Am Ende gab es Applaus von den Rängen. 4843 Zuschauer waren am Freitagabend ins Stadion an der Hafenstraße gekommen, um dem Bundesligaduell zwischen der SGS Essen und dem FC Bayern beizuwohnen. Der Titelverteidiger aus München siegte am Ende 5:0 (2:0). Die Zuschauer aber, die an diesem Abend für eine Rekordkulisse des Essener Frauenfußballs gesorgt hatten, honorierten sehr wohl den Kampfgeist der Gastgeberinnen. Denn es hätte viel schlimmer kommen können.

Die Anfangsphase war aus Essener Sicht wie in einem Horrorfilm verlaufen: Die Münchenerinnen zeigten vom Anstoß Weg die pure Dominanz und gingen mit dem ersten Angriff durch Pernille Harder auch gleich in Führung. Noch keine zehn Minuten waren gespielt, da verlor die SGS auch ihre Kapitänin Jacqueline Meißner nach einer Notbremse und musste gegen den Meister fortan in Unterzahl weiterspielen. Zu allem Überfluss führte der folgende Freistoß dann auch noch zum 2:0. Zehn Minuten zum Vergessen. Und noch 80 zu spielen.

FC Bayern München bei SGS Essen: Schadensbegrenzung

Obwohl die Lage fortan komplett aussichtslos erschien, leisteten die Essenerinnen in der Folge defensiv Widerstand und konnten bis in die zweite Halbzeit hinein verhindern, komplett unter die Räder zu kommen. Allerdings schienen Gäste nach dem zweiten Treffer lange auch recht genügsam. Erkennbar war aber schon in Gleichzahl nach wenigen Minuten ein Klassenunterschied.

Ich glaube weiter daran, dass die SGS nicht absteigen wird. Die Essenerinnen werden sich noch retten!

Linda Dallmann, Mittelfelsspielerin des FC Bayern

Für die SGS konnte es auch im zweiten Spielabschnitt nur um Schadensbegrenzung gehen. Wohlwissend, dass das Torverhältnis am Ende möglicherweise eine wichtige Rolle im Abstiegskampf spielen könnte. Viel mehr Hoffnung gab es nicht – und so stemmte sich das Team von Trainerin Heleen Jaques mit aller Kraft gegen die Übermacht aus dem Süden. Die Bayern drückten aufs dritte Tor, in der 57. Minute verhinderte SGS-Torfrau Luisa Palmen ist mit den Fingern einen Einschlag und lenkte den Kopfball von Arianna Caruso über die Latte.

SGS Schönebeck Essen gegen Bayer München  in der Frauen Bundesliga in Essen.
Die SGS-Frauen leisteten erbitterten Widerstand gegen den übermächtigen FC Bayern.© FUNKE Foto Services | Uwe Möller

FC Bayern München bei SGS Essen: Torfrau ist beste Essenerin

Knapp elf Minuten später aber war es soweit: Die just eingewechselte Maike Berentzen brachte Bayern-Torjägerin Pernille Harder zu Fall, die Münchenerin fiel zwar leicht, aber der Elfmeterpfiff war korrekt und die Dänin verwandelte selbst zum 3:0. Schnell fiel dann auch das 4:0: Nach einem Ballverlust der SGS schalteten die Bayern sofort um. Carolin Simon hatte auf links zu viel Platz und flankte präzise auf die eingewechselte Natalia Padilla-Bidas. Es war fast eine Kopie des ersten Tages-Treffers.

Dennoch: Luisa Palmen war an diesem Abend die beste Essenerin. Die Torfrau verhinderte in der 75. Minute einen weiteren Einschlag und lenkte den Schuss von Simon zur Ecke. Fast wäre es beim 0:4 geblieben, angesichts der Unterzahl gegen den Doublesieger eine durchaus achtenswerte Leistung. In der 90. Minute aber fiel doch noch das 5:0. Die Gäste kombinierten sich über den gesamten Platz und ließen keiner Essenerin eine Chance, überhaupt in den Zweikampf zu kommen. Eine Flanke auf den zweiten Pfosten leitet Stine Balisager dann auch noch perfekt weiter auf Edna Imade, die mit einem Aufsetzer präzise ins Eck einnickte.

Die SGS steckt somit als Vorletzter weiter tief im Abstiegskampf. Linda Dallmann, Bayern Torschützin zum 2:0 und bei der SGS einst zur Nationalspielerin gereift, wollte ihren Ex-Klub aber nicht abschreiben. „Ich glaube weiter daran, dass die SGS nicht absteigen wird“, sagte die 31-Jährige. „Die Essenerinnen werden sich noch retten!“

FC Bayern München bei SGS Essen: der Live-Ticker zum Nachlesen

FC Bayern München bei SGS Essen: Vor dem Spiel

Der Blick geht zunächst voraus - und prompt zurück: Am Ostermontag werden die Fußballerinnen der SGS Essen und des FC Bayern München im Pokal-Halbfinale aufeinandertreffen. Zuvor werden sich beide Teams aber schon einmal sehen: Heute geht es um Bundesliga-Punkte im Stadion an der Essener Hafenstraße (18.30 Uhr).

Zuletzt hatten die Essenerinnen schon weit voraus geschaut. In der 19-jährigen Selina Albrecht und der 21-jährigen Anna Wirnsberger wurden zwei Zugänge aus Österreich für die kommende Saison vorgestellt, die Nachwuchsspielerinnen Abigail Enobore und Teresa Buonarroti wurden mit einem Profivertrag ausgestattet. Nun aber ist die Gegenwart wieder wichtig - und die stellt die Essenerinnen nach der jüngsten Niederlage bei der TSG Hoffenheim vor eine noch größere Herausforderung. Der amtierenden Doublesieger und Tabellenführer FC Bayern München ist auch in der laufenden Spielzeit das Maß der Dinge. Bei einem Spiel mehr als die Verfolger hat der FCB 14 Punkte Vorsprung auf den Tabellenzweiten VfL Wolfsburg, in ihren 19 gespielten Partien sind die Bayern noch ungeschlagen und haben ein Torverhältnis von 74:6.

Frauenfussball in Essen
An diesem Freitag geht es für Paulina Platner und die SGS Essen gegen den FC Bayern.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Beeindruckende Zahlen, findet auch SGS-Trainerin Heleen Jacques. „Bayern ist momentan so dominant, weil die Mannschaft unglaublich konstant ist“, meint die Belgierin. „Sie treten gut organisiert auf und sind offensiv extrem stark. Für uns wird es darum gehen, mutig zu sein.“ Immerhin hatte sich Jaques’ Mannschaft in den vergangenen Wochen stabilisiert und nachgewiesen, dass sie auch mit den Topteams an guten Tagen mithalten kann, nicht zuletzt beim Punktgewinn beim VfL Wolfsburg. „Wenn wie geschlossen auftreten, mutig pressen und unsere Chancen kompromisslos nutzen, können wir vielleicht die große Überraschung schaffen“, hofft Jaques.

Erwartet werden über 4000 Fans an der Hafenstraße. Auch Jaques freut sich schon auf die Atmosphäre. „So etwas gibt uns nochmal einen Schub! Diese Unterstützung motiviert jede einzelne zusätzlich, wirklich alles aus sich herauszuholen.“ Auch personell sieht es vor der Partie nicht schlecht aus. Neben den langzeitverletzten Lilli Purtscheller, Jette ter Horst und Mailin Tenhagen stehen noch Fragezeichen hinter den Einsätzen von Kim Sindermann, Lena Ostermeier, Jana Feldkamp und Kassandra Potsi. Alle anderen Spielerinnen sind bereit für das bevorstehende Topspiel.