Einer Premiere wird meist mit Nervosität entgegen gesehen. Doch als am Samstagabend des 4. Oktober der 1. Luftschiff-Lauf beendet war, schnauften die Ausrichter des Vereins Marathon und Triathlon Mülheim nicht nur einmal, sondern hunderte Male durch. Was war das für ein Zittern und Bangen bis zum Start der Veranstaltung auf dem Flughafen Essen/Mülheim: Sturmtief „Detlef“ hatte am Morgen Starkregen und Orkan-Böen über NRW peitschen lassen, in Köln wurde gar eine Laufveranstaltung abgesagt. Und so hatten die 130 Helfer am frühen Morgen mit dem Aufbau begonnen ohne zu wissen, ob später wirklich gelaufen werden kann. Sie hatten gehofft und am Ende innerlich gejubelt, als auch der letzte Läufer die Ziellinie überquert hatte. „Es ist alles gut gegangen. Und es ist insgesamt auch toll gelaufen“, resümierte der Vereinsvorsitzende Jörg Neuheuser.
1250 Läufer hatten sich am Samstagnachmittag auf dem Flughafengelände eingefunden. Zeppelin „Hugo“ saß starr in seiner Verankerung neben dem Hangar, das kleinere Luftschiff „Theo“ hing in dem riesigen, silbern glänzenden Gebäude, in dem sich die Teilnehmer zunächst ihre Startnummern abholten. Mehrere Kinder- und Jugendläufe gab es zum Auftakt, und als die Läufer über die Fünf-Kilometer-Distanz in ihre erste von zwei Runden auf den Start- und Landebahnen starteten, war der Luftschiff-Lauf offiziell im Gange. Ein Lauf mit einer ganz besonderen Streckenführung - und mit verdammt viel Gegenwind.

1. Luftschiff-Lauf in Mülheim: Wind von vorne, Böen von hinten
Zum Start der ersten Runde schien die Sonne. Es ging vom Luftschiff-Hangar Richtung Flughafen-Tower. Rechts vorbei an einer alten „Tante Ju“, der legendären Junkers Ju 52, dann links entlang an morderneren Privatfliegern und dem Hauptgebäude. Vereinzelt waren auf dem Gelände noch Hubschrauber und Flugzeuge zu sehen, sonst weiteten sich Wiesen und Felder entlang der Start- und Landebahn vor den Augen der Läufer aus. Doch mit Runde zwei nahm der Wind zu...
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Es fühlte sich fast an, als würde man gegen eine Wand laufen. Als könnte man trotz aller Anstrengung kaum von der Stelle kommen. Starker Gegenwind machte die halbe Strecke zu einer Tortur. Und die zweite Hälfte? Da katapultierte einen der Rückenwind auf dem flachen Areal so schlagartig nach vorne, wie es an dieser Stelle sonst die Winden beim Start der Segelflugzeuge tun. Starker Wind von vorne, knackige Böen von hinten, heftiger Zug von der Seite - nach dem Überqueren der Ziellinie im Hangar blickten nicht wenige Teilnehmer stolz auf ihre Medaillen. Die waren wahrlich hart erarbeitet in diesen stürmischen Zeiten. Die Zehn-Kilometer-Läufer mussten gleich viermal auf die Start- und Landebahnen. Persönliche Rekorde, wie wohl einige sie auf der flachen Strecke geplant hatten, waren an diesem Tag kaum möglich.

1. Luftschiff-Lauf in Mülheim: Elf Monate Planung
Dass der Lauf trotzdem gut ankam, war an den Gesichtern der Teilnehmer ablesbar. Die Atmosphäre rund um den Luftschiff-Hangar mit seiner hohen, hölzernen Decke war einmalig und viele Läufer waren extra aus umliegenden Städten Essen gekommen, um den Lauf vor der Kulisse von „Hugo“ und „Theo“ auszuprobieren.
Ganze elf Monate hatte der Verein Marathon und Triathlon Mülheim das Ereignis geplant. Feuerwehr hier, Polizie da, Security-Personal dort - neben den eigenen Vereinsmitgliedern war eine Vielzahl an Helfern und Offiziellen im Einsatz. Und der Vereinsvorsitzende Jörg Neuheuser war sich sicher: Wenn es wieder genug Sponsoren gibt, wird es auch im kommenden Jahr wieder einen Luftschiff-Lauf auf dem Flughafen Essen-Mülheim geben. Vielleicht etwas weniger stürmisch.
Dieser Text ist am 5. Oktober 2025 zum ersten Mal erschienen


