Frank Petozza hatte schon ein ungutes Gefühl. „Ich wusste, dass in den letzten Sekunden noch etwas passieren würde“, sagt der Trainer der Füchse. Das gleiche Gespür hätte er sich auch von den Schiedsrichtern gewünscht. Denn tatsächlich sprang ein Spieler der Saale Bulls Halle aufs Eis und attackierte Philippe Sanche, als noch 0,3 Sekunden auf der Uhr standen. „Und da habe ich in Richtung der Schiedsrichter gerufen: Macht Euren Job!“ Im Spiel- sowie im Zusatzbericht ist allerdings von der Strafe „Abuse“ beziehungsweise in der ausformulierten Meldung von „Beleidigung gegenüber Spieloffiziellen“ die Rede. Daher wurde eine Spieldauerstrafe gegen den Trainer des Eishockey-Oberligisten EV Duisburg ausgesprochen. Doch das wollen weder die Füchse noch Petrozza selbst so stehen lassen.

Macht Euren Job!

Frank Petrozza, Trainer der Füchse Duisburg

In die Kategorie „unfassbar“ fällt schon der Ablauf dieser Geschichte. Denn kaum eine Minute vor Beginn der Pressekonferenz im Anschluss an den 4:3-Sieg der Füchse gegen Halle im Kampf um Rang vier erfuhr Frank Petrozza von der Neuen Ruhr Zeitung, dass es eine Spieldauerstrafe gegen das „Team“ gegeben habe. Schon in diesem Moment entgleisten dem Coach die Gesichtszüge, der völlig fassungslos seinen Co-Trainer Fabian Schwarze bat, in der Schiedsrichterkabine nachzuhören, was passiert wäre. Erst nach dem Ende der Pressekonferenz erfuhr Petrozza, dass sich die Strafe gegen ihn richten würde.

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„Das Wort ‚abusive‘ ist im Englischen ein sehr starkes Wort. Und das werde ich nicht so einfach akzeptieren“, sagt er. „Ist ‚Macht Euren Job‘ etwa eine Beleidigung?“ Denn erneut vermisst Petrozza bei den Unparteiischen das Verständnis für die Situation. „Wenn Philippe Sanche attackiert wird und sich verteidigen muss, bekommt er eine Spieldauerstrafe und ist gesperrt. Und dann? Das kann man als Schiedsrichter unterbinden, wenn man ahnt, was passiert, und es nicht zu dieser Situation kommen lässt.“

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Die Füchse haben inzwischen eine Stellungnahme beim Deutschen Eishockey-Bund eingereicht und kritisieren das Verhalten der Schiedsrichter scharf. Die Duisburger betonen zunächst, dass es zu keinem Zeitpunkt eine Beleidigung gegenüber einem Unparteiischen gegeben habe. Petrozza habe lediglich darauf hingewiesen, dass ein Hallenser Spieler von der Bank aufs Eis kam und Sanche attackierte. „War ich emotional? Ja! Habe ich jemanden beleidigt? Nein!“, erklärt Petrozza. Tatsächlich, so die Füchse, wird im Zusatzbericht mit keinem Wort erwähnt, worin die vermeintliche Beleidigung bestanden haben soll. Zudem erklären die Füchse, dass sie es als selbstverständlich erachten, dass der Trainer über eine solche Entscheidung durch die Schiedsrichter informiert werden muss und es nicht bei der Pressekonferenz erfahren sollte. Außerdem sei es bei den am Spiel beteiligten Unparteiischen nun schon zum dritten Mal dazu gekommen, dass es bei einem Füchse-Spiel im Anschluss an die Partie eine Spieldauerstrafe gegen einen Trainer gegeben habe: Beim „Sekunden-Klau“ in Leipzig zu Beginn der Saison gegen EVD-Co-Trainer Fabian Schwarze, gegen Hamms Trainer Tobias Stolikowski im zweiten Auswärtsspiel bei den Eisbären (beide beteuerten jeweils, niemanden beleidigt zu haben) und eben jetzt gegen Frank Petrozza.

Finales Spiel vor den Play-offs am Dienstag

„Wenn sie mich sperren, wird unsere Mannschaft dennoch gut vorbereitet sein“, sagt Petrozza vor dem entscheidenden Spiel am Dienstagabend (20 Uhr) bei den Tilburg Trappers. Der EVD hat nun drei Punkte Vorsprung auf Halle, die Saale Bulls verfügen aber über das bessere Torverhältnis. Heißt: So lange die Füchse nicht nach 60 Minuten in den Niederlanden verlieren und gleichzeitig die Hallenser nicht nach 60 Minuten gegen die Hannover Indians gewinnen, verteidigen die Duisburger Rang vier und damit das Heimrecht in den Play-offs.

Nebenbei: Warum am letzten Spieltag, wie es üblich zu sein hat, nicht alle Spiele gleichzeitig beginnen (Halle spielt bereits um 19 Uhr gegen Hannover), dürfte wohl ein Geheimnis des DEB bleiben...