Bei dem Wolf, der von Jägern in der niederländischen Provinz Utrecht erschossen wurde, handelt es sich tatsächlich um den gesuchten Problemwolf Bram. Das hat eine DNA-Analyse des toten Tieres ergeben, deren Ergebnisse am Freitag veröffentlicht wurden.

Dienstags
Der NRZ-Niederlande-Newsletter: Jetzt kostenlos anmelden!
Wichtige Nachrichten und spannende Berichte aus unserem Nachbarland - einmal pro Woche direkt in ihr Postfach.
Mit meiner Anmeldung zum Newsletter stimme ich der Werbevereinbarung zu.
Dass bei der Jagd auf Bram versehentlich ein falsches Tier erschossen wurde, konnten Tierschützer vorher nicht ausschließen. „Einzelne Wölfe aus der Ferne optisch zu unterscheiden, ist sehr schwierig. Dafür sehen sie sich zu ähnlich. Gewissheit kann nur die Genetik geben“, erklärt Katharina Stenglein, Wolfsexpertin des BUND NRW, im Gespräch mit der NRZ. Und diese Ergebnisse sind jetzt da: Es war tatsächlich Bram. Damit ist der berühmte Wolf mit der Kennung GW3237m der erste Wolf im Nachbarland, der dort legal erlegt wurde.
Die Provinzverwaltung hatte die Jagd an die sogenannte Faunabeheereenheid (FBE) delegiert – eine Experteneinheit, die nach eigenen Angaben „bei Belästigungen oder Schäden durch Wildtiere“ in der Region Utrecht eingreift. Wo und wann genau der Wolf erlegt wurde, will die Provinz nicht verraten.
Wolf Bram aus den Niederlanden mehrmals auffällig geworden
Der Wolf mit der Kennung GW3237m soll in den vergangenen Monaten immer wieder für Unruhe in der Region gesorgt haben und wurde von der Provinz Utrecht deshalb als Problemwolf eingestuft, der aus der Population entfernt werden muss.
Unter anderem soll er im Sommer einen sechsjährigen Jungen in der Nähe der Pyramide von Austerlitz, einem bekannten Ausflugsziel zwischen Arnheim und Utrecht, angegriffen und das Kind dabei sogar gebissen haben. Und am 12. August hatte ein Wolf im Naturschutzgebiet Renderklippen zwischen Heerde und Epe den Hund eines Spaziergängers gebissen. Auch hier stand rasch Bram unter Verdacht.
Wurde Wolf Bram von Menschen gefüttert?
Stenglein vermutet hinter dem auffälligen Verhalten des Raubtieres einen bestimmten Grund: Offenbar habe es die Scheu vor Menschen verloren. Das sei sehr ungewöhnlich und spreche dafür, dass sich das Tier an die Nähe zu Menschen gewöhnt habe. Das passiere zum Beispiel, indem Menschen das Tier anlocken und füttern würden. Für Naturliebhaber vielleicht spaßig, doch für den Wolf ein völlig falsches Signal, das zu Verhaltensveränderungen führen kann. Die Expertin rät deshalb stark davon ab, Wölfe in der Wildnis zu füttern oder zu streicheln. „Auch wenn es aus gutem Willen geschieht, man tut dem Wolf keinen Gefallen, wenn man ihn füttert.“
Auch wenn es aus gutem Willen geschieht, man tut dem Wolf keinen Gefallen, wenn man ihn füttert.
Katharina Stenglein, Wolfsexpertin des BUND NRW
Gericht entschied: Bram darf abgeschossen werden
Ende Juli hatte ein Gericht entschieden, dass das Tier abgeschossen werden darf, es sei eine Gefahr für die öffentliche Ordnung. Eine Entscheidung, die Stenglein befürwortet: „So traurig es auch ist: Wenn sich ein Wolf Menschen gegenüber aggressiv verhält und das Tier eine Gefahr darstellt, ist die Entnahme der richtige Weg.“ Die Richter forderten damals rasches Handeln, um weitere Zwischenfälle zu verhindern. Der Abschuss unterliegt jedoch strengen Auflagen: Bram darf nur in einem abgegrenzten Gebiet, außerhalb der Sichtweite von Menschen und abseits von Hauptstraßen erlegt werden.
Die Jäger der FBE patrouillierten daraufhin in Zweier- oder Dreiergruppen und ausschließlich tagsüber, um sicherzugehen, dass Bram eindeutig identifiziert werden kann. Monatelang verlief die Suche ohne Erfolg, da die Bedingungen für einen Abschuss bislang nicht erfüllt waren.
Weitere Artikel zum Thema Wolf finden Sie hier:
- Alle Neuigkeiten zum Wolf im NRZ-Blog
- Wolf in altem Gloria-Revier gesichtet: Das sagt Lanuk-Experte zu den Aufnahmen
- Bundestag erlaubt Jagd auf Wölfe – Naturschützer in NRW warnen vor den Folgen
- Warum die Tierpflegerin der Anholter Schweiz keine Angst vor den drei Wölfen hat
- Wölfin Gloria seit einem Jahr verschollen: Was für eine illegale Tötung spricht
- Wölfe in NRW: Wie Kot-Fotos beim Monitoring helfen können
Falscher Wolf „wäre wirklich herzzerreißend“
Die Abschussgenehmigung für Wolf Bram wäre zum Ende des Jahres erloschen. Danach hätte diese neu aufgesetzt werden müssen. Behörden, Jäger und besorgte Bürger hatten deshalb gehofft, dass die DNA-Analyse Brams Tod beweist. So auch der niederländische Tierrechtsaktivist Niko Koffeman: „Es wäre wirklich herzzerreißend, wenn der falsche Wolf erschossen worden wäre und die Jagd auf dem Utrechtse Heuvelrug wieder aufgenommen werden müsste“, sagte er der niederländischen Zeitung „AD“.
Bram ist indes nicht der einzige problematische Wolf in den Niederlanden. Bereits im Sommer 2024 war der Naturpark Den Treek gesperrt worden, nachdem dort ein Mädchen auf einem Kindergartenausflug gebissen und leicht verletzt worden war. Später waren zwei Jogger angefallen worden. Im Frühjahr 2025 hatte die Provinz Gelderland eine Abschussgenehmigung für das Tier erteilt. Die Suche verlief jedoch bislang erfolglos.





