Eine zu komplizierte Förderung, hohe Zinsen und zu viel ungenutzter Leerstand: Für das Pestel-Institut nur ein paar der Gründe dafür, warum es fast flächendeckend im Westen Deutschlands an Wohnungen fehlt. In der Studie „Sozialer Wohn-Monitor 2026“ hat das Institut die Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt und deren Konsequenzen analysiert und ist dabei zu dem Schluss gekommen: Bundesweit fehlen etwa 1,4 Millionen Wohnungen. Auch in NRW sei die Lage gravierend. Hier gebe es etwa 376.000 Wohnungen zu wenig – mehr als in jedem anderen Bundesland.

„Das trifft vor allem junge Menschen und zunehmend auch die Boomer-Generation“, erklärte Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, bei der gemeinsamen Vorstellung der Studie mit dem Bündnis „Soziales Wohnen“ am Donnerstag. Und das habe letztlich auch Auswirkungen auf die Arbeitswelt.

Ausbildung nur in der Heimat

Deutlich werde das unter anderem an der Wohnsituation der Auszubildenden: „Etwa 73 Prozent der Auszubildenden leben noch bei den Eltern, obwohl zwei Drittel dieser Menschen gerne in einer eigenen Wohnung leben würden.“ Doch entweder fehle das nötige Geld oder die Angebote selbst. Die Konsequenz: „Man arbeitet da, wo es eben geht.“ Und das mache auch vor ausgelernten Fachkräften nicht Halt. Hohe Mieten schrecken ab und würden im Ernstfall dafür sorgen, dass Arbeitsstellen unbesetzt bleiben, mahnte der Institutschef.

Man arbeitet da, wo es eben geht.

Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts.
Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts, über den Einfluss des Wohnungsmarkts auf den Arbeitsmarkt.

Unter den Studierenden sei der Anteil der Menschen, die nicht mehr bei den Eltern wohnen, zwar deutlich höher, jedoch müssten diese – als Folge des Wohnungsmangels – für ihre Wohnung oder ihr WG-Zimmer viel zu tief in die Tasche greifen. So geben laut Institut die Studierendenhaushalte im Schnitt 53 Prozent ihres Einkommens allein für die Wohnkosten aus.

Unerwartete Kosten können viele nicht tragen

Dabei treffen die steigenden Mieten nicht nur die Studierenden hart. „Wohnen ist so teuer geworden, dass sich etwa jeder dritte private Haushalt keine außergewöhnliche Ausgabe aus eigenen Mitteln leisten kann“, so Günther. Gemeint seien damit Kosten ab 1250 Euro. „Das kann zum Beispiel schon die Nachzahlung der Wohnnebenkosten sein.“ Die würden viele Menschen nicht auf Anhieb bezahlen können. Laut Pestel-Institut haben rund vier Millionen Menschen Schulden bei ihren Energieversorgern.

Ein Problem, das auch für Menschen der Boomer-Jahrgänge in den kommenden Jahren immer größer werden könnte. Denn die Altersgruppe über 65 sei die einzige, die in den nächsten Jahren „sicher“ wachsen werde, den Höchststand erwartet das Institut um 2040. Aktuell macht der Anteil der Senioren an allen Haushalten in NRW schon einen Anteil von etwa 32 Prozent aus. „Durch Arbeitsunterbrechungen oder die vielen Beschäftigten im Niedriglohnbereich werden künftig viele Rentnerhaushalte ein Einkommen von unter 2000 Euro haben. Wer dann in einer teuren Mietwohnung lebt, kommt dann schnell an seine Grenzen“, erklärte Günther.

Das führe dazu, dass besonders in den Großstädten Menschen aus ihrer Heimat verdrängt werden könnten. Und wer noch einen alten Mietvertrag mit bezahlbarem Mietpreis hat, der bleibe dann eben in der Wohnung, auch wenn sie vielleicht zu groß ist. „Wir meckern immer darüber, dass die Älteren zu viel Wohnraum einnehmen. Das mag auch zum Teil richtig sein, aber wir müssen ihnen auch Alternativen bieten.“

Rund eine Million Sozialwohnungen

Doch vor allem Sozialwohnungen gebe es zu wenig. Gemessen am Einkommen hätten etwa die Hälfte der 23 Millionen Mieterhaushalte einen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein. Insgesamt gebe es in Deutschland aber nur rund eine Million Sozialwohnungen. Im Ländervergleich steht NRW noch vergleichsweise gut da, jedoch liegt auch hier der Anteil bei lediglich 7,6 Prozent.

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Für den sozialen Wohnungsbau habe der Bund zwar in letzter Zeit deutlich mehr Geld bereitgestellt, die Bundesländer würden die Fördergelder aber immer nur „häppchenweise“ bekommen, kritisiert das Bündnis „Soziales Wohnen“. Die Länder müssten das Geld für den Wohnungsbau also für den Bund vorstrecken, was häufig nicht passiere. „Die Bundesregierung muss daher dringend, wie im Koalitionsvertrag festgelegt, ihre Förderpraxis ändern und auf eine Ad-hoc-Förderung umstellen“, so das Bündnis.

Wohnungsnot in NRW: So viel müsste gebaut werden

Denn um den Wohnungsmangel in den Griff zu bekommen, müssten in Deutschland bis 2030 rund 400.000 Wohnungen pro Jahr gebaut werden. Doch die Baugenehmigungen sind seit 2014 stark eingebrochen. Im ersten Halbjahr 2025 ging es mit 20.498 genehmigten Wohnungen in NRW aber immerhin wieder etwas bergauf. Bundesweit geht das Bündnis davon aus, dass es in den kommenden Jahren rund 200.000 neu gebaute Wohnungen pro Jahr geben werde.

Dass laut Zensusdaten aus 2022 etwa 1,9 Millionen Wohnungen in Deutschland leer stehen, helfe da nur wenig, meint Günther. Die meisten dieser Leerstände ließen sich in zwei Kategorien einteilen: „Entweder es sind Wohnungen, die zu einem Einfamilienhaus gehören und mal von einem Familienmitglied bewohnt wurden. Da waren und sind die Eigentümer also nicht darauf aus, die Wohnung jemals extern zu vermieten. Es gibt aber auch viele leere Wohnungen, die stark renovierungsbedürftig sind. Die Kosten dafür sind aber so hoch, dass das Geld durch die Mieten nur schwer wieder reinkommen würde.“ Vor allem auf dem Land mit vergleichsweise geringen Mieten. Hier brauche es daher bessere Anreize und mehr Unterstützung.