Von dem Aufeinandertreffen einer Kuhherde mit einem Wolf berichtet die niederländische Tageszeitung De Gelderlander. Wer im Dunkeln durch den Wald fährt, merkt kaum, woran er vorbeifährt, wie Ruben Kleijer (24) beweist. Mit einer Wärmebildkamera filmte er aus nächster Nähe einen Wolf, als dieser an seinem Auto vorbei auf eine Kuhweide lief. Dort kam es zum Aufeinandertreffen mit Milchkühen, wie in dem Schwarz-Weiß-Video sehr gut zu sehen ist.

Ein weißer Kopf erhebt sich über dem dunklen Unterholz. Er blickt in Richtung Kamera. Zwischen den kalten und daher dunklen Bäumen ist das warme Tier deutlich zu sehen. Dabei handele es sich eindeutig um einen Wolf, schreibt der Gelderlander.

Der einzelne Wolf weicht vor den Kühen zurück

Der Wolf läuft auf eine Wiese, vorsichtig, bis plötzlich eine Kuh im Bild erscheint. Das große Tier rennt auf den Wolf zu, später folgt ihm eine zweite Kuh, und der Wolf weicht zurück. Kleijer machte die Bilder, als er von Nunspeet durch den Wald nach Ermelo fuhr, so der Bericht. Nunspeet ist eine Gemeinde in der niederländischen Provinz Gelderland mit rund 30.000 Einwohnern, etwa 50 Kilometer nördlich von Kleve gelegen.

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Der junge Niederländer leiht sich die Wärmebildkamera gelegentlich von einem Freund aus. „Wenn ich durch die Stadt fahre, öffne ich oft mein Fenster und kurbele das Ding an.“ Er habe schon allerhand gesehen, berichtet der 24-Jährige: Rehe, Wildschweine, Dachse und einen Fuchs.

Wärmebildkamera zeigt für andere Unsichtbares

„Wenn man nur im Auto sitzt, sieht man es nicht, weil das Licht nicht darauf leuchtet. Ich wurde einmal sehr schnell von einem Auto überholt und sah dann weiter hinten am Straßenrand etwa zehn Wildschweine. Die Leute haben das nicht gesehen, sonst wären sie langsamer gefahren. Mit so einer Kamera sieht man das sofort.“

Er hat schon einmal Wölfe gesehen, ein Rudel aus drei Wölfen. „Aber das war 200 Meter entfernt, und dann waren sie einfach weg. Das hier waren eigentlich nur 20 Meter oder so.“

Landwirte wussten, dass der Wolf dort herumstreift

Die Kühe im Video mit dem Wolf stammen vom Bauernhof De Grote Koekoek (Der große Kuckuck) ganz in der Nähe des großen Waldgebiets Leuvenumse Bos in Ermelo. Bäuerin Eefje Meihuizen (54) hat sich das Video bereits angesehen: „Ja, was halte ich davon? Einerseits ist es unheimlich, andererseits haben wir den Wolf schon einmal gesehen. Wir wissen, dass er in der Gegend herumstreift.“

Die Kühe im Video verjagen den Wolf, was sie beruhige, so die niederländische Zeitung. „Aber wir wissen nicht, was passiert, wenn mehrere Wölfe gleichzeitig kommen. Und es handelt sich hier um erwachsene Kühe, unser Jungvieh halten wir normalerweise draußen. Was macht der Wolf dann? Ich finde es schwierig.“

Wolfsicherer Zaun für 40 Parzellen nicht möglich

De Grote Koekoek verfügt über 40 Parzellen, von denen nur eine über einen wolfssicheren Zaun verfügt, auf dem das Pferd eines Freundes untergebracht ist. „Für uns ist es unmöglich, alles mit einem Gitter abzugrenzen. Vielleicht, wenn man ein Bauer mit einem großen Grundstück ist, aber wir liegen mitten im Wald.“

Bäuerin hat vor allem Angst um ihre Kälber

Ein Zaun ist bereits sehr pflegeaufwendig: Die Bäuerin kontrolliert ihn jede Woche und muss auch die Vegetation entfernen. Wenn sie das für 40 Zäune tun wollte, müsste sie dafür Leute einstellen. „Das bedeutet, dass Sie anfangen müssen, andere Entscheidungen zu treffen.“ Sie denkt beispielsweise darüber nach, die Kühe und Kälber länger im Stall zu halten. „Um meine großen Kühe habe ich nicht so viel Angst. Aber bei den jungen Kühen freut man sich jeden Morgen, wenn man sie wiedersieht.“

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Video-Filmer Ruben Kleijer ist der Meinung, dass es in den Niederlanden zu viele Wölfe gibt: „Da bin ich ganz ehrlich. Aber, ich fand die Begegnung trotzdem cool: Der Wolf ist ein wunderschönes Tier.“

Wolf riss Highland-Kuh: Ein erwiesener Fall aus Schermbeck

Auch im Wolfsgebiet Schermbeck hat es einen Wolfs-Angriff auf eine Kuh gegeben. An einem frühen Samstagmorgen im März 2023 war in dem Schermbecker Ortsteil Dämmerwald nahe dem Hamminkelner Ortsteil Marienthal ein großes Rind gerissen worden. Die zehnjährige Highland-Cattle Kuh mit langen Hörnern, die etwa 400 bis 500 Kilogramm wog, wurde tot auf einer Weide gefunden. Ein Wolfsberater des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima (Lanuk) dokumentierte die Verletzungen des Tieres, Spuren am Fundort und nahm genetische Proben. Die Untersuchungen bestätigten einige Wochen später, dass die Fraßspuren am Kadaver von einem Wolf stammten.

Andere Landwirte aus der Gemeinde Schermbeck berichteten schon vor Jahren über eine Kuhherde, die nachts panisch durch oder über den Zaun von ihrer Weide geflüchtet sei. Dies könne im Prinzip nur durch einen Wolfsangriff hervorgerufen sein, hieß es aus der Bauernschaft. Beweisen ließ sich diese These jedoch nicht.

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Hünxer Bauer berichtet von Wolfsangriffen auf seine Herde

Und auch der Hünxer Bauer Andre Schürmann hatte schon im Frühjahr 2020 Angst um seine jungen Kühe. „Wir können schon kaum noch schlafen“, sagte der Landwirt damals. Dreimal habe der Wolf die Herde schon heimgesucht, immer fürchte man nachts, die Tiere wieder schreien zu hören. Die Mutterkühe seien in Panik in den Zaun gerannt, eine Kuh war verletzt, der Zaun danieder.

Andre Schürmanns Kühe wurden schon mehrfach vom Wolf angegriffen.
Andre Schürmanns Kühe wurden schon mehrfach vom Wolf angegriffen.© FUNKE Foto Services | (Archivfoto) Lars Fröhlich