Zwischenstopp zu Hause. Gerade noch waren Britta und Sascha Termeer unterwegs und übermorgen geht es für die beiden auch schon wieder weiter. „Aber nur an die Ostsee“, sagt Britta gleich. Auch wenn für die beiden nun keine Fernreise ansteht, ist das Paar dort beruflich unterwegs, wo andere ihre Ferien verbringen. Die beiden sind bekannt durch ihren Reiseblog „Du, ich und die Welt“ und von ihrem gleichnamigen Instagram-Kanal, auf dem ihnen mittlerweile 88.500 Menschen folgen. Auch, wenn sie eigentlich wieder packen müssten, haben sie trotzdem Zeit für einen Kaffee in ihrer Wohnung in der Kempener Altstadt.
Fünf Tipps am Niederrhein von Britta und Sascha
1. Die Sequoiafarm in Kaldenkirchen mit den opulenten Mammutbäumen. 2. Der Oermter Berg in Rheurdt mit dem weißen Hirsch 3. Spaziergang durch den Terrassengarten des Klosters Kamp. Vor allem jetzt, wenn alles zu blühen beginnt. 4. Ausflug nach Wachtendonk, das Städtchen sei total unterschätzt, meinen die beiden. 5. Entdeckungstour durch die Gässchen in Zons in Dormagen.
Und wie alles anfing, erzählt das Paar gerne. „Wir sind 2021 auf Weltreise gegangen. Wir wollten uns ein bisschen treiben lassen“, erzählt Britta. Und davor mussten beide eine große Entscheidung treffen. „Wir haben lange darüber nachgedacht, ob wir unsere sicheren Jobs kündigen sollen“, sagt Sascha. Der 45-Jährige arbeitete zu dem Zeitpunkt im Vertrieb, Britta bei einer Krankenkasse. „Ich habe zwölf Jahre in dem Job gearbeitet und war eigentlich nie glücklich“, erzählt sie. „Letztlich hat mich Sascha dazu ermutigt, zu kündigen. Wir haben uns gefragt: Wenn nicht jetzt, wann dann?“
Jobs gekündigt, Tickets gebucht und dann Covid
Die Jobs waren gekündigt und die Tickets gebucht. „Und dann kam die Pandemie“, sagt Britta. Das Reisen für das Paar wurde zu einer Herausforderung. In viele Länder durfte man nicht einreisen, in andere nur unter bestimmten Bedingungen. „Ich hatte damals eine Excel-Tabelle mit allen Einreisebedingungen von zahlreichen Ländern, die musste ich ständig aktualisieren“, erzählt Britta und lacht. „Wenn ich die heute öffne... das ist einfach unglaublich! Aber es hatte auch etwas Gutes: Wir sind dadurch viel spontaner geworden. Früher haben wir immer im Vorfeld alles geplant und Unterkünfte gebucht.“
Und wo ging es von Deutschland aus als Erstes hin? „Nach Costa Rica. Von dort aus durfte man in die USA einreisen, was man von Europa aus nicht durfte“, erzählt Sascha. „Dann waren wir noch am Balkan unterwegs und zum Schluss in Asien und Australien. Insgesamt haben wir innerhalb von zwei Jahren 16 Länder gesehen“, ergänzt Britta. „Aber wir waren auch immer wieder zu Hause, weil wir wegen der Pandemie nicht reisen konnten.“ Und gab es einen Höhepunkt? „Die Reise war insgesamt ein Highlight“, sagt Sascha.

Während dieser Zeit, begannen Sascha und Britta auf ihrem Blog „Du, ich und die Welt“, über ihre Erlebnisse zu schreiben. „Das hat sich super schnell verselbstständigt“, sagt Britta. „Wir haben uns damals schon gedacht, dass es cool wäre, mit Reisen sein Geld zu verdienen.“ Mittlerweile kann das Paar davon leben und betreibt hauptberuflich seinen Blog sowie den Instagram- und TikTok-Kanal. „Uns ist das aber auch alles nicht zugeflogen“, stellt Britta gleich klar, als sie einen Schluck aus ihrem Wasserglas nimmt. Aber sie möchte andere auch dazu ermutigen, ihren eigenen Weg und das, was sie glücklich macht, zu finden. „Man muss eine Vision haben, wo man hinmöchte. Man sollte sich aufschreiben, was einem Freude macht und was man tun muss, um dahin zu kommen.“
Wie läuft denn eigentlich die Arbeit, wenn man gleichzeitig auch ein Paar ist? „Wir machen alles zu zweit, keiner hat die Hose an“, sagt Britta. Aber aufgeteilt wird trotzdem. „Sascha macht viel Steuern, ich übernehme eher den kreativen Teil“, erzählt die 47-Jährige. Aber für den Blog schießt der 45-Jährige die Fotos mit der Spiegelreflex und Britta dreht dafür die Videos. „Mittlerweile wissen wir auch, was visuell gut wirkt und was dafür wichtig ist“, sagt Britta. Aber vieles mussten die beiden durch Ausprobieren lernen.
Viele Tipps zum Niederrhein und zu NRW
Und dass das Glück manchmal ganz nah liegt, das wissen die beiden auch. „Wir geben auch gerne Tipps zum Niederrhein, man muss nicht immer weit reisen“, sagt Sascha. „Wir haben eine große Community. Viele kommen aus NRW und haben uns widergespiegelt, dass sie sich auch Tipps für Ausflüge vor der Haustür wünschen“, sagt Britta. „Vor allem, die Jüngeren, die uns auf TikTok folgen, interessieren sich besonders für Touren, die umsonst sind.“
Und wie schön ihre Wahlheimat am Niederrhein, Kempen, ist, wollen die beiden auch noch bei einem kurzen Spaziergang durch Kempen zeigen. Also Schuhe an und rauf auf die Straße. „Für uns war Kempen übrigens schon lange die Nummer eins, um hier zu wohnen“, sagt Britta, die wie ihr Mann Sascha, ursprünglich aus Duisburg stammt. „Aber es hat gedauert, bis wir hier eine Wohnung gefunden haben“, verrät sie. In Oermten und auch in Wachtendonk haben die beiden schon gewohnt. „An Wachtendonk hängt auch unser Herz“, sagt Britta, fast ein bisschen schwärmend.

„Sollen wir hier vorne links?“, fragt Sascha, der durch eine enge Gasse in der Kempener Altstadt vorläuft. „Wir wollen zur Burg“, sagt Britta. Denn die gehört zu den besonders hübschen Orten in Kempen. „Aber hier, der Kirschbaum, der gerade blüht, ist natürlich auch eine schöne Fotokulisse“, sagt sie kurz vor dem Burgwall. Und da ist sie auch schon, die Kurkölnische Landesburg Kempen. „So würden wir, wenn wir unterwegs wären, ein Selfie machen“, sagt Britta, und die beiden stellen sich eng zusammen für ein Bild. Wenn sie unterwegs sind, um ihrer Community einen Ort vorzustellen, sind die beiden meist mit voller Ausrüstung on Tour: Handy, Spiegelreflexkamera und Drohne. „Meistens recherchieren wir vorher online und dann geht es vor Ort los“, sagt Britta.
Ihren Job wollen Britta und Sascha nicht mehr tauschen. „Das Unterwegssein macht uns sehr viel Spaß. Auch das regionale Thema liegt uns sehr am Herzen“, sagt Britta. „Es gibt sehr viele schöne und kostenlose Ziele bei uns in der Region und wirklich tolle Museen“, fügt Sascha hinzu. So schön der Niederrhein auch ist, ruft nicht mal wieder die große weite Welt? „Wir würden sehr gerne Ende des Jahres nach Asien“, sagt Sascha. Ob das klappt, steht aber noch nicht fest. „Für private Reisen muss man sich die Zeit nehmen“, ergänzt Britta gleich. Aber auch: „Man muss keine Fernreise machen, um etwas zu erleben“, sagt Britta. Und deshalb genießen sie an dem Mittag noch ein wenig die Kempener Altstadt, bevor es wieder losgeht.


