Mit der SGS Essen im Halbfinale hatte vor dem Start des DFB-Pokalwettbewerbs kaum jemand gerechnet, nicht einmal die Essenerinnen selbst. Ohne große Kampfansagen oder Werbung auf der eigenen Vereinshomepage ging es am Ostermontag nach München zu Titelverteidiger FC Bayern und nach dem 0:4 (0:3) war die Enttäuschung zwar groß, aber nicht riesig. „Wir haben alles reingehauen und können uns nichts vorwerfen“, befand Luisa Palmen. Dennoch: In den 90 Minuten auf dem Bayern-Campus war „ein Klassen-Unterschied“ sehr wohl erkennbar, sagte auch die SGS-Torfrau.

Damit folgen die Bayern dem Rivalen VfL Wolfsburg ins Endspiel in Köln am 14. Mai. „Das war kein Feuerwerk, aber nach den vielen intensiven Spielen der jüngsten Wochen haben wir es doch souverän gemacht“, sagte Bayerns Linda Dallmann. Gegen ihren Ex-Klub hatte die 31-Jährige vor zweieinhalb Wochen beim 5:0 in der Bundesliga noch selbst getroffen, diesmal trugen sich Momoko Tanikawa (29.), Pernille Harder (40.) und Edna Imade (45./73.) in die Liste der Torschützinnen ein. „Essen hat das in den ersten 20 bis 30 Minuten gut gemacht“, befand Dallmann, und damit hatte die einst bei der SGS zur Nationalspielerin gereifte Dinslakenerin recht. Der Außenseiter verteidigte leidenschaftlich und spielte von Beginn an mutig auf.

DFB-Pokal-Halbfinale: FC Bayern München - SGS Essen

In der fünften Minute musste Bayern-Torfrau Ena Mahmutovic in letzter Not retten, als Essens Ella Touon nach mehreren schönen Pässen vor ihr auftauchte. Die Außenseiterinnen versteckten sich keineswegs und beschäftigen die Gastgeber vielfach in der FCB-Hälfte. Selbst von einem Abseits-Tor durch Bayerns Arianna Caruso (23. Minute) ließen sie sich zunächst nicht beeindrucken. Dann aber geschah es: Giulia Gwinn spielte mit der Hacke im Strafraum auf die Japanerin Momoko Tanikawa, die eiskalt aus acht Metern vollstreckte (29.). Ein Treffer, der die SGS verunsicherte. Beim 2:0 durch Pernille Harder (40.) ließ Torfrau Palmen den Kopfball über die Arme rutschen („den muss ich halten“). Und auch das 3:0 der Bayern vor dem Pausenpfiff fiel in die Kategorie „unglücklich“ nach mehreren gescheiterten Klärungsveruchen.

„Wir müssen weiter an der Defensive und der Offensive arbeiten und den Ball länger in unseren Reihen halten“, analysierte SGS-Trainerin Heleen Jaques nach Spielende. In der zweiten Halbzeit hab es bis auf den vierten Gegentreffer durch Edna Imade (73.) keine großen Höhepunkte mehr, Essen kämpfte tapfer und die Bayern schalteten mindestens einen Gang zurück. Für die SGS richtet sich der Fokus nun weiter auf den Abstiegskampf in der Liga. Da wartet nach der Länderspielpause das richtungsweisende Duell gegen das Schlusslicht aus Jena. Der FC Bayern kann gegen Union Berlin dann schon den Meistertitel perfekt machen, ehe das Champions-League-Halbfinale gegen den FC Barcelona ansteht. Und dann geht es nach Köln zum Pokal-Finale.

DFB-Pokal im Liveticker: FC Bayern München - SGS Essen zum Nachlesen

DFB-Pokal: FC Bayern München - SGS Essen - vor dem Spiel

Nur noch ein Schritt bis zum großen Finale! So dramatisch die Situation für die SGS Essen in der Fußball-Bundesliga der Frauen auch ist, so groß ist die Chance im DFB-Pokal. Über 25.000 Tickets sind für das DFB-Pokalfinale in Köln bereits verkauft - und die Essenerinnen wollen genau dorthin. Das Problem: Ausgerechnet der FC Bayern München stellt sich ihnen in den Weg. Das Halbfinale beginnt um 15.30 Uhr.

Der Deutsche Meister dominiert auch in dieser Saison die Bundesliga nach Belieben und ist haushoher Favorit im Duell gegen die SGS. Die letzten Duelle waren stets eine klare Angelegenheit: 0:5, 1:4, 0:3, 0:2; 0:2; 0:2. Der letzte Essener Punktgewinn gegen den FC Bayern München gelang am 14. April 2019, der letzte Sieg am 30. September 2012! Beim FC Bayern stand damals noch Kathrin Längert im Tor, für Essen traf Sabrina Dörpinghaus doppelt, zudem liefen Linda Dallmann, Jacqueline Meißner und Irini Ioannidou für die SGS auf.

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Zahlen, die die Kräfteverhältnisse klar zeigen. Und dennoch: Die SGS Essen kann befreit aufspielen, sie hat rein gar nichts zu verlieren. Ella Touon, die die SGS Essen mit ihrem Tor im Viertelfinale gegen Werder Bremen ins Halbfinale schoss, sah dies kurz danach gegenüber DFB.de genauso: „Wir wissen, dass es die schwierigste Aufgabe ist, die wir zugelost bekommen konnten. Ein Sieg in München ist fast ein Ding der Unmöglichkeit. Wir werden jedoch versuchen, das Unmögliche möglich zu machen.“

Die Essenerinnen schalteten im Viertelfinale mit Werder Bremen den Vorjahresfinalisten aus dem Wettbewerb aus. Es war zugleich der erste Erfolg der Lila-Weißen seit Anfang Dezember des vergangenen Jahres. Die Mannschaft von Cheftrainerin Heleen Jaques steckt weiterhin tief im Abstiegskampf: Lediglich ein Zähler trennt die Essenerinnen vom Tabellenende, das derzeit Jena innehat. Der Rückstand auf den rettenden Nichtabstiegsplatz beträgt derzeit drei Punkte.

SGS Essen gegen Bayern München in der 1. Frauenfußball-Bundesliga.
Ramona Maier und die SGS Essen treffen im DFB-Pokal auf den FC Bayern München.© FUNKE Foto Services | Uwe Möller

Erst vor rund zwei Wochen standen sich die FCB-Frauen und die SGS Essen in der Bundesliga gegenüber. Diese Partie entschieden die Münchnerinnen mit 5:0 klar für sich. Die letzten 14 Duelle entschieden die Münchnerinnen allesamt für sich – bei einer beeindruckenden Tordifferenz von 38:3. Das letzte Mal, dass die Bayern nicht als Siegerinnen gegen die SGS vom Platz gingen, war übrigens im April 2019, als sich die FCB-Frauen und Essen 2:2 trennten – also vor fast sieben Jahren.