Traumzeit-Festival

Paperstreet Empire spielen endlich im Abendprogramm

Dennis Glettenberg, Christoph Remplewski, Ben Münstermann, Timo Ruthmann und Nico Paulerberg (v. li.) sind Paperstreet Empire.

Dennis Glettenberg, Christoph Remplewski, Ben Münstermann, Timo Ruthmann und Nico Paulerberg (v. li.) sind Paperstreet Empire.

Foto: Heiko Buschmann

Duisburg.   Zweimal waren sie schon dabei, aber nicht zur besten Zeit. Nun stehen Paperstreet Empire beim Traumzeit-Festival zur Prime Time auf der Bühne.

„Eins, zwei, drei, vier“ zählt Drummer Timo Ruthmann seine Kollegen an, dann greifen Nico Paulerberg, Ben Münstermann und Dennis Glettenberg in die Saiten. Es scheppert im Medienbunker Marxloh, doch die Wände sind gut isoliert und die Nachbarn rund um den Johannis-Markt bekommen von der Session am Montagabend nichts mit. Paperstreet Empire proben für ihren nächsten Auftritt – und es ist nicht irgendein Gig, den die Indierocker aus Duisburg vor sich haben.

Paperstreet Empire – benannt nach dem Film „Fight Club“ – spielen beim Traumzeit-Festival, zum dritten Mal inzwischen, aber nun zur Prime Time. „2013 waren wir zum ersten Mal dabei und zwei Jahre später erneut, aber jeweils nachmittags“, erinnert sich Gitarrist Nico Paulerberg. „Natürlich ist es für eine lokale Band generell große Sache, bei der Traumzeit zu spielen, aber wenn es noch hell ist und nicht so richtig viele Leute vor der Bühne stehen, dann ist es schon etwas anderes als jetzt am 15. Juni.“

Auftritt nach den Editors

Immerhin: Vor vier Jahren waren sie direkt nach den Editors dran, dabei füllen die Briten längst große Hallen oder in ihrer Heimat England sogar Stadien.

Die Karriere von Paperstreet Empire hingegen ist ein wenig ins Stocken geraten. Das hat mehrere Gründe. Vor gut zehn Jahren treffen sich die Kumpel Nico Paulerberg (Gitarre/Gesang), Ben Münstermann (Gitarre) und der frühere Schlagzeuger Merlin Braun, die vorher unter dem Namen Remedy firmieren, auf Bassist Dennis Glettenberg. Als Quartett schreiben sie zunächst fleißig Songs, aber es fehlt ein Sänger. „Wir haben uns einige Jungs angehört, aber entweder passte es stimmlich oder von der Persönlichkeit her nicht richtig“, bemerkt Nico Paulerberg. Dann schlägt Christoph Remplewski im Proberaum auf. „Ich habe die nötige Lautstärke mitgebracht“, sagt er lachend.

Paperstreet Empire sind vollständig, der erste Gig kann kommen. Das DJäzz an der Börsenstraße lädt die junge Band zum Auftritt ein. Er wird ein Erfolg – und zehn Jahre später gibt’s ein Wiedersehen an selbiger Stelle. „Unser Jubiläumskonzert wollten wir natürlich im DJäzz geben“, berichtet Nico Paulerberg vom gelungenen Comeback am 6. April dieses Jahres.

Zwischenzeitlich passiert eine Menge. Paperstreet Empire sind vielleicht nicht auf dem Weg zu Superstars, aber für einen lokalen Act sind sie angesagt. Nachdem Merlin Braun die Band verlässt und Stefan Mühlenkamp neuer Drummer wird, folgen 2011 die Veröffentlichung des ersten Albums „Whatever You Just Said – I’m In“ sowie 2012 mit dem „Best of Unsigned Contest“ in Oberhausen die erste Auszeichnung. Zwei Jahre später legen Paperstreet Empire mit „Music is Afraid of Us“ eine EP mit vier Stücken nach, darunter die Single „The Seducer“. Es ist die beste Phase der Duisburger Indierocker, sie werden für große Festivals wie „Essen Original“, „Bochum Total“ und „Olgas Rock“ gebucht. Beim kleinen, aber feinen „Freefall“ in Moers spielen sie sogar mehrere Jahre hintereinander sowie eben zweimal bei der Traumzeit am Hochofen im Landschaftspark Nord. „Zu der Zeit haben wir schon ein bisschen auf den Durchbruch gehofft“, gibt Frontmann Christoph Remplewski zu.

Plötzlich im Radio und Fernsehen

Auch im Radio werden ihre Stücke gespielt, zwar nicht auf High Rotation tagsüber, aber immerhin: „Eines abends habe ich im Auto und gesessen und Campus FM gehört. Plötzlich lief ‘Translucency’. Da hatte ich schon eine Gänsehaut“, nickt Nico Paulerberg. Ein anderes Stück wird in der WDR-Lokalzeit als Jingle eingespielt, „danach haben mich etliche Freunde und Bekannte angerufen, sie hätten unser Lied gehört“.

Im Februar 2015 spielen sie vor 450 Fans im ausverkauften Grammatikoff, es ist wohl der wohl beste Auftritt des Quintetts überhaupt. Auch wenn sich Paperstreet Empire über den zarten Erfolg freuen dürfen und ihr zweites Album „Heat“ nebst der Singleauskoppelung Annie“ herausbringen, bleibt für die Oasis-Fans die Musik ein Hobby. Nico Paulerberg übernimmt nach seinem Marketing-Studium als Geschäftsführer die sich seit 115 Jahren in Familienhand befindliche Tanzschule. Christoph Remplewski, eigentlich ausgebildeter Balletttänzer, ist als IT-Experte bei der Stadt Neukirchen-Vluyn angestellt. Ben Münstermann, Doktor der Ingenieurwissenschaften, arbeitet für einen deutschen Ableger des weltweit vernetzten Unternehmens 3M und Dennis Glettenberg ist frisch gebackener Architekt. Timo Ruthmann, der mit Abstand Jüngste in der Band, arbeitet als Veranstaltungsmanager in einem Essener Varieté-Theater. „Natürlich haben wir immer Bock darauf, Musik zu machen, mit dem Tourbus durch die Gegend zu fahren und live vor möglichst vielen Leuten zu spielen, aber es ist eben doch anders gekommen“, meint Dennis Glettenberg grinsend. Die nächste Generation steht allerdings schon in den Startlöchern. „Mein vierjähriger Sohn fährt voll auf unsere Musik ab“, verrät Ben Münstermann.

Sie kann sogar einen Bund fürs Leben begründen. Sänger Christoph lernt seine Frau bei einem Gig im Grammatikoff kennen. „Da waren wir eigentlich ziemlich schlecht und ich habe auch noch das Mikro geschrottet“, meint er und führt grinsend aus: „Später hat der Abend noch eine gute Wendung genommen.“

Nun steht also mal wieder eine Traumzeit vor der Tür. Paperstreet Empire haben „nicht nur richtig Bock drauf“, wie Nico Paulerberg betont, sondern wollen vor heimischem Publikum in Duisburg beweisen, dass sie auch nach zehn Jahren noch richtig rocken können. Die „Anstoßzeit“ am Samstagabend um 21.05 Uhr scheint optimal, um möglichst viele Leute vor die Bühne am Gasometer locken zu können. Auf der anderen Seite sind die Musiker heiß darauf, sich nebenan ein wenig frischen Anschauungsunterricht zu holen. „Metronomy fangen an, wenn wir mit unserem Gig fast fertig sind. Dann müssen wir schnell rüber zum Cowperplatz“, kündigt Nico Paulerberg an.

Der 15. Juni kann kommen.

Tickets und Infos: Das Traumzeit-Festival findet vom Freitag, 14. Juni, bis Sonntag, 16. Juni, im Landschaftspark Nord in Duisburg statt.

Auf vier Bühnen treten insgesamt 40 Bands auf, der Eintritt zur Gasometer-Bühne ist frei.

Festivaltickets für alle drei Tage kosten 76 bzw. 86 Euro (inkl. Camping) und sind bis zum 13. Juni unter www.traumzeit-festival.de erhältlich.

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