Eigentlich hatte das Festival-Team die vorläufige Abschluss-PK der 55. Ausgabe des Moers Festivals im Niag-Bus am Kastellplatz geplant. Doch daraus wurde nichts: Im Bus war es einfach zu heiß. Und so zog Festivalleiter Tim Isfort gemeinsam mit den Pressevertretern neben die Bühne. „Ich will mich nicht beschweren. Im letzten Jahr sind wir fast abgesoffen“, nahm Sprecherin Alessandra Carpentiere den spontanen Ortswechsel gelassen. Auch an eiskalte Erfrischungsgetränke für die lokalen und internationalen Journalisten hatte das Team gedacht. Sicher ist sicher!

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„Das Wetter ist einfach fantastisch“, begann Isfort seine Bilanz. „Wir hatten viel Glück, die Temperaturen waren fast schon etwas zu hoch.“ Sein Team sei mit dem Umzug in die Innenstadt ein großes Wagnis eingegangen. „Aber wir sind zu 92 Prozent froh, dass wir dieses Experiment gemacht haben.“ Unfälle oder größere Zwischenfälle habe es keine gegeben, die Rückmeldungen von Besucherinnen und Besuchern „waren super“, erzählte Isfort. Dennoch habe er bereits 100 Notizen gemacht, was man im kommenden Jahr verbessern könne.
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Mehr als 2000 Tickets seien bis Montagmorgen verkauft worden. „Das ist ein großer Erfolg für uns“, so Isfort. Auffällig: Bei den vier Preiskategorien, die von den Besuchern frei wählbar waren, hätten sich viele für die niedrigste Variante entschieden. Besonders unter Studenten sei die Nachfrage nach den 45-Euro-Tickets groß gewesen, berichtet Carpentiere. Gleichzeitig seien auch mehr „stille Helden“-Tickets (300 Euro) als in den Vorjahren über die Ladentheke gegangen. Nun müsse das Festival-Team laut Isfort überlegen, wie man mehr Tickets im mittleren Preissegment verkaufen kann: „Wir werden das analysieren und eventuell die Kategorien überarbeiten.“
Zeltplatz kommt gut an: „Mit so einer Resonanz haben wir nicht gerechnet“
Ein besonderer Höhepunkt für viele Besucher war offenbar die Rückkehr des Zeltplatzes in den Freizeitpark: „Wir hatten mehr als das Doppelte an Zelten als gedacht“, so Isfort. „Darunter auch viele junge Leute.“ Der große Ansturm auf die Zeltplatz-Tickets habe am Freitag begonnen, womöglich auch dank der guten Wetterprognose. „Mit so einer Resonanz haben wir nicht gerechnet.“ In den sozialen Netzwerken gab es vereinzelte Kritik an der Umzäunung des Zeltplatzes. Doch die sei aufgrund der strengen Auflagen einfach nötig gewesen, erklärte Sprecherin Carpentiere am Rande der Pressekonferenz.
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Den größten Ärger bereiteten Isfort und seinem Team Visa-Probleme von gleich sieben Artists. „Das war eine große Enttäuschung und hat unsere Freude schon getrübt“, gab der Festivalleiter offen zu. Sechs Künstler aus Benin sowie einer aus Ruanda hätten nicht anreisen können, „obwohl wir bei der Planung alles komplett richtig gemacht haben“. Immerhin: Ein Act aus Indonesien, der aufgrund von Visa-Schwierigkeiten ebenfalls auf der Kippe stand, konnte doch noch stattfinden. „Das war übrigens auch die einzige Band über das gesamte Wochenende, bei der es eine Beschwerde beim Ordnungsamt gab, weil die Musik zu laut war“, so Isfort.
Wo sieht der Festivalleiter sonst noch Verbesserungsbedarf? „Einige kleinere Locations waren schnell überfüllt, aber das ist ein Lernprozess“, erzählte Isfort. Der Ton auf der Haupttribüne am Kastellplatz sei aufgrund der Geräuschkulisse rund um den umzäunten Bereich nicht für alle musikalischen Acts ideal. Auch hier wolle sein Team bei der Planung nachbessern. Grundsätzlich sei es aber die richtige Entscheidung gewesen, Bühne und Festivaldorf so eng miteinander zu verknüpfen, um auch jüngere Menschen wieder zum Festival zu locken. Dieser Plan sei – trotz gegenteiliger Meinungen – aufgegangen: „Wir hatten mehr Besucher in ihren Zwanzigern als in den vergangenen Jahren“, bekräftigte Carpentiere.
Braucht es noch mehr Angebote im Stadtpark? „Verstehe die Leute vollkommen“
In den sozialen Netzwerken äußerten einige Nutzer den Wunsch, das Festival in den kommenden Jahren noch mehr zurück in den Stadtpark und Freizeitpark zu verlegen. „Ich verstehe die Leute vollkommen“, so Carpentiere. Die Auflagen seien jedoch sehr hoch, weshalb sich das Festival-Team bei der Rückkehr in die City zunächst etwas stärker auf den Kastellplatz konzentriert habe. Die Sprecherin schließe weitere Stände und Angebote im Stadtpark nicht aus, betont aber zugleich, dass solche Ideen sehr eng mit der Stadt abgesprochen werden müssen.
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Weitere Kritikpunkte: Auf dem Händlermarkt sei es aufgrund des hohen Besucheraufkommens zeitweise recht eng gewesen. Zudem kritisierten einige Besucher „Stolperfallen“ am Kastell, die insbesondere für ältere Menschen und Familien mit Kinderwagen ein Ärgernis darstellten. „Dass es sich so getümmelt hat, würde ich fast als Luxusproblem bezeichnen“, sagte Carpentiere. Die Problematik mit Kabeln und Co. kenne man vom Weihnachtsmarkt oder der Moerser Kirmes. „In Notfällen können Besucher aber auch immer unser Awareness-Team ansprechen.“
Alles in allem sei die 55. Auflage ein voller Erfolg gewesen, darin waren sich Isfort und Carpentiere einig. Auch das neu eingeführte Mehrwegsystem habe super funktioniert und den Müll deutlich reduziert. „Das Festival ist grundsätzlich gut bei den Leuten angekommen“, so Carpentiere. „Nach dem Festival werden wir uns zusammensetzen und überlegen, an welchen Stellschrauben wir noch drehen können.“





