Am Ende hielt es niemanden mehr auf der Bank. Das Trainerteam und alle Spielerinnen der SGS Essen stürmten den regengetränkten Platz. Gezittert wurde bis in die Schlussminuten, doch dann war der 2:0-Erfolg gegen den 1. FC Nürnberg am Sonntagabend amtlich. Es durfte gefeiert werden: Die SGS fuhr im Abstiegskampf den zweiten Sieg in Folge ein und springt damit vorerst auf Platz zwölf. Der HSV kann aber am Montagabend gegen Köln (18 Uhr) noch nachziehen.

Die SGS hat sich längst nicht aufgegeben, das war von Beginn an spürbar an der heimischen Hafenstraße. Gegen den Aufsteiger zeigten sich die Essenerinnen als die aktivere Mannschaft und verdienten sich die Führung kurz vor dem Halbzeitpfiff. Ein genialer Moment von Vanessa Fürst sorgte für das 1:0 - ein als Flanke getarnter Torschuss überraschte Nürnbergs Torfrau Rusek und senkt sich ins lange Eck.

SGS Essen gegen 1. FC Nürnberg: Pokalgegner steht fest

Es war ein Grund zum Feiern auf dem Platz. Und auch die Offiziellen der SGS ballten in der Pause erneut die Fäuste: Im Pokal-Viertelfinale wurde Werder Bremen als Gegner zugelost. Eine durchaus machbarere Aufgabe als Wolfsburg oder München... Doch zurück zum Spiel: In den Schlussminuten schwamm die SGS bedenklich. Auf dem nassen Rasen waren kaum noch vernünftige Aktionen möglich, doch auch spielerisch schienen die Essenerinnen am Ende. Der Ausgleich lag in der Luft. Völlig unverhofft dann aber das 2:0 in der 90. Minute: Leonie Köpp stürmte aus der eigenen Hälfte auf das Nürnberger Tor zu und schob eiskalt ein. Deckel drauf, die SGS feierte!

SGS Essen gegen 1. FC Nürnberg: der Live-Ticker zum Nachlesen

SGS Essen gegen 1. FC Nürnberg: die Ausgangslage vor dem Spiel

Es waren aufregende Wochen für die Frauen-Bundesliga, aber auch speziell für die SGS Essen. Groß war der Knall, als die 14 Bundesligisten jüngst die Verhandlungen mit dem Deutschen Fußball-Bund die Gründung eines gemeinsamen Frauen-Ligaverbands platzen ließen und zunächst ohne den DFB fortfahren wollen. „Dass nun bereits verhandelte Eckpunkte zwischen dem DFB und den Klubs durch den Verband in Frage gestellt werden, überrascht und enttäuscht uns“, sagte SGS-Geschäftsführer Florian Zeutschler.

Abseits der Planungen um die Zukunft des deutschen Frauenfußballs sieht die sportliche Gegenwart für die SGS aber wieder etwas rosiger aus: Nach dem Sieg über Bayer Leverkusen besteht im Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg am Sonntag an der heimischen Hafenstraße (18.30 Uhr) die nicht unrealistische Chance, die Abstiegsränge zu verlassen. Wer hätte das nach dem Horror-Auftakt der Bundesliga-Saison gedacht?

Die Essenerinnen stehen nach wie vor auf einem Abstiegsplatz und sind hoch motiviert, den Aufschwung aus den vergangenen Wochen weiter fortzusetzen. „Ich sehe überhaupt keine Gefahr, dass sich hier eine zu große Zufriedenheit einstellt“, betont auch Interimstrainerin Jessica Wissmann. „Dafür gibt es gar keinen Grund nach nur einem Sieg. Wir müssen und wollen aus eigener Kraft weiter hart arbeiten und mehr Punkte holen als die anderen Mannschaften.“

Nun gegen Aufsteiger Nürnberg gefordert: Paula Flach und die Fußballerinnen der SGS Essen.
Nun gegen Aufsteiger Nürnberg gefordert: Paula Flach und die Fußballerinnen der SGS Essen.© FUNKE Foto Services | Michael Gohl

Dennoch lässt sich nicht leugnen, dass sich die Gemütslage durch die jüngsten Erfolge in Liga und auch Pokal aufgehellt hat. „Natürlich ist die Stimmung nach Siegen besser als nach Niederlagen“, meint die 34-Jährige. „Das gibt Vertrauen in die eigene Stärke und den Glauben, dass die Inhalte, die man auf den Platz bringt, funktionieren. Von daher ist die Stimmung gut, aber auch nach wie vor extrem fokussiert. Jedem ist bewusst, dass das noch lange nicht reicht.“

SGS Essen gegen 1. FC Nürnberg: ein harter Brocken

Doch die Gäste aus Nürnberg sind ein harter Brocken, die eine starke Saison spielen und bereits Siege gegen Jena, Hamburg und Freiburg feiern konnten. „Nürnberg hat große Stärken bei Standards und im Umschaltspiel“, warnt die SGS-Trainerin vor den mit zwölf Punkten gut dastehenden Aufsteigerinnen. „Wenn sie den Ball erobern, dann geht es meistens mit wenigen Kontakten steil und direkt nach vorne, davor müssen wir besonders gewappnet sein, denn auf diese Weise haben sie einige Tore erzielt und auch schon zwölf Punkte gesammelt.“

Optimistisch ist Wissmann dabei aber allemal. Besonders, wenn ihre Mannschaft die Basics im Spiel so abrufen kann wie in den letzten Partien. „Wenn wir diszipliniert arbeiten, im Spiel mit dem Ball die richtigen Räume besetzen, eine hohe Laufbereitschaft haben und uns zu keinem Zeitpunkt ausruhen, dann ist in dieser Partie auf jeden Fall etwas drin! Wir sind gut vorbereitet und werden alles geben, um ähnlich aufzutreten wie in den letzten Wochen.“