Aufstiegskampf ist immer auch eine Frage der Nerven. Und der Cleverness. Diese Erkenntnisse musste man aus der bitteren 1:2 (0:0)-Niederlage des SV Scherpenberg am Freitagabend bei Aufsteiger DJK Sportfreunde Katernberg im Essener Nordosten schon mit nach Hause nehmen. Die Moerser Gäste stutzten sich in der Schlussphase die guten Aussichten auf einen Sprung in die Fußball-Oberliga dermaßen fahrlässig zusammen, dass Trainer Sven Schützek kurz vor einem Tobsuchtsanfall stand. Die Fehler in allen Mannschaftsteilen und auch in der vom Team am Ende offenbar selbst gewählten Blind-nach-vorn-Taktik wurden bitter bestraft.
Der SV Scherpenberg steht nun wieder unter Maximaldruck
Nun ist der Traum vom Aufstieg in die höchste deutsche Amateurspielklasse für den Moerser Ortsteilverein noch lange nicht geplatzt. Drei Pflichtspiele vor Saisonende reichen weiterhin drei Siege sicher für Platz eins aus. Der SV Budberg holte sich zwar durch das 3:1 bei der SG Schönebeck die Tabellenführung zurück, hat aber nur noch zwei Spiele zu bestreiten, weil die Partie gegen den ausgestiegenen GSV Moers ja wegfällt. Der Tabellendritte ESC Rellinghausen ließ beim späten 2:2 gegen die Sportfreunde Niederwenigern wieder zwei Zähler liegen.
Die Scherpenberger stehen trotzdem wieder unter Maximaldruck, soll es mit dem Oberliga-Sprung tatsächlich klappen. „Dumm und unnötig“, wie Coach Schützek nach dem Schlusspfiff schimpfte. Der Trainer tut allerdings gut daran, seine Mannen bei aller Kritik möglichst schnell wieder gedanklich in die Spur zu bringen. Am Samstag (16 Uhr, Asberger Straße) wartet ja schon Schlusslicht Rhenania Bottrop. Da gilt es, den imaginären Vorteil auf Budberg zu wahren. Bei Punktgleichheit am Ende hätte Scherpenberg den entscheidenden direkten Vergleich gegen die Rheinberger mit 2:0 und 1:0 für sich entschieden.

60 Minuten lang schien Scherpenberg in Essen am Freitagabend alles unter Kontrolle zu haben. Katernberg wirkte im Vorwärtsgang eher harmlos und unentschlossen, in der Defensive durchaus fehleranfällig. Ömer Akbels Kopfballaufsetzer in die linke Torecke nach einem Eckball von Gabriel Derikx war ein folgerichtiges 1:0 (54.). Doch spätestens mit der verletzungsbedingten Auswechslung von Mittelstürmer Akbel in der 63. Minute glitt den Scherpenbergern das Match aus der Hand.
Zwei Spiele schon am Samstag
In der Fußball-Landesliga geht es schon am kommenden Samstag weiter. Beide Aufstiegskandidaten sind dann im Einsatz. Der SV Scherpenberg tritt um 16 Uhr in Asberg gegen Schlusslicht Rhenania Bottrop an. Um 18 Uhr hat der SV Budberg an der Rheinberger Straße den Verfolger Blau-Weiß Mintard zu Gast. Der an diesem Wochenende spielfreie 1. FC Lintfort tritt am kommenden Sonntag um 15.15 Uhr bei den Sportfreunden Katernberg in Essen an.
SV Scherpenberg muss ohne Baha Arslanboga in der Offensive auskommen
Das lag an Ballverlusten im Spielaufbau, an Stellungsfehlern in der Defensive, auch an mangelhafter Bissigkeit und Einsatzbereitschaft einiger Akteure. Vorn wurde ohne den gelb-gesperrten Baha Arslanboga viel zu sehr auf Einzelaktionen gesetzt, die dann hoch über dem gegnerischen Tor im Fangzaun endeten. Beim 1:1 durch Katernbergs Torjäger Maurice Tavio Y Huete (16. Saisontor in der 80. Minute) packte die Gäste-Deckung nicht richtig zu. Es war zudem ein überfälliger Ausgleich, nachdem die Gastgeber zuvor schon drei Hundertprozenter hatten liegen lassen.

Noch fahrlässiger wurde allerdings der K.-o.-Schlag in der vierten Nachspielminute durch den eingewechselten Joel Wyputa per Konter eingeleitet. Scherpenberg löste den Abwehrverbund auf, wollte den späten Sieg, verdaddelte, wieder einmal, in einer unsinnigen Eins-gegen-alle-Situation in der gegnerischen Hälfte den Ball. Katernberg nutzte den schnellen Gegenstoß zum unverhofften Sieg aus, der von den Sportfreunde-Ultras mit leuchtenden Bengalos gefeiert wurde.
Beim SV Scherpenberg finden die Einwechselspieler nicht in die Partie
„Das war alles so nicht angesagt oder gar abgesprochen. Ich weiß nicht, was die Mannschaft in der Schlussphase geritten hat. Ein Unentschieden wäre doch völlig okay gewesen“, befand Coach Schützek mit hörbar aufgeregter Stimme. Dass seine drei Einwechselspieler zudem so gar nicht in die Partie fanden, ärgerte den Trainer obendrauf. Es gibt also unter der Woche einiges aufzuarbeiten.
SV Scherpenberg: Reck - Bu. Arslanboga, Williams, Saiti, Kapuscinski - Karaca, Werner - Derikx (83. Kücükarslan), Fuhrmann (59. Music), Kretschmer - Akbel (63. Redam).


