Am Ende flossen die Tränen über das Gesicht von Ramona Maier. Die Stürmerin der SGS Essen hatte sich gegen den 1. FC Union Berlin einmal mehr komplett verausgabt und war an diesem Samstagnachmittag auch die beste Spielerin ihres Teams gewesen. Mit 2:0 führte die SGS kurz vor der Pause, alles schien bereitet für einen ganz wichtigen Sieg im Abstiegskampf vor dem harten, nun folgenden Programm mit dem 1. FC Köln, VfL Wolfsburg, TSG Hoffenheim, RB Leipzig und Bayern München. Doch dann kam Union Berlin zurück, verkürzte Sekunden vor dem Pausenpfiff – und dominierte die SGS in der zweiten Hälfte. Der 4:2-Sieg für Union war verdient, die SGS zeigte viel zu große Schwächen, offensiv wie defensiv.

13:11, 58:42 Prozent Ballbesitz, 82:71 Prozent angekommene Pässe: Die Statistiken sprechen klar für Union, das die Essenerinnen mit dem flankenlastigen Spiel immer wieder vor Probleme stellte. Dabei betonte die neue SGS-Trainerin vor Anpfiff noch, dass man Kontrolle, Struktur und Disziplin haben und mit dem Ball am Fuß mehr Mut an den Tag legen wolle. So wirklich klappte das aber nicht.

Zwar gehörte die erste Chance im Spiel der SGS durch Shari van Belle, danach übernahm Union aber das Kommando. In der neunten Minute rettete Lena Ostermeier bereits einen Ball von der Linie, gleich zwei Mal sorgte das Berliner Pressing für Schweißausbrüche bei den Essenerinnen. Unter anderem Torhüterin Kim Sindermann war mit Ball am Fuß sehr nervös, gleich zwei Mal spielte sie im Spiel so böse Fehlpässe, ein weiteres Mal hatte sie Glück, als eine Berlinerin sie anlief und ihren Klärungsversuch beinahe ins Tor abgefälscht hätte.

Bundesliga: SGS Essen dreht 15 Minuten lang auf und geht mit 2:0 in Führung

Doch dann kam die SGS und legte zwischen der 30. und der 44. Minute einen ganz starke Reaktion hin. Maike Berentzen bewies in der 36. Minute, wie sie dem Team mit gutem Passspiel helfen kann und brachte Shari van Belle ins Spiel. Die knallte die Kugel ins Zentrum, wo Ramona Maier knapp verpasste. Kurz darauf tauchte Lena Ostermeier vor dem Tor auf, zielte aber zu hoch. Besser machte es Paulina Platner in der 38. Minute. Aus der Distanz zog sie einfach mal ab - an sich völlig ungefährlich, doch der Ball titschte vor Unions Keeperin Cara Bösl auf und fiel ins lange Eck. Die SGS bedankte sich bei der unglücklichen Berliner Torhüterin - 1:0!

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Laureta Elmazi musste mit Problemen am Oberschenkel bereits früh ausgewechselt werden.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Der Treffer beflügelte die Essenerinnen weiter. Die sonst überraschend unauffällige Vanessa Fürst hätte direkt danach auf 2:0 stellen müssen, nachdem sie von Ramona Maier gut in Szene gesetzt wurde. Doch Fürst schoss ans Außennetz statt ins lange Eck. Maier selbst war es dann, die es viel besser machte. Bei einem Einwurf warf sie ihren Körper in den der Gegenspielerin, schirmte den Ball gut ab, drehte sich um Samantha Steuerwald herum und hob die Kugel aus spitzem Winkel über Bösl hinweg ins Tor. Ein herrliches zweites Saisontor für Maier.

Die SGS hatte Aufwind, die drei Punkte schienen nah. Union jedoch blieb ruhig und kam noch vor der Pause zurück: Lia Kamber narrte die junge Lany Bäcker, dann traf Lena Ostermeier den Ball beim Klärungsversuch nicht richtig. Unions beste Spielerin, Eileen Campbell nahm die Kugel auf und bediente im Zentrum Lisa Heiseler, die von Jacqueline Meißner alleine gelassen wurde, und zum Anschluss traf.

1. FC Union Berlin kommt ganz stark aus der Pause

Im zweiten Spielabschnitt dauerte es dann gerade einmal sechs Minuten, bis Union ausglich. Eine Ecke fiel im vollen Fünfmeterraum runter, Platner klärte den Ball genau vor die Füße von Campbell, die die Übersicht behielt und ausglich. Als dann, wieder nur elf Minuten später, schon das 3:2 für Union fiel, schien in den Essener Köpfen einiges zu rattern. Und wieder agierte die SGS zu naiv, zu widerstandslos. Meißner ließ sich viel zu einfach von Naika Riessner abkochen, die auf den langen Pfosten flankte. Dort nahm Campbell den Ball direkt. Ihr Abschluss war weder besonders hart, noch platziert. Doch er reichte für die Führung. Von Sindermanns Knien abgefälscht kullerte der Ball ins Netz.

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Zu Beginn des Spiels schwiegen die Essener Fans aus Protest gegen die Montagsspiele in der Frauen-Bundesliga.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Die SGS war von der Rolle, nach vorne ging gar nichts mehr, zahlreiche eigene Einwürfe flogen sofort zu den Gegnerinnen. Ramona Maier mühte sich ab, doch auch sie kam nun nicht mehr in die Szenen. Mit dem Rücken zum Tor konnte sie sich das eine oder andere Mal behaupten, wurde der Ball in die Tiefe gespielt, war sie aber chancenlos gegen die Berlinerinnen. Der SGS - und das wurde von Minute zu Minute klarer – fehlten Spritzigkeit und Geschwindigkeit vorne und Entschlossenheit und Zweikampfstärke in der sonst so starken Abwehr. Wenn die Stützen wackeln, wird es gefährlich. So kann man nicht gewinnen. Die Spielerinnen glaubten selbst nicht mehr an die Wende - und Union machte mit Abpfiff durch Lia Kamber den Deckel drauf.

Ramona Maier übt Kritik am Defensivverhalten der SGS Essen

„Wir kriegen vor dem Halbzeitpfiff noch das 1:2, was ziemlich ärgerlich ist. Das eine oder andere Tor von Union fällt nach dem gleichen Muster. Da haben wir nicht den letzten Willen, das zu verteidigen, gehen nicht richtig mit. Das müssen wir aufarbeiten“, zeigte sich Maier nach Abpfiff sauer und enttäuscht. Die Fehler müssten nun aufgearbeitet und schnell abgehakt werden. „Viel Zeit war in der Winterpause nicht. Ich glaube schon, dass wir sehr viel besser machen, als es in der Vorrunde war. Dass wir die Dinge klar ansprechen, defensiv stehen, aber auch nach vorne spielen wollen und mit dem Ball besser agieren. Wir sind im Prozess, da müssen wir jetzt einfach weitermachen“, so Maier. Auch Paulina Platner monierte, dass man es nicht geschafft habe, „konstant ruhig zu bleiben.“

Union Berlins Eileen Campbell war hingegen natürlich froh: „Ich glaube, es war heute eine Mannschaftsleistung. Es uns sehr viel Mentalität abverlangt. Am Ende vom Tag können wir uns vertrauen. Der Schlüssel war, dass wir trotz des Rückstandes gut in die zweite Halbzeit gestartet sind, dass wir alles gegeben haben für den Sieg und uns belohnt haben für ein überwiegend gutes Spiel.“

SGS Essen - 1. FC Union Berlin 2:4 (2:1)

  • Tore: 1:0 Platner (36. Minute), 2:0 Maier (43.), 2:1 Heiseler (45+3.), 2:2 Campbell (51.), 2:3 Campbell (62.), 2:4 Kamber (90+4.)
  • SGS: Sindermann - Meißner (86. Olsen), Ostermeier, Bäcker, Flach - Fürst (69. Kowalski), Platner - Berentzen (69. Terlinden), Elmazi (15. Köpp) - Van Belle, Maier
  • Union Berlin: Bösl - Heikkinen (59. Reissner), Steuerwald, Tysiak, Weiß (71. K. Orschmann) - Pawollek - Eurlings (72. Bauereisen), Heiseler, Kamber, D.. Orschmann (85. Halverkamps) - Campbell

SGS Essen - Union Berlin: Der Liveticker zum Nachlesen