Texel verändert sich, man merkt es bei der Einkehr. Früher hätte man sich in der Strandbar eine Portion Pommes gegönnt und wäre halbwegs satt gewesen. Aber schnödes Fritteusenessen ist in Lokalen wie dem „Beachclub“ nicht mehr angesagt. Abends gibt es Menüs – das günstigste umfasst drei Gänge und kostet 52 Euro. Ausgelaugte Sandburgenbauer bekommen „Schwertmuschel-Tatar“ und „Jakobsmuschel-Farce“.

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Die einfachen Zeiten sind vorbei. Der Beachclub ist stolz darauf, „keine gewöhnliche Strandbar“ zu sein, wie er auf seiner Internetpräsenz posaunt. „Wir sind ein ambitioniertes Restaurant an einem der schönsten Orte der Insel.“ Tatsächlich ist der Blick von der Holzterrasse auf die Nordsee fantastisch. Problem: Die Preise sind es auch, vor allem nach 16 Uhr.

Auf Texel sind sogar Discounter teuer

Alex Herbst (25), Tobias Böhne (37) und Anne Segbers (40) haben für Krustentier-Schnickschnack kein Geld, sie versorgen sich selbst. Nudeln mit Fertigpesto aus dem „Jumbo“-Supermarkt, Grolsch aus der Flasche. Die Ehrenamtler im Namen des Herrn sind in diesen Tagen auf Texel, um im Auftrag des Essener Ruhrbistums in Not geratenen Urlaubern zu helfen. Eine erschöpfende Aufgabe, häufig geht es um Trauer und andere düstere Themen. Sie bekommen 30 Euro pro Tag und Person für Essen und Trinken. Die Pauschale reicht gerade so für Grundzutaten.

Texel (Niederlande)
Die ehrenamtlichen Seelsorger Anne Segbers, Alex Herbst und Tobias Böhne (v.li.) unterstützen Priester Strozyk (r.) auf Texel. Essengehen? Können sie sich nicht leisten.© NRZ | Jonas Erlenkämper

Einen kurzen Spaziergang durch die Dünen vom Beachclub entfernt läuft Maximilian Strozyk mit Sonnenbrille im Gesicht über den Campingplatz „Kogerstrand“ und macht sich Gedanken darüber, wann Texel gekippt ist. Der 39-Jährige ist Chef-Zuhörer für alle, die jemanden zum Reden brauchen. Seit elf Jahren verbringt der Mülheimer Priester seine Sommer auf Texel. Dienstlich, Strozyk ist Urlaubsseelsorger. „Die Insel hat sich gewandelt. Das wird hier auf dem Platz ganz deutlich. Ich sehe immer weniger Familien und immer mehr gutsituiert wirkende junge Leute in weißen Poloshirts. Auf dem Parkplatz stehen teure Autos. Texel wird wie Sylt.“

Vor allem Familien bleiben weg

Strozyk ist um gute Laune und Lockerheit bemüht, er will nicht „krass fromm“ wirken. Wenn er sonntags in der Backsteinkirche von De Koog seine Predigt hält, trägt er manchmal rosafarbene Badeschlappen. Es ist sein letzter Sommer auf Texel. Er will sich künftig auf andere Aufgaben konzentrieren, nächstes Jahr kommt ein neuer Priester. Sein Texel-Fazit lässt sich so zusammenfassen: Alles ist wunderschön, aber wer soll die Schönheit bezahlen? Viele, sagt er im Zungenschlag des Reviers, verlören die Lust auf die Insel. Familien, die er oft auf Texel getroffen habe, kämen gar nicht mehr oder nur noch für ein paar Tage statt für drei Wochen wie früher.

Ich sehe immer weniger Familien und immer mehr gutsituiert wirkende junge Leute in weißen Poloshirts.

Maximilian Strozyk, Priester auf Texel

„Ich merke, dass alles teurer wird“, so Strozyk. „Das spüren auch die Ehrenamtlichen, die mich unterstützen. Vor drei Jahren hat das Bistum die Verpflegungspauschale um 20 Prozent erhöht. Aber das reicht nicht, die Preise steigen und steigen. Die Pauschale müsste noch einmal um 20 Prozent erhöht werden, damit unsere Leute im Supermarkt nicht draufzahlen.“

Texel-Camping: Lieber luxuriös als einfach

Der Ferienpfarrer betritt nach seinem Spaziergang über den Campingplatz den von Strandgras umwachsenen weißen Wohnwagen, in dem er ziemlich beengt lebt. Wer Redebedarf hat, darf ihn hier besuchen und bekommt Kaffee, Kekse und offene Ohren. Keiner muss was bezahlen. Draußen stehen Holztische und Sitzbänke, in einem Vorzelt sind ein Kühlschrank sowie eine kleine Bibliothek untergebracht. Ein im Seewind heftig wippender Aufsteller macht auf die „Urlaubsseelsorge Texel“ aufmerksam.

Die neue Texel-Generation möchte es bequemer haben als Strozyk. Moderater Luxus überall. Wer zelten will, muss weder Heringe in den Sand rammen noch auf einer Matratze auf dem Boden schlafen. Sondern kann einfach ein fertig aufgebautes Kuppelzelt mieten. Voll eingerichtet, mit Tisch und Stühlen, Küchenzeile, Kaffeemaschine – sowie richtigen Betten. Drei Nächte kosten fast 400 Euro. Wohlgemerkt: nicht während der NRW-Sommerferien, sondern tief im September.

Texel (Niederlande)
Urlauber am Strand. Wenigstens das Meerbaden ist auf Texel weiterhin kostenlos.© NRZ | Jonas Erlenkämper

Schlafen, essen, parken – auf Texel wird alles teurer

Nicht nur die Preise für Restaurants, Lebensmittel und Übernachtungen haben stark angezogen, berichtet Strozyk. „Jedes Freizeitangebot kostet immer mehr. Nehmen wir das Thema Parken. Seit einigen Jahren sind Besucher angehalten, eine Vignette zu kaufen, um ihr Auto auf der Insel abstellen zu dürfen.“ Die „Texelvignet“ kostet Kurzurlauber 20 Euro – pro Tag. Wer länger bleibt, ist im Vorteil, für eine Woche fallen 30 Euro an.

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Maximilian Strozyk macht es sich auf der Holzbank vor dem Wohnwagen bequem. Feierabend für heute, bald versinkt die Sommersonne im Meer. Er genießt seine letzten Wochen als Inselseelsorger. Ob er als Privatmann weiterhin nach Texel kommen werde? Bestimmt, das Eiland sei für ihn ein besonderer Ort. Aber nicht im Sommer, sagt er. Nicht während der Hauptsaison. Ist ihm zu teuer.