Es war die erste und wohl auch letzte Podiumsdiskussion vor der Kommunalwahl am 14. September, an der alle Kandidatinnen und Kandidaten fürs Bürgermeisteramt teilnahmen - organisiert vom Kinder- und Jugendparlament (KiJuPa) in Dinslaken. Vor mehreren hundert Schülerinnen und Schülern aus Dinslakens weiterführenden Schulen versuchten die sechs Kandidaten - die amtierende Bürgermeisterin Michaela Eislöffel (parteilos), Simon Panke (SPD), Dominik Bulinski (CDU), Dr. Tagrid Yousef (Grüne) Stefan Walko (UBV) und Dieter Holthaus (Linke) - in der Aula der Ernst-Barlach-Gesamtschule (EBGS) eine Verbindung zu den potenziellen Jungwählerinnen und -wählern aufzubauen und von sich zu überzeugen. Ein schwieriges Unterfangen: Denn was ist den jungen Menschen in Dinslaken eigentlich wichtig?

Das waren die Themen

Wohnen und Mobilität etwa, Freizeit und Sicherheit - Fragen zu diesen Themen hatte das Kinder- und Jugendparlament für die von Jonas Overländer (Vorsitzender des KiJuPa) und Tim Riedel (Protokollant des KiJuPa) moderierte Diskussionsrunde vorbereitet - dazu kamen Fragen aus dem Publikum: Wieso müssen die Abschlussjahrgänge der Dinslakener Schulen Geld für die Abschlussfeiern in der Kathrin-Türks-Halle (KTH) zahlen, obwohl die doch eine „Halle für alle“ sein solle? Und: Kann die Stadt die Finanzierung des bundesweiten Kulturpasses - ein Budget von 200 Euro für Bücher und Veranstaltungen für junge Menschen - der vor dem Aus steht, übernehmen?

Die Stadt Dinslaken ist finanziell am Ende. Das sei allen klar und solle deswegen in der zeitlich begrenzten Diskussion - jede Antwort war auf 40 Sekunden beschränkt - nicht ständig gesagt werden, so die Moderatoren. Weil der Prozess der Haushaltssicherung aber bedeutet, dass die Stadt freiwillige Leistungen wie Abschlussbälle und Kulturgutscheine nicht übernehmen kann, war es dann doch Thema.

Hier gibt es Infos zur Kommunalwahl in Dinslaken

Informationen zur Kommunalwahl in Dinslaken gibt es auf einer eigenen Seite der NRZ Dinslaken.

Informationen zu allen Kandidaten und Kandidatinnen, die in Dinslaken bei der Kommunalwahl 2025 antreten, gibt es hier.

Kostenlose Abibälle - das sagten die Kandidatinnen und -kandidaten

Er werde sich für kostenlose Abschlussbälle in der KTH einsetzen „und ich hoffe, die anderen hier auch“, erklärte Stefan Walko (UBV) - aber so einfach sei das eben nicht, sagten die anderen Kandidierenden. Weil dann nicht nur Abiturienten sondern alle Schulen ihre Abschlüsse dort feiern wollten, wandten etwa Dr. Tagrid Yousef und Dominik Bulinski ein. Sie habe dafür gesorgt, dass immerhin die Zeugnisübergabe in der KTH kostenlos sei und die Abschlussjahrgänge die anschließende Feier zum Sonderpreis bekämen, erklärte Michaela Eislöffel. Mehr gehe aber nicht, die Stadthalle gehöre zudem zu einer eigenen Gesellschaft. Diese, die Din-Event, sei allerdings eine Tochter der Stadt Dinslaken, wandte Dieter Holthaus ein.

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Das Geld, so erklärte Simon Panke, fehle am Ende an anderer Stelle: Die Stadt gebe jährlich etwa 30.000 Euro an Wohlfahrtsverbände, „die sich darum kümmern, dass arme Kinder was zu essen oder eine Nachmittagsbetreuung kriegen“. Wenn die Stadt die Abibälle bezahle, fehle das Geld beispielsweise an dieser Stelle - und dann „finde ich das im Verhältnis doch krass, weil es mir schon wichtig ist, dass wir auch genügend Geld haben, um für soziale Projekte zu sorgen.“

Ähnlich sah die Argumentation zum Kulturpass aus. Dieter Holthaus wandte mehrfach ein, dass die Haushaltssicherung mit den Gewinnen aus dem Verkauf der Steag-Anteile der Stadtwerke aufschiebbar gewesen wäre und erhielt dafür Applaus. Noch mehr Zuhörende klatschten bei Simon Pankes Gegenrede: „Lass Euch von Herrn Holthaus nicht veräppeln“, sagte er - und kündigte eine Erklärung dazu auf TikTok an.

Was hält mich denn als junger Mensch in Dinslaken?

Jonas Overländer, Moderator und Vorsitzender des KiJuPa

„Was hält mich denn als junger Mensch in Dinslaken?“ Eine Frage von Jonas Overländer, die nicht leicht zu beantworten war. Es fehle an bezahlbarem Wohnraum, räumte etwa Michaela Eislöffel ein, an einem Jugendcafé, niedrigschwelligen Aufenthaltsmöglichkeiten auch in den Stadtteilen (Dieter Holthaus), an Freizeitmöglichkeiten und Geschäften für junge Leute und ÖPNV-Verbindungen in die größeren Kommunen (Stefan Walko), Subkulturen, so Simon Panke: Aber eigentlich sei es „gar nicht verkehrt“, wenn junge Menschen einmal in eine andere Stadt kommen, fand er - und dann „wäre es schön, wenn sie wieder zurückkommen würden“, so Dr. Tagrid Yousef: Dinslaken biete den Tenderingssee, das Dinamare, Kulturveranstaltungen und Möglichkeiten sich zu engagieren. Wer etwa nach dem Studium zurückkehre, sehe „was für eine tolle Stadt wir haben“, so Dominik Bulinski. Aber: Man müsse „Wohn-, Gewerbe- und Industrieflächen fördern, damit ihr auch zukünftig die entsprechenden Jobs vor Ort habt.“

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Welche Veranstaltungen es denn für junge Leute gebe? Die Antworten der Kandidierenden reichten von den Din-Tagen über die Sommerkultur bis zum Waikiki-Festival und der Martinikirmes.

Wo sich alle einig waren

Dominik Bulinski (CDU, v.li.n. re.), Michaela Eislöffel (parteilos), Dieter Holthaus (Linke), Jonas Overländer und Tim Riedel (KiJuPa), Simon Panke (SPD) und Dr. Tagrid Yousef (Grüne) bei der Podiumsdiskussion in der EBGS.
Dominik Bulinski (CDU, v.li.n. re.), Michaela Eislöffel (parteilos), Dieter Holthaus (Linke), Jonas Overländer und Tim Riedel (KiJuPa), Simon Panke (SPD) und Dr. Tagrid Yousef (Grüne) bei der Podiumsdiskussion in der EBGS.© NRZ | aha

Es brauche mehr bezahlbare Wohnmöglichkeiten für junge Menschen, besseren ÖPNV, mehr Beleuchtung für ein besseres Sicherheitsgefühl, bessere Radwege, da waren sich alle einig. Und „dass Sie mit uns gemeinsam zusammenarbeiten und Ihre Wünsche mitteilen“, so Dr. Tagrid Yousef. Die besseren Radwege seien eine Geldfrage, Dominik Bulinski setzt auf Fahrrad- und Schulstraßen und hofft auf Fördermittel - etwa aus dem Infrastrukturvermögen des Bundes, so Simon Panke. Es müsse außerdem eine „Prioritätenliste“ (Dr. Tagrid Yousef) und ein Baustellenmanagement (Stefan Walko) geben. Zumindest die Einmündungen von Radwegen auf Straßen habe die Stadt zuletzt bereits rot markiert, betonte Michaela Eislöffel.

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Egal, für wen sie sich am Ende entscheiden: Generell appellierten die Bürgermeisterkandidatinnen und -kandidaten an die Zuhörerinnen und Zuhörer, demokratisch und „keinesfalls rechts“ zu wählen, so Dominik Bulinski.

Einige Reaktionen aus der Schülerschaft und dem KiJuPa finden Sie in dem Instagram-Video oben im Text (bitte externen Inhalt freischalten).