Harlan Kwofie konnte gar nicht mehr aufhören zu grinsen. Für den Wide Receiver läuft es prächtig und – noch viel wichtiger: für Rhein Fire auch. Und da besteht ein essentieller Zusammenhang. Der Passempfänger, der in der laufenden Saison der European League of Football mehrmals verletzt aussetzen musste, stellt aktuell unter Beweis, wie wichtig er ist. Sechs Touchdowns in einem Spiel gegen den Underdog aus Berlin sind eine Sache, aber dreimal mit dem Ball in der Endzone zu landen, wenn sein Team einen Sieg im Verfolgerduell gegen die Raiders Tirol benötigt, noch einmal etwas ganz anderes.

Ich bin ein Fan von Rohat.

Martin Wagner, Gesellschafter von Rhein Fire über Offensive Coordinator Rohat Dagdelen.

„Wenn man so einen OC hat, der einem so vertraut – was willst du mehr?“, hatte Kwofie bereits direkt im Anschluss an den 34:24-Sieg gegen Innsbruck, das damit die Play-offs verpasst hat, gesagt. Der eigentliche Backup-Quarterback Rohat Dagdelen war nun erstmals offiziell als Offensive Coordinator im Einsatz und sorgte für erfolgreiche wie variable Spielzüge. „Ich bin ein Fan von Rohat“, gestand Fire-Gesellschafter Martin Wagner am Montagmorgen. „Erstmals konnte er die Offensive ohne Störgeräusche leiten. Das hat er richtig stark gemacht.“

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Nun stellt sich die Frage: Wie kann Rhein Fire, das zwischenzeitlich schon im Play-off-Rennen gescheitert schien, doch die „Wild-Card-Runde“, praktisch das Viertelfinale, erreichen? Die Antwort ist sowohl sehr einfach als auch sehr kompliziert. Gewinnt der zweifache Meister und Titelverteidiger am Sonntag (16.25 Uhr, Schauinsland-Reisen-Arena) daheim in Duisburg das letzte Punktspiel gegen Nordic Storm aus Kopenhagen, dann ist die Sache geritzt. Würden die Weinroten allerdings verlieren, wird es kompliziert.

Auch Runningback Jonathan Scott (rechts) ist Teil des offensiven Erfolgskonzepts.
Auch Runningback Jonathan Scott (rechts) ist Teil des offensiven Erfolgskonzepts.© imago/Eibner | Fabian Friese

Denn: Der „Tie-Breaker“ bei gleicher Anzahl von Siegen und Niederlagen verlangt viel Rechenarbeit. Da die 16 Teams gegen unterschiedliche Gegner spielen (die Teams der eigenen Division sowie gegen drei weitere Mannschaften), macht das Punktverhältnis (analog zum Torverhältnis in anderen Sportarten) keinen Sinn, da es unter den ELF-Teams massive Qualitätsunterschiede gibt. Also gilt bei Bilanzgleichheit der Wert „Strength of Victory“. Vereinfacht bedeutet das: Bei den eigenen Siegen wird zusammengezählt, wieviele Siege die jeweils besiegten Gegner insgesamt angehäuft haben. Je höher dieser Wert ist, desto höher ist die „Stärke der Siege“, da dann nun einmal starke Kontrahenten bezwungen worden sind. Genau genommen ist der „SoV-Wert“ ein Quotient, bei dem die Siege der Gegner durch die Summe der Siege und Niederlagen der Gegner geteilt werden. Wie gesagt: kompliziert.

Der „Strength-of-Victory“-Wert

Aktuell streiten sich vier Teams um noch zwei zu vergebene Play-off-Plätze: Rhein Fire (7 Siege, 4 Niederlagen, 0,416 SoV bei 32 Siegen der Gegner), Paris Musketeers (7-4 / 0,286 bei 22), Madrid Bravos (7-4 / 0,143 bei 11) und Frankfurt Galaxy (6-5 / 0,455 bei 30). Bei einem Sieg kann Rhein Fire nicht mehr von einem Play-off-Rang verdrängt werden, bei einer Niederlage dürfen nicht Paris (in Wien) und Frankfurt (gegen Madrid) gleichzeitig gewinnen. Passiert das nämlich nicht, wäre Rhein Fire auch bei einer Niederlage durch. Gut für alle Fans: Ob Rhein Fire einen Sieg gegen Kopenhagen benötigt, steht beim Kick-off fest, da die Konkurrenz bereits zuvor spielt. „Wir hoffen, dass wir 10.000 Fans begrüßen können“, sagt Martin Wagner vor dem letzten Heimspiel der Saison. Kinder und Jugendliche mit einem Ferienpass der Stadt Duisburg haben übrigens freien Eintritt zum Spiel. 

Alles zu Rhein Fire:

In dieser Woche geht es auch um die Zukunft der Liga: Die Vereine der European Football Alliance, die Ligachef Zeljko Karajica bekanntlich massiv kritisieren, treffen sich, um untereinander zu beraten, ob dessen Rücktritt als Geschäftsführer ausreichend ist, da er immer noch die Mehrheit an der Liga hält. Karajica bekommt aktuell auf mehreren Ebenen Gegenwind. Im österreichischen Fußball ist er Gesellschafter und „Chef“ von Austria Klagenfurt, das gerade aus der 1. Liga abgestiegen ist. Nun wenden sich die Fans nach der Heimniederlage gegen Austria Wien II mit Anti-Karajica-Aufklebern gegen den Gesellschafter, „der in der jüngsten Vergangenheit den Klub sowohl wirtschaftlich als auch sportlich arg in Bedrängnis gebracht hat“, wie es die Kronen-Zeitung formuliert.