickelnde Getränke unter seinem Namen her. Während der britische Chemiker Joseph Priestley der erste war, der Wasser künstlich zum Sprudeln brachte, war es der gelernte Silberschmied Schweppe, der einen Apparat zur industriellen Herstellung des damaligen Heilmittels entwickelte. So gelang es ihm, unter hohem Druck wesentlich mehr Kohlensäure ins Wasser zu pumpen als es Priestley möglich war. Der Hintergedanke: Je prickelnder das Wasser, desto gesünder muss es sein. Im Jahr 1783 wurde Schweppes Erfindung patentiert.

In den 1820er Jahren entwickelte dann der sächsische Arzt und Apotheker Friedrich Adolph August Struve eine Methode zur Herstellung von künstlichem Mineralwasser und gründete die „Königlich Sächsische konzessionierte Mineralwasseranstalt“, so das Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV). Mithilfe von Stuves Methode konnten nicht-lösliche Stoffe unter Druck in kohlensäurehaltigem Wasser lösbar gemacht werden. Somit war die Basis für das heutige Tafelwasser geschaffen. Anders als natürliches Mineralwasser wird es nicht direkt am Quellort abgefüllt, sondern industriell hergestellt.
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Aber warum wird in Deutschland viel mehr Sprudel getrunken als anderswo? „Im Vergleich zu anderen Ländern hat Deutschland eine ausgesprochene Mineralwasser-Kultur mit über 150 Mineralbrunnen und rund 500 regionalen Mineralwässern“, so der Sprecher des Verbands Deutsche Mineralbrunnen, Maik Hünefeld. Zudem würden viele Menschen den Mineralwasserkonsum mit einem gesunden Lebensstil verbinden. Wir trinken also Mineralwasser, weil es seit Urzeiten aus dem Boden sprudelt, weil wir glauben, dass es gesund ist und wir es gewohnt sind – anders als die Kollegen in Amerika.











