Mit Superlativen sollte man ja, gerade im Sport, durchaus behutsam umgehen. Der 28:26 (10:14)-Krimi-Sieg des OSC Rheinhausen in der Handball-Regionalliga beim Tabellendritten HC Weiden am frühen Samstagabend forderte allerdings nahezu eine Lobeshymne auf hoher Stufe heraus. Nach einer zweiten Halbzeit, die man aus Sicht der Molsner-Mannen durchaus als den größten Kampf der Saison betiteln darf, glückte trotz zwischenzeitlichem Sechs-Tore-Rückstand noch der Triumph. Dem OSC fehlt damit aus den verbleibenden beiden Partien nur noch ein Punkt, um in der Regionalliga zu verbleiben. Vorausgesetzt, der direkte Konkurrent TuSEM Essen II landet auch zwei Siege.
OSC-Cheftrainer Thomas Molsner lobt seine Mannschaft in höchsten Tönen
„Vor der tollen Moral meiner Mannschaft muss ich alle Hüte ziehen, die ich habe. Ich bin megastolz“, erklärte Thomas Molsner. Der Cheftrainer war nach dramatischen 60 Minuten ebenso aufgelöst und glücklich, wie seine Spieler, die mit den wenigen mitgereisten Fans in der altbackenen Sporthalle in Würselen feierten. Der Endspurtsieg, bei dem der OSC bis zwei Minuten vor dem Ende permanent in Rückstand lag, wurde unter schweren Bedingungen erkämpft. Linkshänder Elias Eiker sollte leicht verletzt und mit Meisterprüfungsstress im Kopf eigentlich gar nicht spielen. Im erkrankten Justin Kauwetter fehlte der zweite Linkshänder. Max Molsner konnte aufgrund schulischer Verpflichtungen nicht trainieren, Felix Molsner agierte gehandicapt.

In Linksaußen Noah Adrian, Rückraumwerfer Daniel Zwarg und Rechtsaußen Felix Käsler mussten drei Rheinhauser sogar nahezu durchspielen. Aus dem Verbandsliga-Team halfen Connor Wetteborn und Tim Klein aus. Nach einem schwachen Start und 2:6-Rückstand hatte der OSC alle Mühe, ins Match zu finden. Bei 7:13 in der 24. Minute drohte bereits ziemliches Ungemach. Doch die Gäste ließen sich von offensichtlichen Fehlern und manch diskutabler Schiedsrichter-Entscheidung nicht frusten.
Rangelei auf dem Spielfeld nach vermeintlichem Kopftreffer
Nach einem vermeintlichen Kopftreffer von Max Molsner gegen den Weidener Torhüter - der Ball flog allerdings an die Schulter und nicht an den Kopf - kam es auf dem Feld nach einem offensichtlichen Revancheschubser gegen Molsner zu einer kleinen Rangelei. Gut möglich, dass auch diese Aktion den Kampfgeist der Gäste anstachelte. „In der zweiten Halbzeit hat die Mannschaft gewonnen, die den Sieg mehr wollte“, betonte denn auch Coach Molsner.

Nach 10:16-Rückstand holte der OSC dann Tor um Tor auf, zog bei 19:19 (44.) erstmals gleich. Am Ende, das muss man auch zugeben, griffen die Referees zu Gunsten der Gäste dann massiv ins Match ein. Bei 26:25-Führung kassierte Weiden zwei diskutable Zeitstrafen und einen von Noah Adrian nervenstark verwandelten Siebenmeter: die Wende in der Schlussminute. Felix Molsner und, mit der Sirene, Matthias Meurer sorgten für die erste und einzige OSC-Führung.
OSC Rheinhausen: Beide Torhüter und die Defensive überzeugen
„Die Mannschaft hat alles reingeworfen, was ging - großes Kompliment“, lobte OSC-Abteilungsleiter Klaus Stephan. In Julian Borchert und Julian Seemann, die sich das Match teilten, waren beide Torhüter stark drauf. Die Abwehr stand über weite Strecken gut. Offensiv gab es natürlich einige nicht versenkte Hundertprozenter. Doch die Fahrkartenstatistik ging im finalen Jubel natugemäß unter.

In der Regionalliga stehen für den OSC nun noch zwei Partien auf dem Programm, in denen ein Punkt zur endgültigen Rettung ausreicht. Am Sonntag, 4. Mai, geht es um 18 Uhr bei Bayer Dormagen II um Punkte. Saisonabschluss und letzte Partie für Cheftrainer Thomas Molsner und einige aktuelle Spieler im OSC-Dress wird am 10. Mai um 19.30 Uhr in der Sporthalle Krefelder Straße das Heimspiel gegen den HC Weiden sein.
OSC Rheinhausen: Borchert (31. Min. Seemann) - Zwarg (7/1), Adrian (7/4), F. Molsner (5), M. Molsner (4), Käsler (3), Meurer (2), Eiker, Wetteborn, Küpper Ventura, Klein.


