Ein letztes Mal musste die SGS Essen tief durchatmen, als Werder Bremens Sarah Ernst den Ball noch einmal hoch in den Strafraum flankte. Die Nachspielzeit war da längst abgelaufen. Doch Schiedsrichterin Riem Hussein ließ diesen Angriff noch zu. Und plötzlich mussten die Essenerinnen doch noch bangen, obwohl sie in diesem Viertelfinale des DFB-Pokals bis dahin so gut wie nichts hatten anbrennen lassen. Doch ausgerechnet jetzt stieg Verena Wieder im Zentrum hoch und köpfte den Ball als Bogenlampe aufs lange Eck. Eine gefühlte Ewigkeit war er in der Luft, ehe er auf sich auf die Latte senkte und von dort ins Toraus sprang. Unmittelbar danach war Schluss.

Postwendend verfielen die Essenerinnen in Feierlaune und tanzten durch den eigenen Strafraum, wo gerade fast noch der Ausgleich gefallen wäre. Doch das war schnell vergessen. Mit 1:0 schlugen die Bundesliga-Fußballerinnen Werder Bremen und stehen damit im Pokal-Halbfinale. Es ist der Höhepunkt in einer Spielzeit, in der die krisengebeutelte SGS in der Liga um den Klassenerhalt bangt. „Ich bin unglaublich stolz auf meine Mannschaft. Denn wir sind in einer harten Saison, in der wir arbeiten, kämpfen und immer wieder versuchen, hochzukommen“, erklärte Trainerin Heleen Jaques. Gegen Bremen zeigte sich ihre Elf vor allem aber auch spielerisch stark verbessert.

Fussball - DFB-Pokal - SGS Essen ggn SV Werder Bremen
Zweikampf zwischen Essens Paulina Plattner (Mitte) und Bremens Lina Hausicke. im Viertelfinale des DFB-Pokals.© FUNKE Foto Services | Lars Heidrich

DFB-Pokal-Viertelfinale: SGS überrascht mit Startelf

Obwohl Jaques mit ihrer Startelf durchaus überraschte – auch die Gäste. In Jacqueline Meißner, Ramona Maier, Vanessa Fürst und Laureta Elmazi fanden sich vier arrivierte Kräfte zunächst auf der Bank wieder. Torfrau Kim Sindermann stand verletzungsbedingt gar nicht im Kader. Zudem nahm Jaques eine Systemveränderung vor und ließ in letzter Reihe mit einer Dreierkette spielen. Es war ein kluger Schachzug, denn die Gäste griffen immer wieder über die Flügel an, wo die SGS mithilfe ihrer Schienenspielerinnen die Gegenspielerinnen doppeln konnte. Weil die Gastgeberinnen zudem hoch pressten, begegneten sich beide Mannschaften überwiegend im Mittelfeld.

Da haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wir hatten mehr Geduld, haben die Bälle länger gehalten und gezeigt, dass wir zocken können.

Heleen Jaques, SGS-Trainerin

Einmal schafften es die Bremerinnen dann aber doch im ersten Durchgang in die gefährliche Zone. Essens Beke Sterner hatte sich bei einem weiten Pass verschätzt und auch Lena Ostermeier, die absicherte, kam gegen Alber zu spät. Doch ihr Schuss war nicht platziert genug, sodass ihn Torfrau Luisa Palmen abwehren konnte (36.). Auch die SGS spielte durchaus mutig nach vorne, ließ im letzten Drittel aber die Genauigkeit vermissen. Zumindest bis die Schlussphase in Halbzeit eins begann: Natasha Kowalski hatte das Auge für die startende Sterner, die noch kurz verzögerte, den Ball dann aber präzise an den zweiten Pfosten zu Ella Touon brachte. Und die nahm Maß und jagte ihn zum 1:0 ins lange Eck (41.).

DFB-Pokal-Viertelfinale: SGS Essen ist aktivere Mannschaft

„Das war ein sehr guter Zeitpunkt für ein Tor“, befand Jaques. Dem Spielverlauf nach wäre ein Unentschieden zwar gerechter gewesen, doch die Essenerinnen verdienten sich ihr Tor nachträglich. Denn wer wie zuletzt eine Abwehrschlacht nach der Halbzeit erwartete, sah sich getäuscht. Die SGS war plötzlich die aktivere Mannschaft und spielte immer mutiger nach vorne. „Da haben wir einen großen Schritt nach vorne gemacht. Wir hatten mehr Geduld, haben die Bälle länger gehalten und gezeigt, dass wir zocken können“, lobte Jaques. Kowalskis Distanzschuss strich aber zunächst knapp über den Querbalken (52.). Weitere Halbchancen folgten, bei denen der finale Pass aber nicht genau genug war, um in Abschlusspositionen zu kommen.

Schon in der Schlussphase angekommen, war es die eingewechselte Maier, die nach Kopfballvorlage von Maike Berentzen das 2:0 knapp verpasste (87.). Auch Elmazi hätte nach einem Sturmlauf den Deckel drauf machen können, beim Abschluss fehlte aber die Kraft (89.). Bremen hatte bis dahin durch Sterna einmal auf das Essener Tor geschossen (57.). Ansonsten ließen die Essenerinnen kaum etwas zu. Nur versäumten sie es, das Spiel vorzeitig zu entscheiden. Und so schnupperte Bremen Sekunden vor Schluss plötzlich doch noch am Ausgleich. Verdient wäre er nicht gewesen, das mussten sogar die Gäste in Person von Trainerin Fritzi Kromp einräumen.

DFB-Pokal-Viertelfinale: Kein Losglück für nächste Runde

„Ich habe heute den Glauben gesehen, dass wir ein Recht haben, in der Bundesliga zu spielen“, bemerkte Jaques. Dort allerdings kehrt die SGS an diesem Sonntag bei der TSG Hoffenheim in den Alltag zurück, wo jeder Punkt im Kampf um den Klassenerhalt zählt. Den Schwung aus dem Pokal nehmen die Essenerinnen dann gerne mit. Zumindest im Pokal ist klar: Für den Einzug ins Endspiel braucht es ein mindestens ein mittelgroßes Wunder. Denn die Losfee meinte es nicht gut mit der SGS und bescherte ihr im Halbfinale ein Auswärtsspiel beim FC Bayern.

So haben sie gespielt

SGS Essen - Werder Bremen 1:0 (1:0)
SGS: Luisa Palmen – Ella Touon, Lena Ostermeier, Jana Feldkamp (60. Vanessa Fürst) – Paula Flach (90. Lany Bäcker), Beke Sterner (60. Jacqueline Meißner) – Paulina Platner, Natasha Kowalski – Julie Terlinden (75. Laureta Elmazi), Laura Pucks (60. Ramona Maier), Maike Berentzen.
Tor: 1:0 Ella Touon (41.).

DFB-Pokal-Viertelfinale: Der Live-Ticker zum Nachlesen

Frauenfussball in Essen
Werder Bremen ist Viertelfinal-Gegner der SGS Essen.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

DFB-Pokal-Viertelfinale: SGS Essen - Werder Bremen: Vor dem Spiel

Zweieinhalb Wochen Länderspielpause, knapp vier Monate seit dem jüngsten Pokalspiel - für die Fußballfrauen der SGS Essen geht es nun aber wieder los. Im DFB-Pokal steht das Viertelfinale an - und an diesem Mittwoch kommt deshalb Werder Bremen an die Hafenstraße (18.30 Uhr).

Knapp vier Monate ist es her, seit Jacqueline Meißner den Ball in Potsdam über die Linie stocherte und die SGS damit in DFB-Pokal Viertelfinale schoss. Es war der Befreiungsschlag nach einer langen Negativ-Serie, infolgedessen die Mannschaft auch in der Liga Fuß fassen konnte.

Nun steht die nächste Runde des Pokalwettbewerbs an. Die Essenerinnen empfangen im Viertelfinale Werder Bremen im Stadion an der Hafenstraße. Favorisiert sind sie dabei gegen den Tabellensechsten der Bundesliga wohl eher nicht. Auch wenn die Bremerinnen in diesem Kalenderjahr aufgrund von Witterungsbedingten Spielabsagen erst drei Pflichtspiele absolviert haben, erwartet die SGS ein gefährlicher Gegner.

DFB-Pokal-Viertelfinale: SGS Essen - Werder Bremen: Guter Februar

„Wir sehen Bremen als eine sehr gute Mannschaft, vor allem mit starken individuellen Qualitäten“, meint Trainerin Heleen Jaques. „Auch wenn sie vielleicht etwas weniger Spielrhythmus haben, gehe ich davon aus, dass sie absolut bereit sein werden für das Pokalspiel. Wir erwarten einen konzentrierten und gut organisierten Gegner.“

Doch auch die Lila-Weißen haben sich zuletzt stabilisiert und im Monat Februar kein Spiel verloren. Darauf ausgeruht hat sich die Mannschaft in der spielfreien Woche keineswegs. „Wir haben in der Länderspielpause intensiv daran gearbeitet, unser Spiel mit dem Ball weiter zu verbessern. Das war ein wichtiger Schwerpunkt, um stabiler und variabler aufzutreten“, erklärt Jaques, für die der Pokal immer ein Highlight ist.

DFB-Pokal-Viertelfinale: SGS Essen - Werder Bremen: besonderer Wert

„Für mich hat der Pokal einen besonderen Wert. Eine Finalteilnahme ist etwas, das man nicht oft erlebt, auch wenn ich glücklicherweise in meiner Karriere fast alle zwei Jahre ein Finale spielen durfte. Das sind außergewöhnliche Momente. Ich hoffe sehr, dass wir das mit der SGS Essen wieder erreichen können. Im Pokal geht es nicht um Talent oder individuelle Klasse, sondern darum, welche Mannschaft den größten Hunger hat, das Spiel zu gewinnen.“

Um in die Vorschlussrunde einzuziehen, benötigt es der 37-Jährigen zufolge genau den Willen und Einsatz, den ihre Mannschaft zuletzt in Wolfsburg und beim Last-Minute-Ausgleich gegen RB Leipzig bewiesen hat. „Wir müssen vor allem bei uns bleiben und unsere Energie in jedem Zweikampf auf den Platz bringen. Wenn intensiv und mutig auftreten, haben wir sehr gute Chancen. Entscheidend wird sein, über die gesamte Spielzeit präsent zu sein und als Mannschaft aufzutreten, die unbedingt ins Halbfinale möchte.“