Dunja Berendsen ist noch ein bisschen müde. Seit einigen Wochen kann sie kaum noch eine Nacht durchschlafen. „Unsere Schafe lammen. Ich hänge manchmal echt durch“, sagt sie, als sie kurz den Kopf ins Wohnzimmer des alten Bauernhauses streckt und schon wieder weg ist. „Ich bin sofort da“, verspricht sie und setzt sich schließlich an den großen Wohnzimmertisch. Dass in diesem Haus Freunde von Schafen leben, ist nur schwer zu übersehen, an den Wänden hängen einige Bilder von den Tieren. „So“, sagt Dunja Berendsen. Sie ist bereit, von dem Schafshof, den sie gemeinsam mit ihrer Familie betreibt, und über das Fleisch der Tiere, das sie selbst vermarktet, zu erzählen.
Lammcurry mit Fleisch vom Naturhof
Zutaten Curry für sechs Personen: 1 kg Lammfleisch, in grobe Würfel geschnitten, 1 L Wasser, 300 g Zwiebeln, fein gehackt, 250 g Tomaten, geschält und zerkleinert, 25 g frischer Ingwer gerieben, 20 g frischer Knoblauch, fein gehackt, 5 EL Öl, 3 Lorbeerblätter, 10 Pfefferkörner, 8 cm Zimtstange, 6 Nelken
1 schwarze Kardamomkapsel, 2 EL Wasser, 1 ½ TL gemahlener Koriandersamen, am besten frisch im Mörser zerkleinern, 1 TL Salz, 1 TL Garam Masala, ½ TL gemahlener Gelbwurz (Kurkuma), rotes Chilipulver nach Geschmack vorsichtig dosieren, 1 TL ist sehr scharf, Zum Garnieren: 1 EL gehacktes Koriandergrün
Zubereitung: Öl in einem großen Topf erhitzen und Lorbeerblätter, Kardamom und Zimtstange hinzugeben. Sobald die Blätter zu braten beginnen, Pfefferkörner und Nelken hinzugeben und kurz mitbraten. Nach einer Minute die Zwiebeln einstreuen und unter regelmäßigem Umrühren mit leichter Farbe anschwitzen. Das dauert ca. 15 Minuten. Nun Ingwer, Knoblauch, Lammfleisch und 1 Teelöffel Salz hinzugeben und bei niedriger Temperatur unter ständigem Rühren ca. 20 Minuten anbraten. Alle paar Sekunden die Gewürze vom Topfboden kratzen, damit sie nicht anbrennen. Wenn es zu trocken wird, gegebenenfalls 2 Esslöffel Wasser hinzugeben. Gelbwurz, Koriandersamen, rotes Chilipulver und Garam Masala einstreuen und unter ständigem Rühren noch weitere 5 Minuten mitbraten. Dann die Tomaten und 2 Esslöffel Wasser hinzugeben und weitere 5 Minuten köcheln lassen. Nun 1 Liter Wasser zugießen und noch einmal 15 Minuten kochen lassen. Danach die Hitze reduzieren und das Fleisch bei mittlerer Temperatur gar schmoren lassen. Vor dem Servieren mit dem gehackten Koriandergrün bestreuen.
Tipp: Das perfekte Curry hat eine dicke, sämige Soße, die an den Fleischstücken haften bleibt. Ist die Soße zu flüssig, einfach den Deckel vom Topf nehmen und das Curry so lange kochen lassen, bis genug Flüssigkeit verdampft ist und die Soße die richtige Konsistenz hat. Dazu passt Basmatireis.
Sie holt kurz Luft und beginnt die Geschichte ganz von vorn. „Wir haben seit 2011 Schafe“, sagt sie. „Wir haben damals drei Flaschenlämmer übernommen. Unsere Tochter war gerade geboren.“ Zu dieser Zeit lebte die Familie noch in Witten. „Ich habe damals viele Aktionen für Kitas mit den Schafen organisiert und auch Kindergeburtstage, die waren super ausgebucht.“ Doch irgendwann wurde es zu eng im Ruhrgebiet für die Familie mit den Schafen, also schaute sie sich nach einem Hof um. „Wir haben lange gesucht“, erinnert sich die Mutter von zwei Kindern. Schließlich fand die Familie ihren Hof in Kevelaer, einen Pachthof von Schloss Wissen. Dort lebt Dunja Berendsen mit ihrem Mann und den beiden gemeinsamen Kindern seit mittlerweile fünf Jahren.

Auf dem Hof gibt es derzeit 110 Mutterschafe und 135 Lämmer und drei Böcke der Rasse Coburger Fuchs. Dunja Berendsen steht auf, sie möchte den Schafstall zeigen. Aber erst zieht sie noch einen Pullover darüber, natürlich aus reiner Schafswolle. „Wir sind keine Wanderschäfer“, sagt sie auf dem Weg zum Stall. „Aber wir fahren regelmäßig mit den Tieren zu Streuobstwiesen.“ Sie öffnet die Tür. Gleich gegenüber befindet sich die „Kinderstube“ mit den kleinen Lämmchen, die ein wenig an einen Laufstall für Kinder erinnert. „Määhhhhh!“, rufen die kleinen Lämmchen alle wild durcheinander. „Wenn Freunde hereinkommen, ist hier immer Unruhe“, sagt Berendsen und lächelt. „Da hinten rührt meine Tochter gerade die Milch für die Flaschenlämmchen an“, sagt sie und zeigt in die andere Ecke des Stalls.
Tochter Marla füttert die Lämmchen mit der Flasche
Tochter Marla läuft mit einer Flasche rüber und nimmt behutsam eines der Lämmchen hoch. Sie umgreift den hinteren Teil des Tiers und gibt dem Lämmchen die Flasche. Im vorderen Teil des Stalls sind einzelne Buchten. „In denen sind die Mutterschafe mit ihren Lämmchen untergebracht“, erklärt Berendsen. „Wir haben so genau im Blick, wie die Schafe mit ihrem Nachwuchs zurechtkommen. Außerdem kann sich so eine richtige Bindung entwickeln.“ Drei Tage bleiben die kleinen Lämmchen so separiert mit ihren Müttern zusammen.

Während Dunja Berendsen das alles ganz genau erklärt, macht sich eines der Schafe ganz besonders bemerkbar. „Das ist Madita“, sagt Berendsen. Das Schaf läuft selbstbewusst auf die Gitterstäbe zu und mustert den Besuch im Stall ganz genau. „Magst du herkommen, Madita?“, fragt Berendsen. Das Schaf kommt ganz nah und lässt sich streicheln.
Aber auch die kleinen Schäfchen sind neugierig. „Allzu lange bleiben die Böcke nicht mehr mit den weiblichen Tieren gemeinsam im Stall. Mit zwölf Wochen sind sie bereits geschlechtsreif“, erklärt Berendsen. Wenn die männlichen Tiere alt genug sind, werden sie geschlachtet. „Aber erst nachdem sie ein Jahr alt sind“, betont Dunja Berendsen. „Viele denken immer, wenn es um Lammfleisch geht, dass es die ganz kleinen Lämmchen sind, aber das ist nicht so.“
Aus dem Fleisch der Schafe entstehen auch Wurstwaren
Geschlachtet werden auch die Mutterschafe, die nicht mehr zur Zucht geeignet sind. „Wir lassen daraus Salami, Schinken und Bratwürste herstellen“, sagt Berendsen. „Wir schlachten nicht selbst. Das übernimmt ein kleiner Betrieb in Kalkar, dem wir voll vertrauen.“ Die Tiere bringt die Familie selbst dorthin. „Schön ist das nicht. Wir kennen die Tiere seit der Geburt. Für manche ist das wahrscheinlich nur schwer vorstellbar“, sagt Berendsen. Aber das gehöre nun mal dazu.

Aber auch die Felle und die Wolle der Tiere werden verarbeitet. „Die Wolle lassen wir nach Belgien in eine kleine Wäscherei bringen. Auf der Schwäbischen Alb wird sie dann zu Strickwolle verarbeitet“, erzählt Dunja Berendsen. „Der Pullover, den ich gerade trage, der ist aus unserer Wolle hergestellt worden“, sagt sie. Sie blickt nochmal schnell zu ihrer Tochter. „Meine Tochter kann übrigens auch spinnen“, sagt sie. Sie geht aus dem Stall und läuft rüber zum Hofladen, der an diesem Tag nicht geöffnet hat.
Sie sperrt die Tür auf. „Wir verkaufen unser Fleisch hier im Hofladen. Es kann aber auch übers Internet bestellt werden, und auf unseren Hoffesten bieten wir auch unser Fleisch an“, sagt Dunja Berendsen. Der gut gefüllte Kühlschrank steht ein bisschen unscheinbar in der Ecke direkt neben der Tür. Verschiedene Stücke vom Lamm können dort eingeschweißt und eingefroren ausgewählt werden. Vor dem Kühlschrank steht ein Korb mit Stücken vom Lammschinken. „Der ist auch richtig gut“, sagt die 55-Jährige, fast ein bisschen stolz.

Beim letzten Hoffest gab es Pulled-Lamm-Burger. „Das ist mega lecker“, erklärt Berendsen. Sie weiß, dass es viele Vorurteile gegenüber Lammfleisch gibt. „Viele kommen her und sind sehr aufgeschlossen und lassen sich letztlich auch überzeugen.“ Der Preis für das Schafsfleisch variiert je nach Stück. Im Durchschnitt liegt er bei rund 25 Euro pro Kilo. Aber das ist längst nicht alles, was der Hofladen zu bieten hat. Es gibt auch Schafsfelle und Strickwaren aus der hofeigenen Wolle und auch eine große Auswahl an Naturkosmetik aus Schafsmilch, die kauft Dunja Berendsen zu.
Dass aus drei Lämmchen ein ganzer Hof entstanden ist mit Hofladen, kann Dunja Berendsen manchmal selbst nicht glauben. „Es ist einfach so gewachsen. In der heutigen Zeit ist es schon krass, dass wir das geschafft haben“, sagt sie und schließt die Tür des Hofladens wieder von außen. Sie hat noch einiges zu tun und bis zum nächsten frischgeborenen Lämmchen ist nicht mehr viel Zeit...

Der Hofladen des Naturhofs Kevelaer, Altwettener Weg 12, in Kevelaer hat donnerstags und freitags von 15.30 bis 18.30 Uhr und samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Das Fleisch sowie die anderen Produkte vom Schaf können auch über die Internetseite bestellt werden. www.produkte-vom-schaf.de


