Satte 2,35 Euro kostet der Liter Diesel am Dienstagmittag an einer Shell-Tankstelle in Kleve, Super E5 liegt bei 2,21 Euro. „Da überlegt man jetzt umso mehr, wann und wo man tanken soll“, sagt Michael Geurts. Der 56-Jährige ist Fahrlehrer und Inhaber der Academy Fahrschule Drive In in Kleve. Die aktuellen Spritpreise treffen sein Unternehmen hart: „Wenn wir unseren Lkw volltanken, kostet das jetzt 200 bis 300 Euro mehr als noch vor ein paar Wochen.“

Dazu kommen Motorräder und zehn Autos mit Verbrenner-Motor, die fast jeden Tag im Einsatz sind. Acht Fahrlehrer beschäftigt der Klever in seiner Fahrschule, „pro Tag fährt jeder im Schnitt 300 Kilometer“, erzählt er im Gespräch mit der NRZ. „Bedeutet: Jedes unserer Autos muss alle paar Tage getankt werden. Und wenn jeder Liter 70 Cent teurer ist als Anfang des Jahres, summiert sich das.“ Auf den Mehrkosten bleibt die Fahrschule erst mal sitzen, denn in den Verträgen mit den Schülern wurden vor Monaten schon feste Preise für die Fahrstunden vereinbart.

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So viel kostet eine Fahrstunde in Kleve

Wird es für neue Kunden jetzt also noch teurer? Anfang des Jahres hat die Fahrschule bereits die Preise angehoben. Jetzt kostet eine normale Fahrstunde 66 Euro. „Noch weiter zu erhöhen, wird schwer. Die Branche steht ohnehin schon stark in der Kritik, weil der Führerschein so teuer geworden ist“, sagt der 56-Jährige. Er wolle deshalb noch weiter abwarten, laut Bundesregierung soll der Sprit schließlich bald wieder günstiger werden. Genauer gesagt um 17 Cent je Liter – begünstigt durch eine Steuersenkung, wie Kanzler Friedrich Merz am Montag bekanntgab.

Michael Geurts
Autos mit Elektroantrieb sind in der Klever Fahrschule noch in der Unterzahl.© Academy Fahrschule Drive In | Privat

Ob diese Entlastung aber im vollen Umfang beim Endverbraucher ankommen wird, bezweifelt Geurts, der mit dem Paket der Regierung nicht zufrieden ist. „Ich bin enttäuscht von der Politik. Für Kleinunternehmer greift die Unterstützung nicht weit genug. Denn selbst wenn der Sprit bald für zwei Monate 17 Cent günstiger sein sollte, ist er danach immer noch deutlich teurer als vor dem Anstieg.“

Wegen teurem Sprit: Bis zu 1000 Euro Prämie für Arbeitnehmer

Neben der Steuersenkung will die Koalition Arbeitgebern außerdem ermöglichen, in diesem Jahr ihren Mitarbeitern eine Prämie von bis zu 1000 Euro auszuzahlen, auf die weder Steuern noch Sozialabgaben erhoben werden. „Für Arbeitnehmer ist das schön und gut, aber das Geld müssen die Betriebe erst mal haben. Zu Corona-Zeiten haben wir eine solche Prämie noch gezahlt, jetzt werden wir uns das wohlmöglich nicht mehr leisten können.“

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Diesel zu teuer: Alte Verträge sorgen für Minusgeschäft

Ähnlich sieht das Irina Riesenweber. Sie ist Geschäftsführerin der Moerser Speditionsfirma KR Spedition. „Wir würden diese Prämie gerne zahlen, aber aktuell fehlt dafür einfach das Geld“, sagt sie. Für Speditionen seien es gerade harte Zeiten. Durch Verträge, die vor vielen Monaten geschlossen wurden und sich deshalb noch an den alten Dieselpreisen orientieren, mache das Unternehmen aktuell sogar mit manchen Aufträgen Minus. In der Regel können Spediteure aber mit dem Dieselzuschlag eine variable Gebühr erheben, um die Preisschwankung auszugleichen.

1000 Euro Entlastung für Arbeitnehmer

Die Koalition will Arbeitgebern ermöglichen, ihren Mitarbeitern eine Entlastungsprämie von bis zu 1000 Euro zu zahlen. Darauf sollen dann weder Steuern noch Sozialabgaben erhoben werden. Die Prämie ist freiwillig, einen Anspruch haben Beschäftigte also nicht. Ohnehin könnten sich viele Unternehmen das aktuell nicht leisten, kritisieren Verbände.

Ähnliche Möglichkeiten gab es bereits während der Energiekrise 2022 bis 2024 mit der Inflationsausgleichsprämie. Hier hat sich allerdings schon gezeigt: In Niedriglohnbranchen kamen diese Prämien deutlich seltener an.

Von der Steuersenkung erhofft sich Riesenweber eine leichte Besserung. „Bei 30 Litern Diesel auf 100 Kilometer machen 17 Cent schon was aus. Insgesamt ist es eigentlich immer noch zu wenig, aber es ist immerhin ein Anfang.“ Dafür müsse die Steuersenkung aber erst zu 100 Prozent beim Verbraucher ankommen. „Und das glaube ich erst, wenn es so weit ist.“

Niag-Busse brauchen 40.000 Liter Diesel pro Woche

Auch für die ÖPNV-Betriebe sind die hohen Spritpreise eine Belastung. Eine Preissenkung um 17 Cent könne das nur zum Teil auffangen, gibt Niag-Sprecher Michael Block auf Anfrage preis. Denn teuer bleibe der Sprit wahrscheinlich weiterhin. Großes Sparpotenzial an anderen Ecken sieht das Unternehmen nicht, an den Ticketpreisen solle sich jedenfalls nichts ändern.

Um effizienter zu werden, setzt man dafür immer mehr auf Elektrobusse. Aktuell verbrauche die Niag mit ihrer Flotte noch 40.000 Liter Diesel pro Woche, diese Zahl soll aber in den kommenden Jahren „deutlich zurückgehen“.

„Den Diesel lasse ich so oft es geht stehen“

Petra und Dirk Buchmann vom Schulte-Drevenacks-Hof sind indes erleichtert, dass sie sich vor Kurzem schon einen neuen Minibus mit Elektroantrieb gekauft haben. „Den Diesel lasse ich, so oft es geht, stehen“, erklärt die Hünxerin, die sich vor allem um den Hofladen des Betriebs kümmert. „Zum Einkaufen nehme ich meistens das Fahrrad und den Spargel liefere ich aktuell noch mit dem E-Bus aus.“

Hofladen auf dem Schulte-Drevenacks-Hof
Dirk und Petra Buchmann vermeiden so viele Diesel-Fahrten wie möglich.© FUNKE Foto Services | Thorsten Lindekamp

Doch die Spargelsaison kommt allmählich richtig in Fahrt, immer mehr Lokale geben Bestellungen bei ihnen auf. „Da werden wir mit dem E-Bus alleine nicht mehr auskommen. Und dann wird die Auslieferung wieder deutlich teurer.“ Die Lieferkosten würden in der Regel aber die Gaststätten bezahlen.

„Umgekehrt ist es ja auch so: Wenn ich Lieferungen für meinen Laden bekomme, zahle ich die Lieferung extra.“ Auch das sei in den vergangenen Wochen immer teurer geworden. Hinzu komme der Diesel für die Trecker des Betriebs. Was sie sich von der angekündigten Entlastung verspricht, will Buchmann noch nicht sagen, „erst mal muss die bei uns ankommen.“