In Klubhaus an der Franzstraße wurden am Sonntagabend erst einmal gemütlich zwei Kästen Gerstensaft geleert. Das kam in der jüngeren Vergangenheit ja eher selten vor. Der 4:2 (1:1)-Heimerfolg über den PSV Lackhausen war für die abstiegsbedrohten Landesliga-Fußballer des 1. FC Lintfort nach einer starken zweiten Halbzeit auch ein kleiner Brustlöser. Vor allem unterstrichen beide Angreifer ihren Wert für Rot-Blau: Boran Sezen traf zweimal ins Netz und legte dann auch beide Tore von Carlos Pin auf. „Das war eine Eins mit Sternchen“, lobte denn auch Interimstrainer Thorsten Schikofsky seine Doppelspitze.

Samstag steigt das nächste Derby: SV Scherpenberg gegen 1. FC Lintfort

Schikofsky wird vermutlich auch am kommenden Samstag (16 Uhr, Asberger Straße) im Derby beim SV Scherpenberg an der Linie stehen. Auf eine mögliche Cheftrainer-Zusage warteten die Lintforter am Sonntag vergebens. Mit Bartosz Maslon (ehemals VfB Speldorf, FC Kray und Mülheimer FC) hat einer der beiden Favoriten übrigens abgesagt. Die regelmäßige Fahrstrecke vom Wohnort Velbert nach Lintfort schien dem 39-jährigen ehemaligen Oberliga-Trainer letztlich zu anstrengend. Ob es mit dem zweiten aussichtsreichen Kandidaten, ebenfalls in Oberliga und Landesliga erfahren, etwas wird? „Wenn nicht, geht die Suche eben weiter“, sagt Vereinschef Kevin Hippert.

Durfte vor allem mit der zweiten Halbzeit sehr zufrieden sein: Lintforts Interimstrainer Thorsten Schikofsky.
Durfte vor allem mit der zweiten Halbzeit sehr zufrieden sein: Lintforts Interimstrainer Thorsten Schikofsky.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Mit dem 4:2 über Lackhausen am Sonntag war zur Halbzeit im Übrigen noch nicht zu rechnen. Die Weseler Gäste hatten mit penetrantem Rückenwind das Heft weitgehend in der Hand. Lintfort gelang im Vorwärtsgang lange nichts. „Wir hatten ziemliche Probleme“, gab auch Coach Schikofsky zu. Folgerichtig erzielte Denys Ovsiannikov per Solo den PSV-Führungstreffer. Der 20-jährige Ukrainer marschierte an drei Lintfortern scheinbar mühelos vorbei (18.).

Für den 1. FC Lintfort trifft Boran Sezen zweimal

Der erste Angriff der Gastgeber in der 40. Minute war dann allerdings nicht nur exzellent vorgetragen. Der Ball landete auch im Ziel. Eine Kombination über Carlos Pin und Flankengeber Baha Arslanboga vollstreckte Boran Sezen routiniert im rechten Toreck. Nach dem Seitenwechsel nutzte Lintfort dann den Rückenwind. Die Gastgeber legten nun auch eine andere Körpersprache an den Tag. Boran Sezens Führung nach Vorlage von Gabriel Derikx (59.) konterte der PSV allerdings postwendend: Florian Karwarth schlenzte einen Ball in den rechten Torwinkel zum 2:2 (61.).

Augen zu und drauf: Beim 1. FC Lintfort war Boran Sezen (rechts) nach der Pause Antreiber und Garant für den Heimsieg über den PSV Lackhausen, hier Stephan Sanders im Bild.
Augen zu und drauf: Beim 1. FC Lintfort war Boran Sezen (rechts) nach der Pause Antreiber und Garant für den Heimsieg über den PSV Lackhausen, hier Stephan Sanders im Bild.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Doch viel mehr hatte Grün-Weiß vorn nun nicht zu bieten. Lintfort war am Drücker und entschied das Match innerhalb von nur drei Minuten. Carlos Pin nutzte seine Freiheiten im Weseler Strafraum mit einem herrlichen Schuss in den linken Torwinkel (71.). Das 4:2 wenig später entsprang aus einem Doppelpass mit Boran Sezen. „Im Hinspiel hat es beim 0:4 zwischen den beiden ja nicht so geklappt. Im zweiten Versuch heute konnte niemand meckern“, schmunzelte Interimstrainer Thorsten Schikofsky.

PSV Lackhausen: ein Verletzter, ein Platzverweis

Die Gäste hatte in der Endphase noch zweimal Grund zur Klage. Innenverteidiger Timo Giese fiel in der 82. Minute in einem Zweikampf unglücklich zu Boden und musste mit Verdacht auf Handbruch in die Kabine gebracht werden. Einen wenig erquicklichen Auftritt hatte sein Bruder Nico Giese in der vierten Minute der Nachspielzeit. Der Weseler schickte da ohne Not Shawn Rume nach der Mittellinie unliebsam in die Seitenbande. Der Düsseldorfer Referee Erik Leicht (DJK Sparta Bilk) zeigte Gelb/Rot.

An zwei Toren für den 1. FC Lintfort beteiligt: Außenstürmer Baha Arslanboga (Mitte), hier gegen Luis Jakob Blaswich (links) und Lauritz Meis.
An zwei Toren für den 1. FC Lintfort beteiligt: Außenstürmer Baha Arslanboga (Mitte), hier gegen Luis Jakob Blaswich (links) und Lauritz Meis.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

„Das war unnötig und nicht gerade schlau“, befand PSV-Trainer Björn Assfelder kritisch: „Für uns ist das schon der zehnte Platzverweis im 25. Spiel. Das ist ziemlich katastrophal.“

1. FC Lintfort: Auch die direkten Konkurrenten punkten

Weil die Konkurrenten VfB Speldorf (3:0 gegen Schlusslicht Steele) und Blau-Gelb Überruhr (2:1 über Schönebeck) am Sonntag parallel ihre Heimspiele gewannen, bleibt es für Lintfort trotz des Heimsieges bei nur vier Punkten Vorsprung vor dem möglichen Relegationsplatz 14.

1. FC Lintfort: Hüpen - Bu. Arslanboga, Hoffmeister, Vizuete Mora, Haub - K. Bodden (66. von Zabiensky), Ehis (72, Hasse) - Derikx (72. Schons), B. Sezen (81. S. Rume), Ba. Arslanboga - Pin (80. Cengiz).