Nachdem im April zwei enthauptete Kängurus im Tierpark Fauna in Solingen gefunden wurden, gingen die Parkbetreiber zunächst von einem Raubtierangriff aus. Untersuchungen konnten schließlich DNA-Spuren eines Fuchses nachweisen. Inzwischen gehen die Ermittler aber davon aus, dass die Tiere von einem Mann getötet wurden. Auf Videoaufnahmen des Parks ist zu sehen, wie ein Mann sich außerhalb der Öffnungszeiten Zugang zum Park verschafft und in die Richtung des Känguru-Geheges bewegt.

Die Staatsanwaltschaft prüft nun, eine Öffentlichkeitsfahndung mit Hilfe der Überwachungsbilder zu starten. Wer rund um Ostern einen Mann mit Blut an Kleidung oder Händen in Solingen oder Umgebung gesehen oder verdächtige Bemerkungen zur Tat gehört habe, solle sich bei der Polizei in Wuppertal melden.

1000 Euro Belohnung

Um den Fall schneller aufzuklären, hat sich jetzt auch die Tierrechtsorganisation Peta eingeschaltet. Diese setzt eine Belohnung aus: 1000 Euro gibt es für Hinweise, die zur rechtskräftigen Verurteilung des Täter führen. „Wer auch immer die Kängurus so grausam getötet hat, muss schnellstmöglich gefunden werden, bevor noch weitere Tiere oder Menschen verletzt werden“, so Peter Höffken, Fachreferent bei Peta. Wer etwas beobachtet hat, kann sich entweder bei der Polizei oder telefonisch unter 0711/86 05 910 oder per E-Mail unter whistleblower@peta.de bei der Tierrechtsorganisation melden. (mit dpa)

So berichtete die NRZ am 23.07.2025

Es war ein echter Schock für die Mitarbeiter des Tierparks Fauna in Solingen: Mitte April fanden Tierpfleger beim morgendlichen Rundgang eines der drei Kängurus tot im Gehege auf, es war in der Nacht zuvor offenbar brutal angegriffen worden. „Der Kopf war abgetrennt“, erinnert sich die zoologische Leiterin Linda Bunzenthal im Gespräch mit der NRZ. Polizei und Veterinäramt schalteten sich ein und untersuchten das Tier. Nur wenige Tage später – die Ergebnisse lagen noch gar nicht vor – der nächste Vorfall: Einem weiteren Känguru wurde über Nacht ebenfalls der Kopf abgetrennt. Im Gegensatz zum ersten Vorfall habe es diesmal so ausgesehen, als seien Bissspuren am Hals des Tieres, erzählt Bunzenthal. Wurden die Tiere von einem Wolf angegriffen?

Das sei zumindest eine Überlegung gewesen, sagt Bunzenthal, „wobei es bei dem ersten Känguru eher nach einem Schnitt als nach einem Biss aussah.“ In dem Gehege konnten sich die Kängurus in der Nacht frei bewegen, Überwachungskameras gab es nicht. Es blieb dem Team des Tierparks also keine andere Möglichkeit, als auf die Ergebnisse der DNA-Untersuchungen zu warten. Und das Ergebnis war ebenso erstaunlich wie außergewöhnlich: An den Tieren wurden DNA-Spuren eines Fuchses gefunden.

Wolf wird häufig verdächtigt

„Das hat selbst die Experten überrascht, die sich mit dem Fall beschäftigt haben. Von Füchsen werden hier manchmal Enten gerissen. Warum es dieser aber auf die Kängurus abgesehen hatte, kann niemand sagen“, erzählt die Tierexpertin. Das dritte, hinterbliebene Känguru sei zunächst sehr verängstigt und offenbar traumatisiert gewesen, mittlerweile habe es aber wieder zwei neue Artgenossen im Gehege. Nachts werden die drei jetzt nach drinnen gebracht, zur Sicherheit.

Kängurus im Tierpark Fauna
In das Kängurugehege sind inzwischen zwei neue Kängurus eingezogen.© privat | Linda Bunzenthal

Bei den Solinger Kängururissen handelt es sich nicht um die ersten Fälle, bei denen der Wolf fälschlicherweise für den Verursacher gehalten wurde. Auch als im vergangenen Jahr neun Hühner in Iserlohn tot aufgefunden wurden, stand der Wolf zunächst im Verdacht. Der Fall taucht deshalb auch in der Liste der gemeldeten Nutztierfälle im Wolfsportal des Landesamts für Natur, Umwelt und Klima (Lanuk) auf. Doch auch hier stellte sich später der Rotfuchs als Verursacher heraus.

Risse durch Hunde: Hohe Dunkelziffer vermutet

Häufig sind es aber auch Hunde, die Nutztiere reißen und die Aufmerksamkeit der Halter und Jäger erstmal auf den Wolf lenken. Das Lanuk konnte in diesem Jahr bereits zwei Angriffe auf Nutztiere durch Haushunde bestätigen, im vergangenen Jahr waren es acht Fälle. 2023 konnten sogar mehr als 30 Angriffe durch Hunde bestätigt werden, bei denen dutzende Schafe getötet wurden. Aber auch wenige Pferde, Rinder und Gänse wurden von den Vierbeinern angegriffen. Lanuk-Sprecher Wilhelm Deitermann geht darüber hinaus von einer hohen Dunkelziffer aus, „da ein Verdacht auf einen Wolf vorliegen muss, damit der Fall ins NRW-Wolfsmonitoring aufgenommen und über eine DNA-Probe die Unterscheidung zwischen Wolf und Hund ergibt.“

Auch in Rheurdt hat im Sommer 2023 ein Hund zwei Schafe gerissen. Zu dieser Zeit hatte Carl Erxleben noch den Hof „Zur lachenden Ziege“ mit seiner Frau in Neukirchen-Vluyn betrieben. Ihre Schafe hatten sie auf der Wiese eines Freundes in Rheurdt untergebracht. „Eines Morgens bekam ich von diesem Freund einen Anruf, dass zwei unserer Schafe angegriffen wurden“, erzählt Erxleben, der sich nach dem Anruf sofort auf den Weg machte. „Als ich ankam, war ein Schaf bereits tot, es hatte eine große Bisswunde am Hals. Ein weiteres Schaf war schwer verletzt und musste später eingeschläfert werden.“

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Kein Wolf, keine Entschädigung

An der Wunde des Schafs seien die Zahnabdrücke des Angreifers noch gut zu erkennen gewesen. „Die Abstände haben zu denen eines Wolfs gepasst.“ Also wurde das Lanuk informiert und ein Wolfsberater eingeschaltet, der das Tier auf DNA-Spuren untersuchte. Doch am Ende stellte sich heraus: Es war kein Wolf, sondern ein Hund. „Wessen Hund das war, haben wir nie herausgefunden. Bei uns gemeldet hat sich niemand. Eine Entschädigung gab es deshalb auch nie“, sagt Erxleben.

Wessen Hund das war, haben wir nie herausgefunden. Bei uns gemeldet hat sich niemand.

Carsten Erxleben
Carsten Erxleben, hat zwei Schafe nach einem Angriff durch einen Hund verloren.

„Das ist immer sehr ärgerlich. In solchen Fällen würde eigentlich die Haftpflichtversicherung des Hundebesitzers greifen“, erklärt Fides Lenz vom Schafzuchtverband NRW. Doch dafür muss der Halter des Tieres bekannt sein. Vom Land gibt es in solchen Fällen auch kein Geld. Nutztierrisse werden nur dann entschädigt, wenn tatsächlich ein Wolf für den Riss verantwortlich ist, bestätigt Deitermann auf Anfrage. Der Schafzuchtverband empfiehlt allen Hundehaltern deshalb ausdrücklich, ihre Vierbeiner an die Leine zu nehmen, vor allem wenn sie an einer Schafsherde vorbeilaufen.