Es ist kurz vor elf Uhr an einem Mittwochvormittag, als das Schild „Stautenhof“ mit einem nach rechts zeigenden Pfeil am Straßenrand auftaucht. Wenige Meter die Straße hoch wird es plötzlich eng und trubelig: Menschen steigen in Autos, fahren weg, andere kommen, Kinder laufen herum, ein paar Seniorinnen verteilen sich langsam auf fünf Autos. Andere klettern erleichtert aus ihren Wagen und steuern auf den Hofladen zu. In der hintersten Ecke zum Feld gibt es noch einen freien Parkplatz. Zum Glück!

Die Tür zum Hofladen sieht unscheinbar aus. So unscheinbar, dass man fast zweimal hinschauen muss, ob das nicht doch ein Seiteneingang ist. Aber, sobald der Besucher im Laden steht, gibt es keinen Zweifel mehr: eine große, gut gefüllte Metzgerstheke, daneben packt eine Verkäuferin gerade ein paar Brötchen und Brot in Papiertüten. Das Gemurmel der Café-Gäste auf der anderen Seite der Theke füllt den Raum. „Einen Kaffee?“, fragt eine der Verkäuferinnen, als sie einer Frau ein Stück Kuchen über die Theke reicht.

Besucher dürfen die Tiere auch anfassen.
Besucher dürfen die Tiere auch anfassen.© Nadine Sapotnik-Zirzow

Im selben Augenblick kommt Christoph Coßmann von der Seite in das Café rein. „Guten Morgen“, sagt er. „Heute ist nicht so viel los.“ Er zuckt mit den Achseln. „Mittwoch ist meistens nicht so viel los“, stellt er sachlich fest. Trotzdem gibt es kaum freie Plätze im Café und auch sonst sind einige Menschen auf dem Stautenhof unterwegs. Christoph Coßmann ist Landwirt und lebt mit seiner Familie im Haus gleich neben dem Hofladen. Daneben wohnen seine Schwiegereltern. Ist es nicht komisch, dass so viele fremde Leute auf dem eigenen Hof unterwegs sind? „Ich kenne das ja nicht anders.“

Beliebt bei den Kunden der Metzgerei: Christophs Lieblingssalami

Er läuft nach oben, wo es noch wenige freie Plätze gibt. Er setzt sich mit einem Cappuccino an einen freien Tisch. Der 27-Jährige ist für die eigene Metzgerei auf dem Hof zuständig. „Wir bieten durch die Bank durch alles an. Ein gescheites Steak und leckere Wurst“, sagt er. „Christophs Lieblingssalami kommt sehr gut an bei den Kunden. Viele nehmen sie mit, weil man die einfach so aufschneiden kann“, sagt er.

Coßmann ist nicht nur Metzger, sondern auch Fleischsommelier. Deshalb gibt es auf dem Hof auch regelmäßig Steak-Tastings. „Die sind sehr beliebt und immer schnell ausgebucht“, verrät er. Im Fokus steht dabei, den Teilnehmerinnen und Teilnehmern auch andere Stücke als das klassische Steak des Rinds schmackhaft zu machen. „Wir lassen vier verschiedene Cuts verkosten. Es gibt auch andere gute Teile vom Rind, die günstiger sind, wie Bavette, aus dem Bauch, oder Tri Tip, das auch Bürgermeisterstück genannt wird.“ „Bürgermeisterstück“ klingt eigentlich eher hochpreisig. „Nein“, sagt Christoph Coßmann. „Der Bürgermeister war früher beim Schlachten dabei und das Stück kann besonders leicht herausgeschnitten werden.“

Regelmäßig gibt es Nachwuchs auf dem Stautenhof.
Regelmäßig gibt es Nachwuchs auf dem Stautenhof.© Nadine Sapotnik-Zirzow

Auf dem Stautenhof leben aber nicht nur Rinder, sondern auch Schweine, Schafe und Hühner. Stück für Stück ist der Hof gewachsen. Das Fleisch, das in der hofeigenen Metzgerei verkauft wird, stammt alles vom Stautenhof selbst und wird auch dort verarbeitet. Das Brot und der Kuchen werden in der hofeigenen Bäckerei gebacken, teils mit hofeigenem Getreide. „Wir haben drei Bäcker auf unserem Hof angestellt, unterstützt von einem Azubi“, sagt Coßmann. „Es wird wirklich alles selbst gebacken bei uns.“ Der Kuchen wird auch im Café angeboten. „Wir haben außerdem eine gastronomische Küche, in der unser Mittagstisch vorbereitet wird“, erzählt Coßmann.

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Er stürzt den letzten Schluck seines Cappuccinos runter. Schließlich will er auch noch die Tiere zeigen, die auf dem Hof leben. Er läuft die Treppe vom Café herunter und geht durch die große Tür raus auf den Hof. Auch dort geht es wuselig zu. Er geht um die Ecke. „Das sind unsere Sauen mit den Ferkeln“, sagt er. In Ställen tummeln sich große, borstige Säue, die umringt sind von kleinen, rosafarbenen Ferkeln, die gelegentlich auf die Säue klettern. „Die Väter der Ferkel sind wegen der Fleischqualität Duroc-Schweine und die Mütter Schweizer Säue. Die sind besonders mütterlich“, erklärt der Landwirt. „Jedes Ferkel hat seine eigene Zitze“, erwähnt der Landwirt nebenbei, als er fast schon wieder weitergehen will und ihm dann noch einfällt: „Wir bieten auch an, dass unsere Gäste den Schweinestall besuchen dürfen. Dafür ist aber eine bestimmte Schutzkleidung nötig. Die Auflagen sind sehr streng.“

Auf dem Stautenhof gibt es auch einen Kindergarten

Er läuft weiter, vorbei an einem Sandspielbereich, in dem gerade ein Kind stolpert. „Wir haben auf unserem Gelände übrigens auch eine Kita“, sagt er. „Bei uns auf dem Hof arbeiten viele Mütter. Fünf Plätze von den insgesamt 21 sind für die Kinder unserer Mitarbeiter reserviert.“ Gleich neben dem Kindergarten leben die Esel und Ziegen des Hofs. Bei der Pflege der Tiere helfen die Kindergartenkinder mit.

Coßmann läuft auf den Kuhstall zu. Offenbar denken die Tiere, dass es jetzt etwas zu fressen gibt. Sie tummeln sich am Gatter und muhen. Dürfen die gestreichelt werden? „Aber klar. Bei denen sind die Auflagen nicht so streng, wie bei den Schweinen. Übrigens, die Leute da vorn waren vorher im Schweinestall“, er zeigt auf zwei Hofbesucher, die einen Einweg-Overall tragen. Sie stehen gerade vor dem Schafstall und bewundern die wolligen Tiere.

Coßmann geht rüber und schaut in eine große Holzkiste, die direkt vor dem Stall steht. Ein kleines Lämmchen turnt darin gerade auf seiner Mutter. Eine Besucherin steht davor und macht Bilder mit ihrem Handy. „So süß“, sagt sie. „Das möchte man gleich einpacken.“ Gleich daneben steht noch eine Holzkiste mit einem Mutter-Schaf und einem Lämmchen, das noch ganz wackelig auf den Beinen ist. „Das Kleine ist ein oder zwei Tage alt“, erklärt Coßmann.

Papa Duroc-Schwein, Mama Schweizer Schwein.
Papa Duroc-Schwein, Mama Schweizer Schwein.© Nadine Sapotnik-Zirzow

Mittlerweile ist es ein wenig leerer auf dem Stautenhof geworden. Christoph Coßmann hat noch Zeit, kurz bei den Hühnern vorbeizuschauen. Er läuft quer über die Wiese. Aufregung vor dem Hühnerwagen! Alle Hühner und die Hähne drängen sich an den Zaun. „Wenn jemand von uns kommt, bekommen sie eigentlich immer Getreidekörner“, erklärt er. Die Hühner picken aufgeregt vom Boden, dabei hat Coßmann kein Futter dabei. Insgesamt 800 Hühner und zwölf Hähne leben auf dem Stautenhof.

Christoph Coßmann muss jetzt aber wieder an die Arbeit. „Es gibt immer was zu tun und es ist auf jeden Fall auch ein wenig stressig“, sagt er. Aber immerhin ist dieser Tag ein ruhiger Tag auf dem Stautenhof – zumindest aus seiner Perspektive.