Dass die Eltener CDU einen Begräbniswald beantragt, ruft Guido Splittorf, Steinmetz- und Steinbildhauermeister sowie stellvertretender Innungsmeister, auf den Plan. Er staunt über „so viel Unwissen und Leichtfertigkeit. Während im Umkreis schon einige Begräbnis(Fried-)wälder auf teilweise merkwürdige Art und Weise durchgedrückt wurden, wird jetzt von der Christlich Demokratischen Union auch für Elten so etwas gefordert.“

Stellvertretender Innungsmeister fordert Konzepte für Friedhöfe

„In den Berichten las ich, dass die Urnenbegräbnisse sich in Zukunft voraussichtlich verdoppeln werden. Die tatsächliche Quote liegt bei 70 bis 80 Prozent aller Sterbefälle. Wie sollte da eine Verdoppelung möglich sein?“, fragt Splittorf.

Steinmetz Guido Splittorf aus Emmerich sieht die Errichtung von Friedwäldern kritisch.
Steinmetz Guido Splittorf aus Emmerich sieht die Errichtung von Friedwäldern kritisch.© Funke Foto Services GmbH | Joachim Kleine-Büning

Ferner werde der Gebührenerhöhung nicht entgegen gewirkt, sondern der gegenteilige Effekt erzielt: „Wenn ich der Kommune Bestattungskosten entziehe, werden die Gebühren weiter steigen! Intelligenter wäre es, wenn Konzepte erarbeitet würden, welche die Friedhöfe stärken. Auf den Friedhöfen der Stadt Emmerich gibt es genügend Bestattungsformen, die einen naturverbundenen und heimatliebenden Bürger eine würdige Ruhestätte garantieren. Auch ohne die vom Klimawandel katastrophal aussehenden Wälder durch Einbringen von Totenasche weiter zu stressen, ist es möglich in Frieden zu ruhen. Die vorgehaltenen Friedhöfe erfüllen ihren Zweck hervorragend, sie müssen nur weiterentwickelt werden“, betont Splittorf.

+++ Das hatte die NRZ zuvor berichtet +++

Der CDU-Ortsverband Elten hat den Antrag gestellt, die Verwaltung möge zusammen mit dem Förster eine geeignete städtische Waldfläche zur Einrichtung eines Begräbniswaldes in Emmerich finden. Außerdem soll die Stadt als Träger einen Betreiber finden und ein entsprechendes Konzept für die Umsetzung der Idee erarbeiten.

Wunsch nach naturnaher Grabstätte

„Viele Menschen mit starken Verbindungen zur Natur, wünschen sich eine heimat- und naturnahe Grabstätte, die für Verwandte und Freunde einen Bezugspunkt für die Trauer bieten aber auch gleichzeitig pflegefrei ist“, heißt es in dem CDU-Antrag. Die Antragssteller beschreiben genau die Merkmale eines Begräbniswaldes, wie sie ihn sich vorstellen: Die Asche der Verstorbenen soll in einer biologisch abbaubaren Urne an den Wurzeln eines Baumes ruhen. Eine kleine Namentafel am Baum soll auf die Grabstätte aufmerksam machen. Die Bestattungen sollen frei von Konfessionen und sozialen Zwängen sein.

„Grabpflege gibt es keine, dies übernimmt die Natur“, heißt es weiter im Antrag. Die Waldfläche soll weiterhin öffentlich zugänglich bleiben und in ihrem Charakter nicht verändert werden. Auch soll keine forstwirtschaftliche Nutzung der Fläche stattfinden.

„Die Bestattungskultur in Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten stark verändert“, schreibt der CDU-Ortsverband Elten in der Begründung des Antrages. Bezogen auf Urnenbeisetzungen könne man von einer Verdopplung der Zahlen ausgehen. „Gleichzeitig wächst der Wunsch nach alternativen Bestattungsformen, die zudem eine pflegearme und damit auch eine kostenarme, bezogen auf die Folgekosten, Form bieten“, heißt es weiter.

Hinweis auf Begräbniswälder im Umkreis

Der CDU-Ortsverband Elten weißt außerdem darauf hin, dass es entsprechende Begräbniswälder schon im Umkreis gibt – etwa der FriedWald in Goch oder der Trostwald in Rees. Man befürchtet, dass auch Menschen aus Emmerich zukünftig dort ihre letzte Ruhestätte finden werden. „Dies würde eine Erhöhung der Friedhofsgebühren mit sich führen, denen aus unserer Sicht mit der Einrichtung eines Begräbniswaldes im Stadtgebiet entgegen zu wirken ist“, heißt es im Antrag der CDU.

Um einer Erhöhung der Friedhofsgebühren durch weniger Beerdigungen auf den städtischen Friedhöfen entgegenzuwirken, habe die Stadt Emmerich als Träger eine geeignete städtische Fläche zur Einrichtung eines Begräbniswaldes und einen qualifizierten Betreiber zu finden um mit diesem ein umsetzbares Konzept zu entwickeln, welches bereits mögliche Kompensationsmaßnahmen berücksichtigt.