Haus Esselt

Zuhause bei Maler Otto Pankok im Haus Esselt in Hünxe

Die Pankoks: Tochter Eva, Vater Otto, Mutter Hulda. Das Bild ist in den 1930er Jahren entstanden.

Die Pankoks: Tochter Eva, Vater Otto, Mutter Hulda. Das Bild ist in den 1930er Jahren entstanden.

Foto: Privat

Hünxe.   Otto Pankok wurde in Saarn geboren. Den friedlichsten Teil seines Lebens verbrachte er im Haus Esselt in Drevenack. Wie kam er hierher?

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„Ist gekauft!“, so reagiert der Zeichner, Grafiker und Bildhauer Otto Pankok freudig spontan, als Eva Brinkmann, eine Weseler Künstlerin und Freundin seiner Frau Hulda, ihnen am Telefon erzählt, dass ein etwas vernachlässigtes Herrenhaus, „Haus Esselt“ – recht abgelegen vom Ortskern Hünxe am Niederrhein – käuflich zu erwerben sei. Sie weiß, dass es Otto Pankok nach Beendigung seiner Professur an der Kunstakademie in Düsseldorf wieder aufs Land zieht.

Was sie aber nicht weiß, ist, dass Otto Pankok 1926, als er einige Zeit in Hünxe-Drevenack verbrachte, auch auf Gut Esselt seine Staffelei aufgestellt hatte, um die Issel und die beachtliche Hofanlage Esselt im Bild festzuhalten, diese also bereits kannte. Damals wohnte er, seiner Bedürfnislosigkeit entsprechend, in einem kleinen Zimmer einer Gaststätte in Drevenack. Sein Atelier waren die niederrheinische Landschaft, der Wald, die Weiden, die Heide. In Kohlezeichnungen und Radierungen fand die Region ihren künstlerischen Ausdruck, der widerspiegelte, was Pankok als inneres Erlebnis von den von außen wahrgenommenen Motiven aufgenommen hatte.

Seine Frau Hulda formulierte dies damals so: „Die Schaffenslust des Künstlers entzündet sich an der Wirklichkeit, die aber zum persönlichen inneren Erlebnis wird.“

Otto Pankoks Bilder von diesem Malaufenthalt sind heute Zeugnisse jener Zeit und dieser Region am Niederrhein. In ihm selbst haben sie die Erinnerung an den für ihn besonderen Ort Haus Esselt wachgehalten, der mit dem spontanen Kauf 1958 eine Bleibe bedeutete, die ihn sehr an seine Kindheit erinnerte.

Haus Esselt im Norden der Gemeinde Hünxe wurde 1709 von Oberstleutnant Christoph von Loeben erworben. Er ließ das Herrenhaus bis auf die Grundmauern abtragen, um auf den alten Kellergewölben, die noch heute in einem erstaunlich guten Zustand sind, einen Neubau – so wie er sich aktuell ausweist – zu errichten. 1844 wurde in der großzügigen Anlage ein Wirtschaftsgebäude erbaut, das heute das Otto-Pankok-Museum beherbergt.

Nach mehreren Besitzerwechseln erbten 1956 die Geschwister von Kulmiz Haus Esselt. Von ihnen konnte Otto Pankok 1958 diese Anlage mit ihrem Herrenhaus – heute denkmalgeschützt – erwerben. Das zweigeschossige, hellgrau geschlämmte Haus mit einem hohen Vollwalmdach und einer Wappentafel über dem östlich gelegenen Eingangsportal empfängt seine Gäste ehrwürdig, aber offen, denn alle Familienmitglieder haben den Museumsbesuchern gern einen Einblick in ihr Leben gewährt. Nun, nach dem Tod Eva Pankoks, werden die Besucher dort anschaulich mit dem Geist, der Geschichte und der Kunst von Otto, Hulda und Eva Pankok vertraut gemacht.

Leitmotiv: „Alles bleibt neu“

Der Erhalt dieses besonderen Ortes am Niederrhein ist erklärtes Ziel der Otto-Pankok-Stiftung und -Gesellschaft. Unter dem Leitmotiv „Alles bleibt neu“ soll das Museum behutsam weiterentwickelt werden.

Viele ehrenamtliche Mitarbeitende haben sich stets bemüht, die gerade heute wieder sehr aktuellen Inhalte des Werks von Otto Pankok einer größeren Besucherzahl zugänglich zu machen. Eine Säule dieses Vorhabens ist das Otto-Pankok-Forum, das die Botschaften der Künstlerfamilie mit aktuellen gesellschaftlichen und politischen Themen in Verbindung bringt.

Darüber hinaus leistet die ständige Weiterentwicklung eines pädagogischen Programms für Kinder und Jugendliche einen entscheidenden Beitrag zur Zukunftssicherung des Hauses. Pankoks Bilder, Druckgrafiken und Bronzen sprechen als Boten der Vergangenheit in der Gegenwart der Betrachtung eine Werteorientierung für die Zukunft aus. Die jugendlichen Besucher können hier einen Augenblick des Besinnens, der inneren Ruhe erfahren und in der Auseinandersetzung mit den Inhalten der Bilder aktuelle Zeitbezüge herstellen.

In naturbetonter, stressfreier Atmosphäre ist es jedem Einzelnen möglich, eine neue Welt der Kunst zu entdecken, zu verstehen und nach ihrem Vorbild selbst kreativ zu werden, das Zeichnen mit Kohle, das Drucken und Modellieren in Ton nach Pankoks eigenen Techniken auszuprobieren. Dieses Museum macht alle Sinne wach, es ist eine Bildungsquelle geworden, die neugierig macht.

Schließlich wird auch die Präsentation der Ausstellung modernisiert. Pankoks Werke sollen stärker als bisher in einen biografischen und zeitgeschichtlichen Kontext sowie neben andere Künstler gestellt werden. Darüber hinaus wird daran gearbeitet, die unzähligen Geschichten und Beschreibungen seiner Modelle, die Pankok in Tagebuchaufzeichnungen hinterlassen hat, mithilfe moderner Medien einzubinden. Auch Leben und Wirken der Pankok’schen Frauen – Hulda und Eva – wird authentisch erlebbar gemacht.

Winterausstellung: Bilder eines Lebens

Anlass für die aktuelle Winterausstellung im Haus Esselt war der bundesweit beachtete 50. Todestag Otto Pankoks am 20. Oktober 2016. Gezeigt werden Bilder, die wesentliche Lebensstationen des Künstlers berücksichtigen. Besondere Beachtung finden dabei der Beginn seiner künstlerischen Laufbahn mit Szenen aus seiner Heimat Mülheim/Saarn sowie das auf seinem Alterswohnsitz Haus Esselt in Hünxe-Drevenack entstandene Spätwerk. In seinen letzten Lebensjahren rückt die Darstellung von Natur und Schöpfung ganz ins Zentrum des Werks. Auf Haus Esselt fand Otto Pankok schließlich den Frieden, für den er sich ein Leben lang als Mensch und Künstler eingesetzt hat. (Hinweis: Der Text ist eine gekürzte Fassung, die mit freundlicher Genehmigung des Mercator-Verlages in Duisburg, dem Jahrbuch Kreis Wesel 2017 entnommen wurde. Das Buch ist im Handel zu kaufen oder übers Internet zu bestellen: www.mercator-verlag.de)

>> INFO: Otto Pankok Museum, Otto-Pankok-Weg 4, 46569 Hünxe-Drevenack; Winterausstellung zu sehen bis Frühjahr 2017; geöffnet samstags, sonntags von 10 bis 18 Uhr (Bitte beachten: vom 15. Dezember bis 15. Januar 2017 ist das Museum geschlossen); Internet: www.pankok-museum-esselt.de


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