Es war nicht anders zu erwarten. Denn wer allein die Anzahl der Umarmungen bei ihrer Auswechslung am letzten Spieltag der Frauenfußball-Bundesliga zählte, wusste längst, was die SGS Essen nun offiziell verkündet: Lena Ostermeier wird Schönebeck nach 14 Jahren und 277 Partien in lila-weiß verlassen. Statt der Mission Wiederaufstieg sucht die Abwehrspielerin eine neue Herausforderung und ist damit schon der 13. Abgang. Wohin es Ostermeier zieht, ist noch nicht bekannt. Getuschelt wurde im Saisonfinale aber bereits über Borussia Dortmund.

„Es ist etwas Wehmut dabei, da ich eine so lange Zeit bei der SGS verbracht habe und hier quasi aufgewachsen bin“, verrät die 29-Jährige. Bereits 2013 debütierte sie in der Eliteliga und ist neben Jacqueline Meißner, um die sich ebenfalls Abschiedsgerüchte ranken, die einzig verbliebene Spielerin im Kader gewesen, die bei beiden DFB-Pokalfinals der Essenerinnen dabei war. 2014 gegen den 1. FFC Frankfurt (0:3) kam sie nicht zum Einsatz, dafür stand sie sechs Jahre später gegen den VfL Wolfsburg (5:7 nach Elfmeterschießen) 120 Minuten auf dem Rasen.

Frauenfussball in Essen
So werden die SGS-Fans sie in Erinnerung behalten: Lena Ostermeier (r.) hier im Zweikampf mit Synne Skinnes Hansen von Bayer 04 Leverkusen.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

SGS Essen: „Ohne die SGS wäre ich nie so weit gekommen“

„Das waren definitiv die Highlights“, erklärt die gebürtige Schwerterin. „Ohne die SGS wäre ich nie so weit gekommen!“ Und doch verlässt sie ihren Heimatverein nun, als dieser am sportlichen Tiefpunkt angekommen ist und einen Neuanfang braucht. „Lena ist ein Gesicht der SGS, war über Jahre hinweg Leistungsträgerin und auch – im positiven Sinn – kritische Begleiterin der Entwicklung hier bei uns im Verein“, betont Daniel Kraus, Sportlicher Leiter der SGS. Und er muss es wissen, so war er von 2016 bis 2019 auch Ostermeiers Trainer.

„Sie hat großen Anteil an unserer erfolgreichen Bundesliga-Geschichte und bleibt als harte Arbeiterin mit klarer Spielidee auf dem Platz in Erinnerung“, erklärt er, der aber auch Ostermeier Bedeutung für die SGS abseits des Rasens hervorhebt. Denn sie steht wie keine Andere für den Essener Weg, den Spielerinnen neben dem Fußball auch eine berufliche Ausbildung zu ermöglichen: Ostermeier hat an der TU in Dortmund nicht nur Chemie studiert, sondern bekanntlich nach erfolgreicher Promotion 2023 auch ihren Doktortitel erhalten. „Sie steht damit im besonderen Maße für den dualen Weg hier bei uns.“

SGS Essen: „Dann werdet ihr schnell wieder erstklassig sein“

Leichtgefallen ist ihr die Entscheidung daher nicht. Denn auch Ostermeier verspürt eine besondere Verbundenheit mit dem Verein, die sie auch ihn ihren Worten zum Abschied ausdrückt: „An alle, die für die SGS arbeiten – egal, ob hauptberuflich oder im Ehrenamt, aber auch an die Fans: Danke für eure Unterstützung! Ohne euch könnte der Verein so nicht existieren. Macht weiter so, dann werdet ihr schnell wieder erstklassig sein.“ Sie selbst aber entschied sich nun dafür, nicht mehr Teil dieses Weges zu sein. Der Reiz, mit ihren 29 Jahren noch einmal etwas Neues zu wagen, war größer: „Und darauf freue ich mich nun auch.“

Der Kontakt nach Essen soll bestehen bleiben. Denn, so verspricht Ostermeier, zu „dem einen oder anderen Heimspiel“ möchte sie gerne vorbeischauen. Und damit liefert sie ein weiteres Indiz dafür, dass ihr neuer Klub wohl nicht allzu weit entfernt liegen dürfte. Sollte es tatsächlich der BVB werden, träfe sie dort auf ihren ehemaligen Trainer Markus Högner sowie die früheren Mitspielerinnen Annika Enderle und Ramona Maier. Dafür spricht auch, dass Ostermeier bereits in Dortmund wohnt.