Die Volleyball-Bundesliga und der Moerser SC – das war jahrelang ein hitziges Streitthema, weil die zuständige VBL auf gewisse Rahmenbedingungen für ein erstklassiges Startrecht gepocht hatte. Unter anderem ging es stets auch um einen fernsehtauglichen Hallenboden. Den forderte die VBL, ihren eigens auferlegten Regularien folgend, für eine MSC-Rückkehr ins Oberhaus. Doch der bis Frühjahr 2024 im Amt wirkende Adler-Chef Günter Krivec konnte und wollte die kostspielige Vorgabe nicht erfüllen. Mittlerweile haben sich die Vorzeichen aber offenbar verändert. Nach der sportlichen Rückkehr in die 2. Bundesliga drei Jahre nach dem freiwilligen Rückzug legt der Moerser SC auf pragmatische Weise das Thema Hallenboden ad acta.

Volleyball: Essenerinnen übertragen Zweitliga-Spielrecht auf Eintracht Spontent

„Wir haben einen fernsehtauglichen Boden gekauft und können diesen im Enni-Sportpark Rheinkamp auch lagern“, verriet der MSC-Vorsitzende Guido Lohmann nun der Redaktion. Neu kostet ein nur mit Volleyball-Linien ausgestatteter und auch spieltauglicher Boden immerhin saftige 50.000 Euro. Die Adler haben den Belag für einen geringen fünfstelligen Betrag gebraucht aus Essen angeschafft. Die Zweitligafrauen des VC Borbeck, die unter Allbau Volleys Essen firmierten, brauchen den Spieluntergrund nicht mehr, weil sie ihre Spiellizenz auf Eintracht Spontent in Düsseldorf übertragen haben und dort künftig ihrem Rückschlagspiel nachgehen.

Als Günter Krivec noch Vorsitzender des Moerser SC war, war der fernsehtaugliche Hallenboden für den Enni-Sportpark stets ein Zankthema mit der für die Bundesligen zuständigen VBL.
Als Günter Krivec noch Vorsitzender des Moerser SC war, war der fernsehtaugliche Hallenboden für den Enni-Sportpark stets ein Zankthema mit der für die Bundesligen zuständigen VBL. © FUNKE Foto Services | Volker Herold

Die Moerser haben sich bei der VBL wegen der Investition rückversichert. „Der Boden ist in gutem Zustand und wird uns langfristig helfen“, betont Guido Lohmann. Auch Hallenbetreiber Enni unterstützt dabei und stellt Lagerräume für die schweren Bodenrollen zur Verfügung. Finanziert wird das Projekt auch über eine Vielzahl von alten und neuen Sponsoren. Der Jahresetat beim MSC geht weiter nach oben.

Moerser SC: Neuer Hallenboden mit mehrstündigem Auf- und Abbau

Eine fünf- bis sechsköpfige Gruppe um Vereinsmitglied Frank Kösters wird sich um den in der Regel mehrstündigen Auf- und Abbau mit Muskelkraft bei Heimspielen kümmern. Vereinbart ist offenbar, dass der MSC das gute Stück schon freitagabends, also am Tag vor einem Heimmatch, ausrollen darf. Der Abbau erfolgt, wenn die Hallenbelegung dies zulässt, erst am Sonntagmorgen nach dem Spiel. Vom Boden dürfte auch die zweite Mannschaft des Moerser SC profitieren. Das Landesligateam trägt seine Heimspiele meist direkt vor der Zweitliga-Mannschaft im Enni aus.

Freuen sich auf einen neuen Hallenboden: Cheftrainer Hendrik Rieskamp (rechts) vom Moerser SC und sein Co-Trainer Marco Destefani.
Freuen sich auf einen neuen Hallenboden: Cheftrainer Hendrik Rieskamp (rechts) vom Moerser SC und sein Co-Trainer Marco Destefani.© FUNKE Foto Services | Oleksandr Voskresenskyi

Der Aufstieg in die 2. Bundesliga bringt für den MSC im Übrigen weitere Kosten mit sich. Das spiegelt sich nicht nur in den Auswärtsfahrten über die NRW-Grenzen hinaus wider. Im Bundesliga-Unterhaus ist, wie schon zu Coronazeiten, ein Streaming-Dienst mit Bewegtbildern für die Volleyballgemeinde im Internet gefordert. Das Equipment dazu wird von der VBL gestellt. Der MSC plant mit zwei Kommentatoren. Einer dürfte der ehemalige Co-Trainer Sven Simon sein. Der war eine Zeit lang für Bundesliga-Aufsteiger VC Bitterfeld-Wolfen und dessen Trainerlegende Chang Cheng Liu als Scout unterwegs.

Moerser SC holt Scout Sven Simon von VC Bitterfeld-Wolfen zurück

Mittlerweile ist Sven Simon zurück beim MSC und kümmert sich seit einigen Monaten für Trainer Hendrik Rieskamp um die Spielauswertungen. „Bei uns ist viel Schwung drin“, versichert Klubchef Guido Lohmann. Der verhehlt nicht seine Vision, in naher Zukunft in die höchste Volleyball-Spielklasse zurückzukehren.

Das Thema Aufstieg wird allerdings in der am 13. September startenden Saison 2025/26 noch keines sein. Mit Blick auf den bislang punktuell verstärkten Kader bleiben die Verantwortlichen eher vorsichtig. „Mehr Siege als Niederlagen“, wünscht sich Trainer Hendrik Rieskamp für die 22 Punktspiele. Sollte der MSC tatsächlich am Ende in der Nord-Gruppe unter den besten vier Mannschaften landen, gäbe es übrigens erstmals eine Überkreuz-Play-off-Runde mit den oberen vier Vereinen aus der 2. Bundesliga Süd. Bis dahin werden allerdings noch einige Bälle über das Netz fliegen – in Moers dann auf einem neuen Boden.