Zwei Frauen treffen sich in der Schlange vorm Tresen. „Na, willste auch Spargel kaufen?“ Klar! Aber nicht einfach irgendwelchen, sondern ganz besonderen. Denn hier, auf dem Spargelhof Dercks, gibt’s den Huchelspargel. Diese alte Sorte wäre fast, aber eben nur fast, von den Feldern und Tellern am Niederrhein verschwunden – wenn sich vor zehn Jahren nicht einige „Bekloppte“, und das sagen sie selbst über sich, zusammengetan hätten.
Einer von ihnen ist Thomas Dercks, der gerade auf seinem Hof ganz schön viel zu tun hat… Die eine Kundin möchte ein Kilogramm des Königsgemüses direkt mitnehmen, der andere Kunde gibt lieber eine Vorbestellung für die Feiertage auf und dann klingelt auch schon wieder das Telefon. „Der Mai ist natürlich unsere Hauptzeit“, erklärt er. Und damit auch niemand die Saison verpasst, weht an der Einfahrt unübersehbar die Fahne des Vereins „Walbecker Huchelspargel 2015 e.V.“.

Denn nachdem nicht nur allgemein der Spargelanbau als Nebenerwerb am Niederrhein immer mehr an Bedeutung verloren hatte, sondern auch speziell der regionale Traditionsspargel durch ertragreichere Hybridsorten verdrängt worden war, planten einige Liebhaber den Huchel wieder in Walbeck zu etablieren. Deshalb also gründeten sie 2015 den Verein, der allerdings zunächst belächelt wurde. Selbst seine Mutter, die wie seine Großmutter schon den Huchel angebaut hatte, war nicht so recht überzeugt.
So schmeckt der Huchelspargel
Ja, Thomas Dercks kann sich noch an die Skepsis erinnern, ganz nach dem Motto: „Wat soll der Quatsch?!“ Schließlich wachsen die neuen, männlichen Sorten deutlich schneller als der alte, weibliche und männliche Huchel. Was das konkret bedeutet, kann der Vorsitzende des Vereins, Matthias Bremkens, anhand einiger Zahlen erläutern: „Beim Standardspargel kommt man auf rund 8500 Kilogramm pro Hektar, während man beim Huchelspargel auf circa 5500 Kilogramm kommt.“

Lukrativ ist der Anbau also nicht gerade, „wir müssten eigentlich zwei Euro mehr aufs Kilo aufschlagen“, fügt Thomas Dercks hinzu. Das macht er aber nicht, weil auch eine große Portion Idealismus bei dem ganzen Projekt Huchel mitschwingt. Und so kostet aktuell ein Kilogramm 13 Euro. Ja, das ist natürlich nicht ganz günstig, wobei, fügt Matthias Bremkens hinzu, „bei zwei Leuten sind das 6,50 Euro pro Person“, und das ist doch wirklich vertretbar, denn der Geschmack... mmh, da kommen alle sofort ins Schwärmen!
„Der Huchel ist ein bisschen nussiger“, erklärt Norbert Deckers, der selbst echter Liebhaber des Huchels ist und ihn deshalb seit 2007 in seinem Haus Deckers anbietet. Aber jetzt mal ehrlich, „wat is‘ schon nussiger?“, fragt Matthias Bremkens. Das ist natürlich schwierig zu definieren, „auf jeden Fall ist er intensiver“, gibt Norbert Deckers zurück. „Das ist der Geschmack unserer Kindheit!“ So wie eben früher, in den 1970er und 1980er Jahren, der Spargel geschmeckt hat, schmeckt auch der Huchel.
Radiokoch ist begeistert vom Huchelspargel
Das hat übrigens auch schon Radiokoch Helmut Gote festgestellt. Sein Urteil lautete in seiner Sendung: „Fein und elegant – eindeutig mein Favorit; er hat alle Vorzüge des normalen Walbecker Spargels und der setzt noch einen drauf: Houuu Bravo! Aber Vorsicht, es besteht Suchtgefahr: „Nach der dritten oder vierten Stange fängt der immer noch besser an zu schmecken.“ Das war ein echter „Ritterschlag“, hält Norbert Deckers fest.
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Und die nächsten Erfolge kamen 2022, als die „Slow Food Organisation“ den Huchelspargel in die „Arche des Geschmacks“ aufgenommen hat und seine Samen im „Savalbard Global Seed Vault“ in Spitzbergen eingelagert wurden. Außerdem, und auch darauf sind die Mitglieder des Vereins stolz, stehen sie seit einiger Zeit in engem Austausch mit einem Landwirt aus Bayern, der ebenfalls die alte Sorte anbaut.
Hier gibt‘s den Huchelspargel
Der Huchelspargel heißt eigentlich „Huchels Leistungsauslese“ und wird am Niederrhein nur auf dem Spargelhof Dercks, Bosserweg 6 in Walbeck, angebaut. Vorbestellungen sind möglich unter 02831/3776 oder info@spargelhof-dercks.de
Wer nicht selbst kochen möchte, kann im Haus Deckers, Walbecker Markt 1 in Walbeck, im Mai und Juni mittwochs und donnerstags das Menü „August Huchel“, freitags das Buffet „Spargelhaus Deckers“ oder samstags Spargelmenüs bei Klavierkonzerten probieren.
Außerdem feiert der Verein „Walbecker Huchelspargel 2015 e.V.“ sein zehnjähriges Jubiläum am Donnerstag, 22. Mai, mit einem Huchelabend. Nach einer Suppe können sich Gäste für die Haupt- und Nachspeise am Buffet bedienen.
Weitere Infos: www.hausdeckers.de
Darüber freuen sich die Niederrheiner natürlich, aber noch glücklicher sind sie, dass es auch in Walbeck und Umgebung immer mehr Fans der Sorte gibt. Deshalb vergrößert der Spargelhof Dercks auch seine Anbaufläche, das kann Thomas Dercks schon mal verkünden: „Jetzt wächst der Huchel auf einem dreiviertel Hektar, nächstes Jahr kommt dann noch ein Hektar dazu.“ Aktuell aber ist die Nachfrage fast größer als das Angebot, deshalb gibt er gleich noch einen Tipp mit: „Man sollte den Huchel unbedingt vorbestellen!“ Das wissen die meisten natürlich schon – deshalb muss er jetzt auch schnell ans Telefon, das gerade wieder klingelt...


