Beim 1. FC Lintfort geht es professionell und familiär zu. Seit einigen Tagen hängen drei signierte Trikots im Klubhaus an der Franzstraße hinter Glas an der Wand. Torjäger Florian Ortstadt (jetzt Viktoria Goch) sowie die Rume-Brüder Leslie und Shawn (jetzt Rheurdt-Schaephuysen) dürfen sich dank der Schmuckstücke nun ein wenig wie Lintforter Fußball-Ikonen in Rot und Blau fühlen. Dazu braucht Neuzugang Alexander Maas natürlich noch eine Menge Zeit. Dass der Blodschopf nach dem 3:2-Heimkrimi gegen die Sportfreunde Niederwenigern allerdings für Handy-Fotos parat stehen musste, ist in der Landesliga auch nicht gerade Alltag.
1. FC Lintfort: Handy-Fotos mit drei jungen Fußballern
Der ehemalige Sonsbecker strahlte mit den drei Jungfußballern nahe der Trainerbank um die Wette. Coach Mohamed El Mimouni hatte den Blondschopf auf seiner Lieblingsposition spielen lassen: als Linksfuß auf Rechtsaußen. Und plötzlich zündete der ehemalige Oberliga-Kicker mit allerlei guten Aktionen im Vorwärtsgang und auch Ballgewinnen in der Rückwärtsbewegung. „Ich musste erstmal ankommen und mich zurechtfinden, damit ich mich wohlfühlen kann“, versichert Maas. Und spielt vielleicht auf die von einer Verletzung durchsetzte, nicht wirklich gelungene Vorbereitung an, wo er in den Tests als fachfremder Außenverteidiger nur wenig glänzen konnte.

„Die Erwartungshaltung an mich ist hoch. Deshalb bin ich auch total froh, nach einer starken Trainingswoche die Leistung auch mal auf den Platz gebracht zu haben“, hebt der 26-jährige Offensivspieler hervor. In sechs Saisons in Sonsbeck zählte er zum Stammpersonal, war aber unter Coach Heinrich Losing eher auf der linken Außenbahn unterwegs. „Rechts kann ich mich aber noch besser einbringen“, glaubt Maas.
1. FC Lintfort spielt am Sonntag bei Titelmitfavorit ESC Rellinghausen
Nach drei Siegen in Folge blicken die Lintforter erst einmal nach oben. Sonntag (15 Uhr, Manfred-Scheiff-Stadion) steht bei Titelmitfavorit ESC Rellinghausen durchaus ein ultimativer Test an. Ist das Team schon stark genug, um sich oben festzubeißen? „Wir bringen gerade offensiv eine enorme Qualität auf den Platz. Der Unterschied zur Oberliga ist allerdings, dass da die meisten Teams ziemlich clever und abgezockt spielen und nicht viele Chancen für ein Tor brauchen“, betont Alexander Maas.

Das zielte nach dem Heimmatch gegen Niederwenigern vor allem darauf ab, dass die Lintforter zehn dicke Möglichkeiten versiebten, ehe aus dem Spiel heraus ein Treffer gelang. Das 1:1 durch Andre Rieger war ein 17-Meter-Freistoß, das 2:1 durch Alfred Appiah ein überaus zweifelhafter Foulelfmeter. Erst Appiahs Solo nach toller Vorarbeit des eingewechselten Abdoulaye Sall sicherte in der 84. Minute den 3:2-Sieg.
Torjäger Alfred Appiah: Ich brauche noch mehr das gute Gefühl
Vermutlich war Sommerzugang Appiah genau deshalb auch der glücklichste Lintforter auf dem Spielfeld. „Ich brauche noch mehr das gute Gefühl, dass ich treffen kann, ohne nachzudenken. Dann geht vieles auch von allein“, versicherte der 26-jährige Angreifer, der für den 1. FC Kleve und den SC St. Tönis auch schon in der Oberliga gespielt hat.

Sieben Großchancen hatte Appiah gegen Oberliga-Absteiger Niederwenigern liegen gelassen. Doch die starke Mentalität im eigenen Team trug auch den Mittelstürmer. Der schnappte sich in der 68. Minute mutig die Kugel, als es einen Elfmeter zu verwandeln galt. Normalerweise schießt bei Lintfort Carlos Pin sicher ins Netz. „Diesmal musste ich allerdings den Strafstoß nehmen – für das gute Gefühl“, so Appiah hinterher schmunzelnd. Ein Risiko, klar. Doch der Ball flog dann lässig und unhaltbar zum 2:1 in die rechte Torecke.
Fußball-Landesliga: Appiah in der Torschützenliste Zweiter hinter Budbergs Moritz Paul
Trainer Mohamed El Mimouni hätte seinen Angreifer auch leicht vom Rasen winken können nach all den vergebenen Hundertprozentern. Es wäre ein Fehler gewesen. „Letztlich hat Alfred das Vertrauen von mir wieder zurückgegeben. Und wenn er effektiver treffen würde, hätte er nicht nur sechs Treffer auf dem Konto, sondern vermutlich die doppelte Anzahl“, so der Coach. Was im Übrigen hinter dem Budberger Moritz Paul (elf Tore) derzeit Platz zwei in der Landesliga-Torschützenliste bedeutet.


