Er soll einen sechsjährigen Jungen in der niederländischen Provinz Utrecht gebissen und den Hund eines Spaziergängers angegriffen haben. Jetzt wurde der berühmte Wolf Bram im Nachbarland erschossen. Durch eine DNA-Analyse wurde seine Identität vor wenigen Tagen bestätigt. Eine Erleichterung für das Team aus Jägern, das zuvor schon monatelang nach dem Tier gesucht hatte, das im Sommer als Problemwolf eingestuft und zum Abschuss freigegeben wurde.
Von Tierschützern wurde der Abschuss befürwortet. Denn wo der Wolf sich Menschen gegenüber aggressiv verhält und für sie eine Gefahr darstellt, da sei die Entnahme der richtige Weg, sagt Katharina Stenglein, Wolfsexpertin des BUND NRW, der NRZ. Auch die sogenannte „Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie“, an die sich EU-Mitgliedsstaaten halten müssen, erlaubt eine Entnahme unter diesen Bedingungen. Doch auch wenn in der EU die gleichen Rahmenbedingungen herrschen, ist der Umgang mit dem Raubtier von Land zu Land unterschiedlich.
In Zweierteams auf der Jagd nach Bram
Eine „Fauna-Management-Einheit“, die in Zweier- und Dreiergruppen täglich im Wald patrouilliert, um den einen Wolf zu finden und zu erschießen – das sei nach Angaben der Behörden die Vorgehensweise bei Problemwölfen in den Niederlanden. So sei es auch im Fall Bram gelaufen. Die Jägerteams seien nur tagsüber unterwegs gewesen, um auch wirklich sichergehen zu können, dass sie den richtigen Wolf im Visier haben. Monatelang verlief die Suche ohne Erfolg, jetzt hat sie ein Ende gefunden. Bram war zwar nicht der erste Wolf, der hier zum Abschuss freigegeben wurde, dafür allerdings der erste der erfolgreich legal entnommen wurde.
Und auch in Deutschland sind bereits Wölfe zum Abschuss freigegeben worden. Nicht selten hatte das aber für große öffentliche Diskussionen gesorgt, zum Teil auch zu rechtlichen Schritten gegen die Freigabe, die dadurch wieder gekippt wurde. So hatte der Landkreis Wittmund vor rund zwei Wochen in Absprache mit dem Umweltministerium Niedersachsen einen Wolf zum Abschuss freigegeben, nachdem dieser zwischen August und November zehn Rinder gerissen haben soll. Gegen die dafür erteilte Ausnahmegenehmigung legte der Freundeskreises freilebender Wölfe e.V. vor dem Verwaltungsgericht Oldenburg Widerspruch ein – und bekam Recht. Es seien zu wenig Alternativen zum Abschuss geprüft worden, teilte das Verwaltungsgericht am Dienstag mit.
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Abschüsse in NRW: Als Gloria auf der Liste stand
In NRW ist offiziell noch kein Wolf zum Abschuss freigegeben und dann erschossen worden. Zwar hatte der Kreis Wesel Ende 2023 versucht, mit einer Allgemeinverfügung den Abschuss der berühmten Wölfin Gloria zu erreichen, jedoch hatten sich drei Naturschutzverbände vor dem Verwaltungsgericht Düsseldorf erfolgreich dagegen gewehrt.
Als ganz NRW zum Wolfsgebiet wurde
In NRW setzt man statt auf Abschussfreigaben eher auf den präventiven Herdenschutz. Denn noch immer schlagen Wölfe vor allem dort zu, wo die Tiere nicht ausreichend geschützt sind, mahnt das NRW-Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr. Im August wurde deshalb ganz NRW zum Wolfsgebiet erklärt. Bedeutet: Geld vom Land für Schutzzäune oder Herdenschutzhunde gibt es seitdem nicht mehr nur für Tierhalter, die in ausgewiesenen Wolfsterritorien leben. Um die Fördermittel zu erhalten, muss zunächst ein Termin bei der Herdenschutzberatung gemacht und anschließend ein umfangreicher Antrag bei der Landwirtschaftskammer eingereicht werden.
In Österreich wurden hingegen allein im Sommer mehrmals „Risikowölfe“ zum Abschuss freigegeben. Bei unseren südlichen Nachbarn geschieht das deutlich schneller und unbürokratischer. Als Grund der Landesregierung, eine Abschussverordnung für einen Wolf zu erlassen, reichte dort, dass ein totes Schaf in dem Ort Nauders nahe des Drei-Länder-Ecks zwischen Österreich, Schweiz und Italien entdeckt wurde und der Verdacht auf einen Wolfsriss bestand. Bedeutet: Weder das Ergebnis einer Untersuchung wurde abgewartet noch ein bestimmter Wolf zum Abschuss freigegeben.
Österreich: Schon drei Wölfe im Dezember erschossen
Seit Dezemberbeginn wurden in der österreichischen Region Kärnten laut Medienberichten bereits drei Wölfe geschossen. Möglich ist das durch die „Kärntner Wolfsverordnung“, die bestimmte Wölfe als „Risiko-„ und „Schadwölfe“ definiert und deren Abschuss erlaubt. Zwölf Wölfe wurden so in diesem Jahr verordnungskonform geschossen. Dem gegenüber stehen laut dem österreichischen Umweltschutzministerium 340 Nutztierrisse im vergangenen Jahr. Zum Vergleich: In NRW wurden in diesem Zeitraum rund 280 Nutztiere bei Wolfsangriffen getötet oder verletzt.
Entnahmequote in Frankreich bei 19 Prozent
Auch in Frankreich werden mehr Wölfe erschossen als in Deutschland, obwohl der Bestand hier kleiner ist. Teil des Wolfsmanagements ist hier eine Entnahmequote, die darauf abzielt, die Population zu regulieren und Angriffe auf Nutztiere zu verhindern. Jährlich dürfen hier 19 Prozent der in Frankreich lebenden Wölfe entnommen werden. 2025 waren das fast 200 Tiere. Die Regelung gibt es bereits seit mehreren Jahren, eingeführt wurde sie also schon deutlich vor der Senkung des Schutzstatus im Frühjahr. In der Folge ist die Wolfspopulation in Frankreich in den vergangenen Jahren laut den Behörden immer auf einem ähnlichen Niveau geblieben.
In Belgien sind die Regeln dafür indes deutlich strenger. Auch hier sind Abschüsse zwar möglich, jedoch nur im Einzelfall und unter strengen Bedingungen. Vielmehr steht hier der Herdenschutz im Vordergrund. Erst wenn alle anderen Herdenschutzmaßnahmen versagt haben, kann der Abschuss eines Problemwolfes genehmigt werden.


