Als zwei Jungen, schätzungsweise zwischen zwölf und 15, durch die Tür kommen und mit großen Augen in Richtung Theke blicken, winkt Erkut Aydin gleich ab. „Keine da! Sorry, Jungs“, sagt der 29-Jährige, der einen Kiosk am Bahnhof in Voerde-Friedrichsfeld betreibt. Die beiden Schüler kommen in diesen Tagen öfter rein, das Sammelfieber hat sie gepackt. Sie wollen Klebebildchen für das Panini-Sammelalbum zur Fußball-WM kaufen.
Doch Aydin muss sie immer wieder enttäuschen. Die Sticker sind ausverkauft. Nicht nur in seinem Kiosk in Friedrichsfeld.
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„Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet“, sagt Aydin. Bestellt habe er zunächst 1000 Packungen, in denen je sieben Sticker sind. Viel zu wenige, wie er jetzt weiß. Dass um das WM-Sammelalbum ein derartiger Hype entstanden ist, kommt für den Kioskbetreiber völlig unerwartet. Aktuell, so sagt er, kommen täglich zwischen 15 und 20 Kundinnen und Kunden, die nach Stickern fragen. Vergeblich.
„Ich versuche, Nachschub zu bekommen, aber momentan ist das sehr schwierig“, sagt er. „Die Produzenten kommen nicht hinterher.“
„Alles schon weg“: Panini-Sticker so beliebt wie lange nicht mehr
So wie dem Voerder geht es vielen Händlern an Rhein und Ruhr. Egal in welchen Läden die NRZ nach Stickern fragt, die Antwort lautet meistens: „Nein, alle schon weg.“ An Tankstellen und Buden in Essen etwa sucht man vergeblich nach den Aufklebern. „Gestern habe ich neue bekommen, heute sind alle schon wieder weg“, sagt eine Kioskmitarbeiterin.
In einem anderen Laden erklärt der Mann hinter der Verkaufstheke direkt: „Sie brauchen es gar nicht woanders zu probieren, ich habe schon alles abtelefoniert. Im Moment hat keiner mehr welche.“
Ein Kioskbetreiber in Moers erzählt, er sei sogar extra nach Hessen gefahren, um ein paar Pakete zu ergattern. „Viele habe ich nicht bekommen, aber immerhin ein paar.“ Jeden Tag fragten den Mann hunderte Leute. „Ich konnte es nicht mehr ertragen, jeden Tag Kinder enttäuschen zu müssen.“

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„Sind bei Weitem nicht nur Kinder, die die Sticker kaufen“
Schaut man online nach den gefragten Stickerpackungen, findet man sie etwa bei „Kleinanzeigen.de“ für mehr Geld, als sie gewöhnlich im Handel kosten. So bietet ein Verkäufer drei Packungen mit je sieben Stickern für sieben Euro an. Eine einzelne kostet, wenn man sie im Handel kauft, 1,50 Euro.
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Das aktuelle Sammelalbum zur WM 2026 in den USA, Kanada und Mexiko ist das größte aller Zeiten. 48 Teams spielen mit, 980 Sticker braucht man, um das Heft zu füllen. Theoretisch – wenn man keinen einzigen Doppelten erwischt, was sehr unwahrscheinlich ist –, müsste man mit Heft etwas über 200 Euro ausgeben. Erfahrene Sammler schätzen die Summe, die man zahlt, um das Heft komplett zu machen, auf etwas zwischen 1500 und 2500 Euro.
Woher kommt also plötzlich der große Hype ums Sammelalbum? „Vielleicht Nostalgie“, mutmaßt Malwina Glod, die in einem Tabak- und Lottogeschäft in Kleve arbeitet. „Hier kommen viele Menschen rein, die über 30 sind und nach Packungen fragen.“ Der Voerder Erkut Aydin glaubt, dass es am WM-Fieber liegen könnte. „Die Menschen sind jetzt einfach mehr in Stimmung als zur WM in Katar 2022 im Winter.“
Die Menschen sind jetzt einfach mehr in Stimmung als zur WM in Katar 2022 im Winter.
Erkut Aydin, Kioskbetreiber aus Voerde-Friedrichsfeld
Panini gibt 2030 das letzte Heft raus
Ein weiterer Grund könnte das baldige Aus der Panini-Hefte sein. Seit 1970 produziert der italienische Hersteller die Sammelalben samt Spieler-Stickern für Fußball-Weltmeisterschaften. Ab 2030, also nach der nächsten WM, soll jedoch der US-Konkurrent Fanatics mit seiner Marke Topps übernehmen. Seit 2024 gibt Topps bereits die Hefte für Europameisterschaften heraus.
Auch der Panini-Verlag, der das WM-Sammelalbum herausgibt, weiß vom Ansturm. Die Resonanz auf die Kollektion sei „außerordentlich positiv“, die Nachfrage bewege sich auf „einem sehr hohen Niveau“, so eine Sprecherin auf Anfrage unserer Redaktion. „Das große Interesse zeigt, dass die Begeisterung für das Sammeln rund um die Fußball-Weltmeisterschaft ungebrochen ist.“

Hoffnung für Panini-Fans: Auslieferung läuft weiter
Dass die Sticker vielerorts ausverkauft sind, erklärt die Sprecherin mit dem Umstand, dass die Produktion der Bildchen erst nach Abschluss der WM-Qualifikation habe finalisiert werden können. „Dadurch war der Zeitraum zwischen feststehendem Teilnehmerfeld und Verkaufsstart naturgemäß begrenzt.“
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Für traurige Sammler gibt es gute Nachrichten – bald dürfte die Knappheit ein Ende haben. Die Panini-Sprecherin zur NRZ: „Die Auslieferung an Handelspartner und Kunden läuft kontinuierlich weiter.“ Nachlieferungen seien bei erfolgreichen Sammelkollektionen „normaler Bestandteil des Geschäfts“ und erfolgten fortlaufend. Man arbeite kontinuierlich daran, zusätzliche Ware auf den Markt zu bringen „und die hohe Nachfrage bestmöglich zu bedienen“.
Wann es in seinem Kiosk in Voerde-Friedrichsfeld neue Sticker geben wird, weiß Aydin nicht. Doch er kann den beiden Jungen zumindest ein wenig Hoffnung machen. „Kommt in den nächsten Tagen nochmal vorbei.“







