Einen solchen Menschenauflauf an einem Werktag wird die Emmericher Rheinpromenade so schnell nicht mehr erleben. Gut, normalerweise wird auch kein U-Boot den Rhein hinauf befördert. Am Freitagmorgen aber war es soweit. Um 6 Uhr legte der Transport an der Waalkade beim Kunstwerk Het Labyrinth in Nimwegen ab.

Um kurz vor 9 Uhr ist das U-Boot von der Emmericher Rheinpromenade zu sehen

Am Freitagmorgen füllt sich die Rheinpromenade in Emmerich.
Am Freitagmorgen füllt sich die Rheinpromenade in Emmerich.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

Genau zwei Stunden und 48 Minuten später können die ersten Schaulustigen, die sich unter dem Bereich der Martini-Kirche an der Emmericher Rheinpromenade versammelt haben, den Transporter erblicken. Oder das was sie für Wichtig halten. „Ein Feuerwehr-Boot“, ruft ein Kind aus der Kita St. Martini aufgeregt. Das ist zwar nicht der Grund, wieso so viele Menschen an diesem Vormittag an den Ufern des Rheins stehen, aber es stimmt. Der Transporter wird von Booten der Feuerwehr, Wasserschutzpolizei, Wasser- und Schifffahrtsamt sowie THW nach Emmerich begleitet.

Und dann geht alles recht fix. Mit gleichmäßiger Geschwindigkeit fährt der mit dem Unterseeboot U17 beladene Schwimmponton an Emmerichs Flaniermeile vorbei. Zu diesem Zeitpunkt haben etliche Boot-Späher ihre Schnappschüsse von der Rheinbrücke hinab schon gemacht. Am Viking-Steiger hat die Arosa festgemacht. Flusskreuzfahrtler, die ihre Kabine an Steuerbord haben, können das Schauspiel aus einer Art Logensitz verfolgen.

Mehrere Hundert Menschen allein an der Rheinpromenade

Die Rheinpromenade entlang bis hoch zum Rheinpark stehen Hunderte von Menschen – in allen Altersklassen vom Kita-Kind bis zum Rentner. Viele im näheren Umkreis Beschäftigte legen eine verlängerte Frühstückspause ein, um am Rhein dabei zu sein.

Holger Baschleben (2. v. re.) mit weiteren Begleitern des Transports.
Holger Baschleben (2. v. re.) mit weiteren Begleitern des Transports.© FUNKE Foto Services | Konrad Flintrop

„Das Interesse ist selbst jetzt schon sehr groß“, sagt dann auch Holger Baschleben, Pressesprecher vom Technik Museum Sinsheim, gut eine Stunde bevor der Konvoi Emmerich erreichen wird. Schon um 5.30 Uhr stand er einem Kamerateam von RTL in Nimwegen Rede und Antwort. Er und weitere Mitarbeiter des Museums sowie ehemalige U-Bootfahrer machen an diesem Tag noch in Rees und Wesel Station, ehe das Etappenziel Duisburg am Nachmittag erreicht werden soll. „Bis auf einige minimale Verzögerungen, liegen wir voll im Zeitplan,“ so Baschleben.

Rheinfahrt endet am 17. Mai im Naturhafen Speyer

Eben dieser Zeitplan sieht vor, dass die U17 am Mittwoch, 17. Mai, am Naturhafen in Speyer ankommen wird. Am darauffolgenden Sonntag wird mit dem Straßentransport zum Technik Museum die letzte Etappe der Reise angetreten, die im April in Kiel begann.

Mit Campingstühlen am Segelflughafen

In Emmerich ist übrigens nicht nur die Rheinpromenade ein Hotspot für die Zuschauer. Eine Gruppe hat sich auch am Segelflughafen versammelt – teilweise mit Campingstühlen ausgestattet. Obwohl die Wartezeit erträglich ist. Denn durch moderne Technik kann über ein Live-Tracking im Internet jederzeit der genaue Standpunkt des U-Bootes verfolgt werden. „Die Zeiten haben sich total verändert“, erinnert Holger Baschleben an den Transport eines Raumschiffs über den Rhein zum Technik Museum im Jahr 2008. „Damals hatte ich noch einen UMTS-Stick dabei und allein das Einwählen ins Internet hat eine halbe Stunde gedauert.“

Am Ufer des Rheins in Höhe des Segelflughafens wird dem Transport dann hinterhergeschaut. „Ein kurzes Vergnügen“, resümiert einer der Zuschauer. Die Menschen verlassen allmählich wieder das Ufer des Rheins.

Auch in Rees säumten viele Schaulustige den Rhein bei der Vorbeifahrt des U-Bootes U17.
Auch in Rees säumten viele Schaulustige den Rhein bei der Vorbeifahrt des U-Bootes U17.© FUNKE Foto Services | Arnulf Stoffel

>>> Eckdaten zum U-Boot

Die Technik Museen Sinsheim Speyer erhalten das U-Boot U17 der Klasse 206A. Die Schiffskennung ist S196. Die Schiffskennung dient dazu Schiffe gleicher Bauweise individuell zuzuordnen.

  • Bauwerft: Howaldtswerke-Deutsche Werft, Kiel
  • Aufschwimmen/Taufe: 10.10.1972
  • Indienststellung: 28.11.1973
  • Schiffstyp: Unterseeboot
  • Klasse: 206
  • Länge ü.a.: 48,49m
  • Breite: 4,58m
  • Tiefgang: 4,30m
  • Verdrängung aufgetaucht: ca. 450t
  • Verdrängung getaucht: ca. 500t
  • Geschwindigkeit aufgetaucht: 10 kn
  • Geschwindigkeit getaucht: 17kn
  • Maximale Tauchtiefe: 100m
  • Maschinen: 2x MTU 12-Zylinder-Motoren zu je 440 Kw (600 PS)
  • Antrieb: Ein Elektromotor zu 1.100 Kw (1.500 PS)
  • Besatzung: 22
  • Umbau zu 206A: September 1989 – Mai 1991
  • Patenstadt: Kressbronn, Bodensee