Die SGS Essen muss sich in der Frauenfußball-Bundesliga auf den Abstiegskampf einstellen. Durch eine verdiente 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Köln rutscht die Elf von Teamchef Robert Augustin am vierten Spieltag auf den letzten Tabellenplatz ab. Noch mehr Sorgen bereitet aber die aktuelle Verfassung der Mannschaft. Denn sie wirkt in allen Mannschaftsteilen verunsichert und überfordert. Gegen den FC kassierte die SGS die entscheidenden Gegentreffer bereits in der Anfangsphase. Immerhin gelang Shari van Belle der erste Essener Treffer der Saison.

„Ein Weiter-So kann es nicht geben“, wurde SGS-Teamchef Robert Augustin nach Abpfiff deutlich. „Wir sind nicht da, wo wir sein müssen. Überhaupt nicht. Es muss sich jetzt jeder im Team hinterfragen. Es wird Konsequenzen geben.“ Dabei erwischte die SGS durchaus einen guten Start. Als Köln sich noch sortierte, sah Ramona Maier den Raum vor Laureta Elmazi. Doch die wagte nicht den Abschluss mit dem schwächeren linken Fuß. Beim Versuch, den Ball auf rechts zu legen, war eine Kölnerin dazwischen (2.). Es war eine symptomatische Szene für diese Saison.  

Die SGS Essen hier im Vorwärtsgang, insgesamt reichte es aber nicht. Hier Kölns Marina Hegering (l.) gegen Essens Laureta Emazi.
Die SGS Essen hier im Vorwärtsgang, insgesamt reichte es aber nicht. Hier Kölns Marina Hegering (l.) gegen Essens Laureta Emazi.© FUNKE Foto Services | Dirk A. Friedrich

SGS Essen: Defensive Stabilität fehlt

Und doch war zumindest erkennbar, dass die Essenerinnen bemüht waren, nach vorne zu spielen, was defensiv nicht ohne Risiko war. Vanessa Fürst gewann aber zunächst zwei wichtige Zweikämpfe. Rückblickend kündigte sich da aber bereits der folgende Nackenschlag an: Nach einem langen Ball von Agrez in die Schnittstelle der Essener Innenverteidigung lief Jessen auf das SGS-Gehäuse zu. Torfrau Kim Sindermann und Kapitänin Jacqueline Meißner kollidierten unglücklich, sodass der Weg für die Kölner zum 0:1 frei war (11.). Wieder ein frühes Gegentor für die SGS.

Und es kam noch schlimmer: Drei Minuten später schnürte Jessen ihren Doppelpack. Erneut hatten die Domstädterinnen die Gastgeberinnen mit einem langen Ball überrumpelt. Diesmal schlug ihn FC-Torfrau Schmitz. Meißner verlängerte die Kugel unglücklich mit dem Kopf. Fürst versuchte noch zu retten, doch so wurde aus dem Abschluss von Jessen eine abgefälschte Bogenlampe, die sich hinter Torfrau Sindermann ins Netz senkte. Es fehlt der SGS aktuell deutlich an defensiver Stabilität. Und das hatte sich offenbar bis zum FC herumgesprochen. Die Angriffe der Gäste folgten einem klaren Plan.

SGS Essen: Erstes Tor der Saison, aber sonst zu harmlos

Es dauert beinahe eine halbe Stunde, ehe die Essenerinnen die erste Schockstarre ablegen konnten. Der Kopfball von Julia Debitzki war zumindest eine erste Torannäherung (28.). Auch beim nächsten Angriff war sie beteiligt: Mit der Fußspitze leitete Debitzki den Ball zu Shari van Belle weiter, die in einer flüssigen Bewegung sofort abschloss und perfekt ins lange Eck schlenzte (32.). Es war das erste Tor der SGS in dieser Spielzeit – und es brachte sie zurück ins Spiel. Teamchef Augustin reagierte zur Pause und versuchte das lahme Flügelspiel mit Kassandra Potsi und Leonie Köpp zu beleben.

Eine gute Maßnahme, denn Potsi machte in zwei Minuten mehr Dampf als Laureta Elmazi in den 45 zuvor. Zwei Kölnerinnen ließ die 17-Jährige aussteigen und zog ins Zentrum. Doch bei ihrem Abschluss war ein Abwehrbein dazwischen, sodass er sichere Beute für FC-Torfrau Schmitz war (47.). Es blieb allerdings eine Nebelkerze. Die SGS hatte zwar mehr Spielanteile, blieb aber im weiteren Verlauf harmlos. Dem FC reichte, die Essenerinnen beim Spielaufbau zu attackieren. Schönebeck fehlten die spielerischen Mittel, sich zu befreien. Die Passquote lag erneut unter 70 Prozent.

Im letzten Drittel zeigten die Gastgeberinnen keinerlei Durchschlagskraft. Allein das Ergebnis sorgte für Spannung. Vor allem aber, weil es der FC verpasste, den Sack endgültig zuzumachen. Chancen waren da: Andrade scheiterte zunächst aus halbrechter Position an Sindermann (72.) und verlor auch später das Duell im Eins-gegen-Eins (82.). Auch Jessen hätte für die Entscheidung sorgen müssen, aber eine Rettungstat von Lena Ostermeier hielt die SGS im Spiel (78.). Kurz vor Schluss war es Jessen selbst, als sie einen Kopfball von der Fünfmeterraumkante neben das Tor setzte. Nur konnte die SGS die Gäste dafür nicht bestrafen, weil sie offensiv schlicht nicht mehr stattfand.