Es ist ruhig geworden um Wölfin Gloria und ihr Rudel. Seit drei Monaten gibt es nichts mehr, das auf die im Wolfsgebiet Schermbeck heimische Wölfin hinweist. Noch länger sind ihr aktueller Partner und ihr „Ex“ verschwunden. Was ist passiert?

Die Nutztierhalter wird es freuen - die Wolfsschützer hingegen sind besorgt. Seit dem 5. November ist von Gloria nichts mehr zu sehen. Damals hat die Wölfin mit der offiziellen Kennung GW954f in Schermbeck eine Ziege gerissen. Das konnte das Senckenberg-Institut in Gelnhausen anhand der Genprobe eindeutig nachweisen. Seitdem: nichts.

Mitte Dezember gab es noch einen Nutztierriss in Wesel - ein Schaf wurde getötet. Dass der Verursacher ein Wolf war, ist aber laut Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (Lanuv) anhand des Rissbildes „nicht mit ausreichender Wahrscheinlichkeit zu bestätigen“. Zum Vergleich: Im selben Zeitraum des vergangenen Jahres wurden in acht Fällen Tiere im hiesigen Wolfsgebiet gerissen. Insgesamt haben die Wölfe in NRW im vergangenen Jahr mehr gerissen als im Vorjahr, so das Lanuv.

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Noch länger als „Gloria“ aber sind ihre Partner von der Bildfläche verschwunden. Wolf GW1587m, ein Bruder der Wölfin aus dem niedersächsischen Wolfsrudel Schneverdingen und seit 2019/20 ihr Partner, dem die Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf mehrere Welpen zuschreibt, ist seit Ende Januar 2022 nicht mehr nachzuweisen. Noch vor der Paarungszeit hatte Gloria einen „Neuen“: GW3616m hat GW1587m als territorialen Wolf abgelöst, so das Lanuv. Woher der neue Partner stammt, ist unbekannt.

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Das Wolfspaar ging seither zusammen auf die Jagd und es gab Nachwuchs: Wolfsrüde GW4002m konnte im Rahmen des Wolfsmonitorings im Jahr 2023/24 mehrmals anhand seiner Hinterlassenschaften nachgewiesen werden.

Seit mehr als einem halben Jahr gibt es allerdings von dem neuen territorialen Rüden keine Spur mehr. Am 20. Juli konnte ihm noch ein Schafriss in Schermbeck nachgewiesen werden. Seitdem nichts mehr. Wolfsschützer spekulieren über einen Zusammenhang mit Treibjagden.

Das sagt das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz

Das Lanuv sieht keinen Anlass zur Sorge. Es habe „bei den Rissvorfällen und Allgemein-Nachweisen im Schermbecker Territorium immer mal wieder größere Lücken über mehrere Monate gegeben“, so Wilhelm Deitermann, Sprecher des Landesamts für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz. Zwischen März und September 2023 war „Gloria“ schon einmal abgetaucht. Das deute „vor allem darauf hin, dass ausreichend natürliches Wild vorhanden ist, um die Ernährung der Wölfe sicher zu gewährleisten“, sagt Deitermann. Er fügt hinzu: „Mehr können wir dazu nicht sagen, da es sich um wilde Tiere handelt, die eigene Entscheidungen treffen und nicht vom Menschen bewusst gelenkt werden.“

Ob „Gloria“ nicht mehr lebt? Als sie sich 2018 im Wolfsgebiet angesiedelt hat, war die Wölfin ein bis zwei Jahre alt. Dieses Jahr wäre sie also höchstens neun Jahre alt. Laut Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf werden Wölfe in Gefangenschaft bis zu 16 Jahre alt, in Freiheit „sterben die meisten Tiere wesentlich jünger“.

Deitermann: „Bis das Gegenteil bewiesen wird, gehen wir im Territorium Schermbeck aktuell mindestens von einem Pärchen aus.“ Eine genaue Beurteilung über die Entwicklung des Schermbecker Rudels werde es nach Abschluss des Monitoringjahres geben. Dieses orientiere sich am Jagdjahr und beginne immer am 1. Mai und endet am 30. April des Folgejahres. Dann könne man auch sagen, ob es weiteren Nachwuchs im Wolfsgebiet gebe.

So viele Risse gab es bis jetzt im Wolfsgebiet Schermbeck im Monitoringjahr 2024/25

Bislang gab es im aktuellen Monotoringjahr 22 Nutztierrisse, die Wölfen nachgewiesen werden konnten - 16 Fälle in Hünxe und Schermbeck sowie sechs im Kreis Borken in der Gemeinde Raesfeld. „Ein Umzug raus aus dem Ursprungsterritorium ist nicht zu erkennen“, so Deitermann.