Wie können Weidetiere in NRW besser vor Wölfen geschützt werden? Was muss sich an der Wolfsbeobachtung, dem Monitoring verändern? Und welche Möglichkeiten ergeben sich durch die Herabsenkung des Wolfsschutzes? Fragen wie diesen stellten sich am Montag einige Expertinnen und Experten im Rahmen einer Sitzung des Ausschusses für Umwelt, Natur- und Verbraucherschutz,
Landwirtschaft, Forsten und ländliche Räume im Landtag.

Naturschützer sowie Vertreter aus Jagd- und Bauernverbänden waren vor Ort, um die zahlreichen Fragen der Landtagsabgeordneten zu beantworten. Den Start der Fragerunde machte Markus Höner von der CDU, der gleich den abgesenkten Schutzstatus zum Thema machte. Der Blick in andere Länder zeige bereits, dass auch schon vor der EU-weiten Absenkung – die schließlich noch nicht final ist – ein härteres Eingreifen gegen den Wolf möglich war. Warum ist das so und was muss sich in Deutschland ändern?

Warum gibt es so viele Wölfe in Deutschland?

Zunächst müsse man unterscheiden zwischen den EU-Staaten, bei denen der Wolf einen geringeren Schutzstatus hat und den Staaten, in denen der Wolf den gleichen Schutzstatus hat wie in Deutschland. Aktuell entspricht der hier noch dem Anhang 4 der FFH-Richtlinie, einer EU-Richtlinie zum Erhalt der Biologischen Vielfalt. Auch in Frankreich und Schweden gelte dieser Schutzstatus, merkte Steffen Pingen vom Deutschen Bauernverband an. Trotzdem greife man dort härter durch.

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„Hier wird ein Erhaltungszustand politisch festgelegt“, erklärte Pingen. Also eine feste Populationsgröße. Wird die überschritten, dürfen hier Wölfe entnommen werden. „In Deutschland bräuchte man dafür eine Ausnahmeregelung im Einklang mit der FFH-Richtlinie.“ Dann hätte man auch in Deutschland mehr Handlungsspielraum, so der Experte.

Wie wichtig ist der Herdenschutz für Tierhalter?

René Schneider (SPD) wendete sich direkt an Schäfer Maik Dünow aus Wesel. Er wollte wissen: Wie wichtig ist der Herdenschutz und wie groß ist die finanzielle Belastung der Weidetierhalter? „Der Herdenschutz ist das Wichtigste“, findet der Schäfer. Doch diese müsse bezahlbar und wirksam sein. Wölfin Gloria hat bereits bewiesen, dass ein Wolf die Herdenschutzzäune überwinden kann. Das sei zwar eher die Ausnahme, zeige aber, dass der Herdenschutz nicht die einzige Lösung sein dürfe.

Der Meinung ist auch Simon Darscheid vom Schafzuchtverband NRW, der in seiner Antwort auf eine ähnliche Frage nochmals die hohen laufenden Kosten für Herdenschutzmaßnahmen hervorhob. Sich das Geld dafür zurückzuholen funktioniere oft deutlich schlechter als in anderen Bundesländern, „da könnte man schon von einer Wettbewerbsverzerrung sprechen“, findet er. Die Wolfspopulation müsse also genauer reguliert werden. Immer wieder ist in diesem Zusammenhang von der Entnahme einzelner Wölfe die Rede, statt die Rudel zu bejagen. Ob das bald möglich sein wird, wollte der Klever Grünen-Abgeordnete Volkhard Wille wissen.

Wölfe in NRW: Ist der Abschuss bald erlaubt?

Nicola Kronauer von der Gesellschaft zum Schutz der Wölfe geht davon aus, dass die EU den Schutzstatus absenken wird. Dann müsse aber noch das Bundesnaturschutzgesetz angepasst werden, bevor Änderungen auf Landesebene möglich sind. „Es liegt noch ein weiter Weg vor uns.“

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Danach könne man die Entnahme einzelner Wölfe möglich machen, dafür müsse dann aber auch eine bessere Überwachung her, um die „Problemwölfe“ überhaupt zu identifizieren und entnehmen zu können, kritisierte sie. Genau das sei im Fall Gloria auch schon versäumt worden, ergänzte Nicole Heitzig, Präsidentin des Landesjagdverbandes NRW, auf eine Frage von Dietmar Brockes (FDP).

Wie muss sich das Monitoring verändern?

Was muss also am aktuellen Monitoring verbessert werden? Geht es nach Kronauer, müsste das eher wieder so werden wie früher. „Früher gab es in Schermbeck ein aktives Monitoring.“ Hier wurden zum Beispiel Wildkameras aufgestellt, regelmäßig ausgewertet und Kotproben entnommen. Dafür brauche es aber eben auch ehrenamtliches Personal. Mittlerweile sei es nur noch ein passives Monitoring, bei dem erst dann Untersuchungen angestellt werden, wenn es einen Riss gab. Da bringe dann auch der Herdenschutz nichts mehr, kritisierte sie.

Droht der Herdenschutz also ohne ein aktives Wolfsmanagement zu scheitern? „Ja, das ist tatsächlich so“, beantwortete Tierarzt Engelbert Weyermann die Frage von Dietmar Brockes. Gutes Monitoring alleine reiche nicht aus, aber es sei eine wichtige Grundlage. Doch auch einzelne Entnahmen seien notwendig. Dabei würde nicht zuletzt auch eine einheitliche Regelung helfen. „Wir sind ja schließlich nicht alleine in der EU.“

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