Die neue Zeitrechnung hat offiziell begonnen: Die SGS Essen absolvierte jüngst ihren Trainingsauftakt, es war das erste Zusammenkommen nach dem Abstieg, der Traditionsverein bereitet sich nach 22 Jahren Erstklassigkeit auf die 2. Liga vor. Und jetzt wird deutlich, wie der Fußballklub aus Schönebeck in den kommenden Monaten aufgestellt sein wird.

In den vergangenen Tagen hat sich wieder einiges getan bei der SGS: Der belgische Sportartikelhersteller PATRICK ist ab sofort neuer Ausrüster der Frauen- und Mädchenabteilung der SGS und wird die lila-weißen Trikots und Trainingsbekleidungen stellen. Die werden auch die neuesten Zugänge tragen: Vanessza Nagy wechselt von Ferencváros Budapest ins Ruhrgebiet, Lia Henkelmann kommt von den Santa Clara Broncos aus den USA. Die 24-Jährige Nagy traf in der vergangenen Saison in ihren 34 Pflichtspielen für die Ungarinnen 39 Mal ins Schwarze und konnte dazu noch 12 weitere Treffe auflegen. Auch sechs Einsätze (3 Tore) für die ungarische Nationalmannschaft stehen bereits auf ihrem Konto der 1,82m großen Stürmerin .

Nagy, die in der Saison 2020/2021 bereits eine Saison in Deutschland bei Eintracht Frankfurt II absolviert hat, freut sich auf ihre Zeit in Essen. „Die Gespräche mit den Verantwortlichen waren vom ersten Moment an sehr positiv. Ich möchte hier den nächsten Schritt in meiner Karriere machen und der Mannschaft dabei helfen, unsere Ziele zu erreichen. Am meisten freue ich mich darauf, endlich auf dem Platz zu stehen und mit meinen Toren zum Erfolg der Mannschaft beizutragen.“

 Antonia Baaß von der SGS Essen vorm Spiel gegen den 1. FC Köln. Das Spiel SGS Essen gegen den 1. FC Köln endete am 03.02. 2023 mit 4:0 im Stadion Essen an der Hafenstraße 97a.
Antonia Baaß, hier 2023 im Essener Trikot, kehrt aus der Schweiz zur SGS zurück.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Henkelmann wurde beim VfL Wolfsburg ausgebildet. Nach vier Jahren in den USA kehrt die 22-jährige Mittelfeldspielerin nun nach Deutschland zurück. „Ich bin sehr froh, wieder in Deutschland zu sein und mit der SGS einen Verein gefunden zu haben, der super zu mir passt“, sagt sie. „Ich freue mich sehr auf das Stadion und die Essener Fans und hoffe, dass ich dem Team mit den Erfahrungen, die ich sammeln durfte, weiterhelfen kann.“

Fans und hoffe, dass ich dem Team mit den Erfahrungen, die ich sammeln durfte, weiterhelfen kann.“ „Mit Lia bekommen wir eine dynamische Spielerin im Mittelfeld hinzu, die über ein sehr gutes Spielverständnis verfügt“, meint Daniel Kraus, sportlicher Leiter der SGS. „In den letzten Jahren hat sie zudem in den USA Erfahrungen gesammelt. Wir freuen uns auf Lia und sind überzeugt, dass sie unser Team nochmal flexibler und stärker machen wird.“

SGS Essen holt Antonia Baaß zurück

Wenige Tage zuvor hatte die SGS Antonia Baaß geholt. Die 26-jährige Flügelspielerin ist kein Unbekannte beim Verein: Bereits von 2020 bis 2023 lief sie für die Lila-Weißen auf. Nun kehrt sie nach drei Jahren in der Schweiz zurück ins Ruhrgebiet. Damit kauft sich die SGS für ihre erste Saison in der 2. Bundesliga nach Jahren internationale Erfahrung ein.

Baaß stammt aus der renommierten Jugendakademie des VfL Wolfsburg. In ihren ersten drei Spielzeiten bei der SGS bestritt sie bereits 50 Pflichtspiele. Im Sommer 2023 wechselte sie dann zum FC Basel in die Schweizer Women‘s Super League – der höchsten Spielklasse im Schweizer Frauenfußball.

Essen: Rückkehrerin bringt starke Zahlen aus Basel mit, Elmazi geht nach Köln

Und Baaß bringt noch einen direkten Mehrwert mit nach Essen. Beim FCB entwickelte sie sich zur Leistungsträgerin. In 67 Einsätzen erzielte sie acht Tore und lieferte beeindruckende 17 Torvorlagen – ein Wert, der sie klar als Assistkönigin ausweist. Diese Bilanz überzeugte offenbar auch die Verantwortlichen in Essen.

Daniel Kraus, sportlicher Leiter der SGS Essen, zeigt sich von der Rückkehr begeistert: „Es ist ein tolles Zeichen, dass Antonia sich auch in Liga zwei für uns entschieden hat. Mit ihren Qualitäten und der Erfahrung, die sie zuletzt in Basel und in der Vergangenheit auch hier in Essen gezeigt hat, wird sie unserem Team sehr guttun.“

Frauenfussball in Essen
Laureta Elmazi verlässt die SGS Essen.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Auch Baaß selbst äußert sich zur Rückkehr. „Die SGS ist ein ambitionierter und familiärer Verein, den ich bereits gut kenne“, sagt die Flügelspielerin. „Daher freue ich mich, mich in einer neuen und doch bekannten Umgebung individuell und als Team zu entwickeln.“ Ihr Anspruch ist dabei klar: „Ich freue mich darauf, das Maximale aus der Mannschaft herauszuholen und gemeinsam unsere Saisonziele umzusetzen. Individuell möchte ich meine gewonnene Erfahrung der letzten Jahre einbringen und Verantwortung übernehmen.“

Verlassen wird die SGS hingegen Laureta Elmazi, die es zum 1. FC Köln zieht. In der Domstadt unterschrieb die 23-Jährige bis 2029. In Essen war sie seit 2020, kam vergangene Saison in 19 Bundesliga-Partien (1 Tor) zum Einsatz, riss sich zum Ende der Spielzeit aber das Kreuzband. Auch in Köln wird die Stürmerin ihre Verletzung erst noch auskurieren müssen.

SGS Essen: Diese Spielerinnen sind weg, das sind die neuen Klubs

Es sind 20 Spielerinnen, die der SGS nach dem Abstieg den Rücken kehren. Es ist ein Personalbeben in einem bisher unbekannten Ausmaß für Schönebeck. Der Verein steht vor einem kompletten Neuanfang. Trainerin Heleen Jaques hatte das bereits unmittelbar nach Saisonende geahnt, als sie bekräftige bei der SGS bleiben zu wollen. Sie sprach von einem „Reset“, der sie reize. Auffällig: Vier Spielerinnen ziehen die klassentieferen Reviernachbarn Borussia Dortmund und zwei den FC Schalke 04 vor, statt mit der SGS den Wiederaufstieg zu versuchen.

Diese Spielerinnen haben die SGS verlassen, das sind ihre neuen Klubs (soweit bisher offiziell)

  • Ramona Maier (Borussia Dortmund)
  • Lena Ostermeier (Borussia Dortmund)
  • Jacqueline Meißner (Borussia Dortmund)
  • Lany Bäcker (Borussia Dortmund / Rückleihe an SGS)
  • Julia Debitzki (Schalke 04)
  • Maike Berentzen (Schalke 04)
  • Mailin Tenhagen (Schalke 04)
  • Natasha Kowalski (Bayer Leverkusen)
  • Paulina Platner (Bayer Leverkusen)
  • Lilli Purtscheller (Werder Bremen)
  • Kassandra Potsi (FC Bayern)
  • Ella Touon (Ende der Leihe vom 1. FC Köln)
  • Beke Sterner (1. FC Köln)
  • Laureta Elmazi (1. FC Köln)
  • Vanessa Fürst (Viktoria Berlin)
  • Paula Flach (FSV Mainz)
  • Luisa Palmen
  • Shari van Belle
  • Maria Olsen
  • Jette ter Horst
Fußball Frauen-Bundesliga 
SGS Essen - SC Freiburg. Große Party und der Abstieg
Auch sie hat die SGS Essen verlassen und spielt künftig beim 1. FC Köln: Beke Sterner.© FUNKE Foto Services | Vladimir Wegener

SGS Essen: Diese Spielerinnen sind neu verpflichtet / bleiben

  • Vanessza Nagy (Ferencváros Budapest)
  • Antonia Baaß (FC Basel)
  • Julia Kassen (Union Berlin)
  • Helen Börner (Carl Zeiss Jena)
  • Joëlle Steiner (VfL Wolfsburg II)
  • Anja Heuschkel (Carl Zeiss Jena)
  • Laura Bröring (SV Meppen)
  • Karla Brinkmann (VfL Wolfsburg II)
  • Kyra Spitzner (RB Leipzig)
  • Selina Albrecht (SCR Altach / Österreich)
  • Anna Wirnsberger (Sturm Graz / Österreich)
  • Emilia Watermeier (eigene Jugend)
  • Teresa Buonarroti (eigene Jugend)
  • Abigail Enobore (eigene Jugend)
  • Jana Feldkamp (bleibt)
  • Pia Lucassen (bleibt)
  • Julie Terlinden (bleibt)
  • Leonie Köpp (bleibt)
  • Kim Sindermann (bleibt)
  • Laura Pucks (bleibt)
  • Emilia Navarro (bleibt)
Frauenfussball in Essen
Ist künftig Gegnerin der SGS in der 2. Liga: Vanessa Fürst geht zu Viktoria Berlin.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

SGS Essen: Chronologie der Zu-/Abgänge

Zur neuen Saison 26/27 kommt auch Torhüterin Julia Kassen. Die 24-Jährige ist 1,79 Meter groß und hat in ihrer Karriere schon mehrere Stationen durchlaufen. Ausgebildet beim SV Meppen ging es zunächst weiter zum VfL Wolfsburg, für den sie in der Saison 2021/2022 sogar einmal in der Champions League auf dem Platz stand. Es folgte der Wechsel zum SC Freiburg, wo die Keeperin auch fünf Einsätze in der Bundesliga sammeln konnte. Von dort aus führte sie ihr Weg über den FC Carl Zeiss Jena und Union Berlin nun nach Essen-Schönebeck.

„Wir freuen uns, dass wir mit Julia eine ehrgeizige Torhüterin mit Bundesligaerfahrung für die SGS gewinnen konnten. Julia passt auch menschlich absolut zu uns und komplettiert unser Torwartteam“, sagt Daniel Kraus, Sportlicher Leiter der SGS.

Vor Kassen wurden neben einem weiteren Abgang auch ein Zugang bekannt. Der Abgang ist eine der bekanntesten Spielerinnen der SGS: Lena Ostermeier wird Schönebeck nach 14 Jahren und 277 Partien in lila-weiß verlassen. Derweil hat Defensiv-Allrounderin Vanessa Fürst einen neuen Verein gefunden, die 24-Jährige schließt sich Zweitligist Viktoria Berlin an.

Neu bei der SGS sind derweil Helen Börner und Joëlle Steiner. U19-Nationalspielerin Börner fühlt sich im Sturmzentrum oder auf den Flügeln am wohlsten und kam für den FCC in der vergangenen Saison auf neun Einsätze in der Bundesliga, in der ihr auch ihr erster Treffer in der höchsten deutschen Spielklasse gelang – ausgerechnet im Stadion an der Hafenstraße traf sie für Jena zum 4:3, bei dem es bis zum Schluss blieb.

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Die 21-jährige Schweizerin Steiner kommt derweil vom VfL Wolfsburg II und absolvierte in der vergangenen Saison 19 von 26 Partien in der 2. Bundesliga. Dabei konnte die Abwehrspielerin zwei Treffer erzielen. Zuvor war sie in der U19 des FC Basel aktiv. „Ich freue mich sehr auf die neue Aufgabe und die Erfahrungen, die damit verbunden sind. Ich bin überzeugt, dass ich mich dadurch sportlich und persönlich weiterentwickeln werde.“

Daniel Kraus, sportlicher Leiter bei der SGS, kennt die Abwehrspielerin noch aus seiner Wolfsburger Zeit. „Mit Joëlle bekommen wir eine Spielerin, die sich vor allem durch Zweikampfstärke, Mentalität und Kopfballstärke auf dem Platz auszeichnet und in der Vergangenheit auch Führungsqualitäten auf und neben dem Platz gezeigt hat. Wir freuen uns daher sehr, dass Joëlle sich für die SGS entschieden hat.

Frauenfussball in Essen
Jessica Wissmann übernahm als Interimstrainerin und überwinterte mit der SGS auf einem Nicht-Abstiegsplatz.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

SGS Essen: Co-Trainerin Jessica Wissman verlässt den Klub

Nach der Verabschiedung zahlreicher Spielerinnen wurde nun auch der Abgang von Jessica Wissmann verkündet. Die war nicht nur Co-Trainerin, sondern als Interimstrainerin für die erfolgreichste Saisonphase der Essenerinnen verantwortlich. Denn im Oktober des vergangenen Jahres stand die SGS bereits vor einem Scherbenhaufen und stellte das Trainerduo Robert Augustin und Thomas Gerstner frei. Interimsweise übernahm die bisherige Assistentin Jessica Wissmann, die auch neu dabei war.

Unter der Interimstrainerin stabilisierten sich die Essenerinnen defensiv und überwinterten sogar auf einem Nicht-Abstiegsplatz durch vier ungeschlagene Partien in Folge. Nur durfte die 34-Jährige überhaupt nur wegen einer Ausnahmegenehmigung des DFB so lange an der Seitenlinie stehen. Auch ihr fehlte die nötige Lizenz. Im Januar präsentierte die SGS Heleen Jaques als neue Cheftrainerin. „Ich empfinde in erster Linie viel Dankbarkeit für alle Menschen, mit denen ich zusammenarbeiten durfte“, sagte Wissmann bei ihrer Verabschiedung. „Es war eine intensive und manchmal auch anstrengende Zeit, aber das macht sie auch sehr schön und ich habe viele Erfahrungen sammeln können.“

SGS Essen: Beke Sterner wechselt zum 1. FC Köln

Zuvor wurden bereits die Abgänge vieler Spielerinnen bekannt. „Wir sagen Danke für die gemeinsame Zeit!“, schrieb die SGS jüngst in den sozialen Medien unter einer Kollage mit den Spielerinnen. Und damit war amtlich, was bereits vermutet wurde: Die SGS wird in der kommenden Saison ein völlig neues Gesicht erhalten. Selbst Offensivspielerin Maike Berentzen wird die SGS verlassen, obwohl sie ihren Vertrag erst Anfang März verlängert hatte. Der jüngste Abschied: Beke Sterner hat die SGS nach sieben Jahren verlassen, in dieser Spielzeit kam sie wegen einer langwierigen Verletzung erst Anfang März wieder zum Einsatz. Denn die Diagnose im vergangenen September war ein Schock: Neben dem Innenband waren sowohl die Außenbänder als auch diverse Kapseln im Sprunggelenk der Außenverteidigerin gerissen. Ihr neuer Klub: der 1. FC Köln. Die 23-Jährige bleibt Erstligaspielerin und unterschrieb in der Domstadt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2029.

Frauenfussball in Essen
Künftig bei Bayer Leverkusen auf dem Rasen: Paulina Platner.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Die Reaktionen in den Sozialen Medien? Überraschung und Ernüchterung. Von einem „Kahlschlag“ und „Ausverkauf“ sprachen die einen, während andere durchaus Verständnis gegenüber Spielerinnen und Verein zeigten, weil der „bisherige Kader in der 2. Liga nicht zu finanzieren“ sei.

Fußball Frauen-Bundesliga 
SGS Essen - SC Freiburg. Große Party und der Abstieg
Ramona Maier ist einer der vielen Spielerinnen, die die SGS Essen nach dem Abstieg aus der 1. Liga verlassen werden.© FUNKE Foto Services | Vladimir Wegener

SGS Essen: Weiter ein Ausbildungsverein

Verlässlich zugesagt haben aus der Reihe des Erstligakaders bisher nur Ex-Nationalspielerin Jana Feldkamp, Pia Lucassen, Julie Terlinden und Leonie Köpp. SGS-Rekordspielerin und Kapitänin Jacqueline Meißner befindet sich noch in Gesprächen mit mindestens einem anderen Klub. Es gibt also einen Umbruch. Einen Neuanfang. Die SGS will sich mit „neuen und hungrigen Spielerinnen“ verstärken, wie der Sportliche Leiter Daniel Kraus ankündigte. „Die SGS wird weiter ein Ausbildungsverein für große Talente bleiben.“