Der Aufwärtstrend der SGS Essen ist jäh gestoppt: Nach zuletzt drei Remis in der Frauenfußball-Bundesliga und dem Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals sorgt das 0:4 bei der TSG Hoffenheim nun wieder für wachsende Sorgen im Bundesliga-Abstiegskampf. Defensiv war die Leistung der Essenerinnen über weite Strecken nicht schlechter als in den vergangenen Wochen. Doch diesmal traf die Elf von Trainerin Heleen Jaques auf einen Gegner, der seine wenigen Chancen äußerst effizient und dazu noch sehenswert ausnutzte. Die SGS geriet mit drei Gegentoren für die Highlight-Show auf die Verliererstraße. Offensiv blieben die Gäste einmal mehr erschreckend harmlos.
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Dass die SGS im Kraichgau kein Feuerwerk abbrennen würde, war klar. Während die TSG um den Einzug in die Champions League spielt, heißt die Realität der SGS bekanntlich Abstiegskampf. Und so überließen die Essenerinnen der TSG zunächst den Ball und setzten mit aggressivem Pressing auf Umschaltmomente. „Unser Plan war klar: Wir wollten Hoffenheim Stress machen und hoch anlaufen“, erklärte Essens Trainerin Heleen Jaques. Zunächst ging dieser Ansatz auf, weil die Essenerinnen den Favoriten in intensive Zweikämpfe verstrickten.

SGS Essen bei TSG Hoffenheim: Schock kurz vor Pause
Eine Direktabnahme nach einer Ecke von Hoffenheims Steiner war zunächst die einzige Torannäherung, die SGS-Keeperin Luisa Palmen nicht vor Probleme stellte (19.). Gefährlich wurde es erst nach gut einer halben Stunde: Cerci und van Dijk kombinierten sich durch den Essener Strafraum, doch letztere schloss letztlich zu zentral ab (33.). Es war die beste Phase der Gastgeberinnen: Nur zwei Zeigerumdrehungen später erlief Cerci einen Steilpass, scheiterte aber an der herausstürmenden Palmen (35.). Es war die erste Top-Chance der Partie.
Bis dahin war es ein Spiel genau nach dem Geschmack der Gäste: Zwar hatte Hoffenheim fast zwei Drittel Ballbesitz, kam dabei aber gerade einmal zu drei Torschüssen. Das Problem dabei war nur die Abhängigkeit von der Effizienz der TSG. Und die zeigte sie dann auch noch kurz vor der Pause: Nach einer scharfen Hereingabe vom linken Flügel konnte die SGS den Ball nicht klären, van Dijk legt ihn in den Rückraum auf Steiner ab, die ihn perfekt unter die Latte setzte. Diesmal war Palmen im Essener Tor chancenlos (42.). „Bis dahin sind beide Mannschaften kaum zu großen Chancen gekommen. Leider fiel das Tor dann kurz vor der Pause. Trotzdem waren wir in der Halbzeit positiv“, so Jaques.
SGS Essen bei TSG Hoffenheim: „Zug nach vorne hat gefehlt“
Noch ärgerlicher als das Gegentor war für die SGS allerdings, dass sie nach vorne praktisch gar nicht stattfand. Dabei hatte gerade Paulina Platner im zentralen Mittelfeld in der ersten Hälfte immer wieder starke Ballgewinne, die Räume eröffneten. Doch diese Momente verpufften. „Der Zug nach vorne hat gefehlt“, bestätigte auch die Trainerin und reagierte: In Laura Pucks brachte sie zur zweiten Hälfte eine neue Stoßstürmerin. Ramona Maier wich dafür auf den rechten Flügel aus. Doch bevor die Systemumstellung wirkte, setzte es bereits den nächsten Nackenschlag: Van Dijk legte auf der Strafraumgrenze quer und Kaut traf per Sonntagsschuss genau in den Knick (53.).
„Dann war unsere Energie ein bisschen weg“, monierte Jaques. Mit dem 2:0 im Rücken zog sich die TSG erst einmal zurück und setzte nun seinerseits auf Umschaltmomente, während die SGS nun selbst kommen musste. Mehr als ein Abschluss von Maier, der aber deutlich drüber ging, kam dabei nicht heraus (68.). Essens Trainerin zündete schließlich die nächste Risiko-Stufe und brachte mit Maria Olsen und Laureta Elmazi noch einmal zwei Offensivspielerinnen. Gefährlich wurde es weiter nur vor dem Essener Tor: Steiner bediente Top-Torjägerin Cerci, deren Abschluss vom Rücken von Essens Beke Sterner wie in Zeitlupe knapp neben den Pfosten ins Toraus trudelte (77.).
SGS Essen bei TSG Hoffenheim: „Ergebnis etwas zu hoch“
Eine Minute später war der Deckel mit dem nächsten Traumtor dann aber drauf: Diesmal legte Cerci quer und Grimm traf den Ball aus vollem Lauf aus 18 Metern perfekt mit der Innenseite, sodass er von der Unterkante der Latte im Essener Gehäuse einschlug (79.). Die Partie war entschieden – und die Erkenntnis wirkte bei den Essenerinnen nach. Denn postwendend setzte es das 0:4: Steiner trieb den Ball nach vorne und sah im Gegensatz zu Hintermannschaft die alleingelassene Grabowska, die problemlos einschob (80.). „Das Ergebnis ist für mich etwas zu hoch“, haderte Jaques.
Und das ist für die SGS im Abstiegskampf doppelt bitter: Die Niederlage bei der TSG ist nach dem jüngsten Aufschwung zwar schmerzhaft, aber kein Beinbruch. Gleichzeitig haben die Essenerinnen nun aber auch mit Blick auf das Torverhältnis Boden auf die Konkurrenten im Abstiegskampf verloren. Ansetzen muss die SGS den Hebel vor dem Saisonfinale aber vor allem auf der anderen Seite. Denn aus Hoffenheim kehren die Essenerinnen heim, ohne einmal auf das Tor der Gastgeberinnen geschossen zu haben.
Schönebeck aber braucht im Abstiegskampf dringend Tore: Nach dem 1:1 von Hamburg bei Schlusslicht Jena ist der Rückstand auf das rettende Ufer nur auf drei Punkte angewachsen. Und das war dann auch die beste Nachricht für die SGS an diesem Nachmittag. „Unser Weg geht weiter, und der Glaube ist weiter da“, bekräftigte Jaques.
So haben sie gespielt
TSG Hoffenheim - SGS Essen 4:0 (1:0)
TSG: Laura Dick - Lisa Doorn (71. Svenja Vöhringer), Vanessa Diehm (63. Janna Grimm), Wielle Douma - Franziska Harsch - Chiara Hahn (71. Laura Gloning), Valesca Ampoorter (71. Dominika Grabowska), Marie Steiner, Lisann Kaut - Selina Cerci (85. Napsugar Sinka), Nikee van Dijk.
SGS: Luisa Palmen - Ella Touon, Lena Ostermeier (46. Jacqueline Meißner), Jana Feldkamp - Paula Flach (78. Vanessa Fürst), Paulina Platner (70. Maria Olsen), Natasha Kowalski, Beke Sterner - Julie Terlinden (70. Laureta Elmazi), Ramona Maier, Leonie Köpp (46. Laura Pucks).
Tore: 1:0 Marie Steiner (42.), 2:0 Lisann Kaut (53.), 3:0 Janna Grimm (78.), 4:0 Dominika Grabowska (80.).


