TuS Xantens Stadionsprecher Anton Artz gab vor dem Anpfiff alles, um Zuversicht für den Fußball-Bezirksligisten unter die gut 200 Zuschauer am Fürstenberg zu streuen. Da konnte selbst Superoptimist Artz nicht ahnen, dass das Kreispokal-Halbfinale gegen den Landesligisten SV Scherpenberg zu einem unglaublichen Match mutieren würde. Die Gastgeber kämpften in einem Treffen voller Fehler bis zum Umfallen, die auf die Oberliga schielenden Gäste leisteten sich defensiv indes unfassbare Patzer. Dass Xanten am Ende mit 5:4 (4:4, 1:2) nach Verlängerung die Nase vorn hatte, war voll und ganz verdient.
TuS Xanten: Vor dem Klubhaus gibt es die große Sause
„Die Mannschaft hat eine tolle kämpferische Leistung hingelegt, aber auch unfassbar viele gute Chancen liegen lassen“, erklärte Trainer Mirco Dietrich, bevor seine Mannen vor dem Klubhause die große Sause starteten. Vor der Scherpenberger Kabine war es wortkarg. „Das, was ich der Mannschaft gesagt habe, können wir nicht öffentlich machen“, erklärte Trainer Sven Schützek hörbar geladen: „Einige Spieler von der Bank haben die Chance, die sie hier bekommen haben, nicht genutzt. Wir müssen sehen, dass wir das Match bis zum Werden-Heimspiel am Freitagabend schleunigst aus den Knochen kriegen.“

SVS-Trainer Sven Schützek hatte seine Startelf im Vergleich zum 1:5 in Niederwenigern auf acht Positionen verändert. Vielleicht etwas zu viel? Insgesamt schienen die Gäste auf dem Xantener Naturrasen irgendwie nicht richtig wach. TuS-Angreifer Christopher Kimbakidila steuerte schon in den ersten fünf Minuten zweimal allein auf Miguel Nefian zu. Der dritte SVS-Keeper, der die abwesenden Gian-Luca Reck und Julian Geitz vertrat, hatte jeweils etwas Fortune, leitete aber das 1:0 für Xanten wenig später mit einem Fehlpass ein. Ex-GSV-Kicker und Torschütze Gerrit Jenowsky wurde blitzschnell freigespielt (20.).

Die Gastgeber revanchierten sich mit Geschenken. Keeper Jan Kallen griff an einer Fuhrmann-Ecke vorbei, Vedad Music köpfte den Ausgleich (25.). Dann nahm Ömer Akbel einen Fehlpass im Mittelfeld auf, bediente Luca Grillemeier: 2:1 (29.). Wirklich Sicherheit in die eigenen Aktionen brachte das bei Scherpenberg aber kaum. Was Trainer Schützek nicht gerade amüsierte.
SV Scherpenberg: Nach Grillemeiers Heber zum 3:1 schien das Spiel schon entschieden
Mit Grillemeiers Heber zum 3:1 (59.) schien das Treffen trotz allem den erwarteten Verlauf zu nehmen. Bis zur 68. Minute. Dann erlaubte sich Außenverteidiger Conner Wastian einen völlig unnötigen Foulelfmeter. Marvin Braun verkürzte für Xanten zum 2:3. Was die Scherpenberger Defensive sich allerdings danach dann erlaubte, war wirklich Kreisliga-C-Niveau. Allein Xantens Mittelstürmer Christopher Kimbakidila hätte mit vier Soli auf den bedauernswerten Torsteher Nefian laufend die Partie entscheiden müssen.

Zehn Minuten vor Schluss nutzte Kimbakidila dann einen Fehlpass von Gabriel Derikx im Spielaufbau und eine Schläfrigkeit im Zweikampf von Innenverteidiger Jasin Saiti: Flachschuss zum überfälligen 3:3. Und Scherpenberg? Bekam tatsächlich durch einen Abstauber von Baha Arslanboga, leicht abseitsverdächtig, nach Flachschuss Marcel Kretschmer das 4:3 mit der zweiten Torchance nach der Pause (87.).
Am Ende herrscht beim SV Scherpenberg zu viel Tohuwabohu im eigenen Strafraum
Das Resultat wäre dem Spiel aber nicht gerecht geworden. Allein deshalb ging das 4:4 in der vierten Nachspielminute natürlich in Ordnung. Der eingewechselte Zeon Francis Kern drückte die Kugel nach dem x-ten Tohuwabohu im Scherpenberger Strafraum über die Torlinie. In der fälligen Verlängerung schien Xanten sogar konditionsstärker. Bissiger ohnehin. Jenowsky verfehlte noch unglaublicherweise per Kopfball das leere Tor (100.). Zwei Minuten später war dann David Epp zur Stelle. Jasin Saiti und Max Abel diskutierten im Strafraum noch, warum der Kollege den Ball nicht aus der Gefahrenzone bringt, da netzte Epp das finale 5:4 ein.

Spannend wurde es in der zweiten Verlängerungshalbzeit dann kaum noch. Die Scherpenberger sahen sich nicht mehr in der Lage, die runde Vollblamage noch abzuwenden. Am Ende jubelte Xanten, in der Bezirksliga-Gruppe 4 bekanntlich arg im Abstiegskampf verstrickt, gegen einen Oberliga-Aspiranten, der komplett den Kopf verloren hatte. Am 14. Mai heißt das Kreispokalfinale auf der Anlage des 1. FC Lintfort nun: TuS Xanten gegen A-Kreisligist Büdericher SV. SVS-Trainer Sven Schützek: „Wir haben die große Chance auf einen Titel einfach weggeworfen.“
So haben sie gespielt
TuS Xanten: Kallen - Braun, Schreiber, Vengels (46. Broß), Maas - Jenowsky, Meyer, Sticklat, Geroschus (69, Malangi) - Kimbakidila (85. Kern), Binias (81. Epp).
SV Scherpenberg: Nefian - Wastian, Anel, Saiti, Kapuscinski (46. Ogansuyi) - Werner, A. Terzi - Grillemeier (75. Kretschmer), Akbel (91. K. Terzi), Fuhrmann (60. Derikx) - Music (64. Ba. Arslanboga).


