Mit einer ziemlichen Packung an Vorschusslorbeeren war Martin Djordjevic im Frühsommer zum Moerser SC gekommen. Der Volleyball-Zweitligist präsentierte den gebürtigen Franzosen als Topzugang. Doch die Erwartungshaltung bei den Adlern und die gezeigten Leistungen des 23-jährigen Außenangreifers mit der Rückennummer 4 passten in den bisherigen sechs Punktspielen nicht wirklich aufeinander. Am Montagabend, zwei Tage nach dem enttäuschenden 0:3 beim Kieler TV, zogen die MSC-Verantwortlichen eine schnelle, aber durchaus nicht unerwartete Konsequenz. Der vermeintliche Top-Zugang, der in der vergangenen Saison für den ungarischen Erstligisten Fino Kaposvar gespielt hatte, wird von seiner Aufgabe entbunden. „Wir haben uns im Einvernehmen getrennt“, wie MSC-Chef Guido Lohmann der Redaktion bestätigte.

Moerser SC: Vorstandschef macht sich ein intensives Bild der Mannschaft

Im Umkehrschluss suchen die Moerser Adler nun natürlich einen erstklassigen Ersatzmann auf Außen/Annahme. Dabei setzen sie auch auf die bekannt guten Drähte von Co-Trainer Marco Destefani in seine Heimat Italien. „Ich habe mir in der Woche vor dem Kiel-Spiel intensiv und in vielen Gesprächen ein Bild von der Ist-Situation gemacht“, erklärte MSC-Klubchef Guido Lohmann gegenüber der Redaktion, „die Mannschaft ist in Ordnung, das ist positiv. Es hat sich aber auch gezeigt, dass die jungen Spieler oft mit sich selbst beschäftigt sind. Und dass Martin für uns nicht die erhoffte Verstärkung ist.“

Zuspieler beim Moerser SC bei der Arbeit: Fabio Bertea (links) mit Mittelblocker Tim Ihde.
Zuspieler beim Moerser SC bei der Arbeit: Fabio Bertea (links) mit Mittelblocker Tim Ihde.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Das zeigte sich in den Zweitliga-Matches vor allem in der Zusammenarbeit mit Zuspieler Fabio Bertea. „Martin wartet immer auf den perfekten Ball, den kann Fabio aber nicht immer liefern“, betont Guido Lohmann. Und nimmt den 20-jährigen Zuspieler, der in Kiel im dritten Satz von Cheftrainer Hendrik Rieskamp gegen Neuzugang Nico Haug ausgetauscht worden war, durchaus in Schutz. Lohmann weiter: „Am Trainer und am Training liegt es nicht. Wir mussten nun personell einen Impuls setzen. Schließlich wollen wir unser Ziel, den Klassenerhalt, ja auch erreichen.“

Erwartungshaltung beim Moerser SC etwas zu optimistisch formuliert

Gut möglich, dass vor der Saison bei Trainern und Spielern die Erwartungshaltung mit Blick auf die 2. Bundesliga durchaus etwas zu optimistisch formuliert war. Nach zwei Aufstiegen in Serie über die Regionalliga und die 3. Liga West hatte manch einer sogar schon eine Play-off-Möglichkeit im Bundesliga-Unterhaus ins Visier genommen. Also mindestens den vierten Tabellenplatz. Davon ist nach fünf Niederlagen aus sechs Spielen und mit Blick auf die hohe Hürde am Sonntag (16 Uhr, Vechtesporthalle) beim verlustpunktfreien Tabellenzweiten FC Schüttorf nun keine Rede mehr.

Hat bisher kaum Einsatzminuten bekommen: der ukrainische Neuzugang Maksym Vandzhura (links), hier mit MSC-Klubchef Guido Lohmann.
Hat bisher kaum Einsatzminuten bekommen: der ukrainische Neuzugang Maksym Vandzhura (links), hier mit MSC-Klubchef Guido Lohmann.

Ob es weitere personelle Umbesetzungen geben wird, lässt MSC-Chef Lohmann noch offen. Der Ukrainer Maksym Vandzhura, der seit Januar schon im Enni-Sportpark mittrainiert, war bisher noch keine echte Alternative als Außenangreifer. Auf den 26-Jährigen, der in seiner Heimat immerhin auf Zweitliga-Niveau gespielt hatte, dann aber vor dem Krieg flüchten musste und auch eine Zeit lang keinen Volleyball mehr in den Händen hatte, setzt Coach Rieskamp spätestens in der Rückrunde: „Maksym wird uns noch weiterhelfen.“ Die Freigabegebühr an den ukrainischen Volleyballverband für Vandzhura ist jedenfalls schon bezahlt.

Moerser SC hat zwei Wochen Zeit vor dem Heimspiel gegen Mitkonkurrent Köln

Nach dem Schüttorf-Auswärtsspiel am Sonntag, in das der MSC als klarer Außenseiter geht, bleiben dann für die Moerser 14 Tage Zeit, um sich auf die Heimpartie am 15. November gegen Mitabstiegskonkurrent MLK Volleys Köln vorzubereiten. Vermutlich dann mit einem neuen Außenangreifer. Der Mitaufsteiger aus dem Ortsteil Junkersdorf, der das Windenergie-Unternehmen MLK aus Erkelenz seit Ende Mai finanziell lohnend im Vereinsnamen trägt, hat zuletzt bei Schlusslicht TSV Giesen Grizzlys II (3:2) und gegen den Tabellenvorletzten PSV Neustrelitz (3:1) immerhin zwei Siege eingefahren.